Auf und davon: Felipe Massa lässt die harten Ferrari-Jahre hinter sich

Formel 1 2014

— 25.09.2014

Massa: "Williams vermutlich mein letztes Formel-1-Team"

Wie nahe Felipe Massa im Vorjahr dem Karriereende war, wieso im Williams besser liegt als Ferrari und wieso er das Team als letzte Karrierestation sieht



Im Vorjahr stand Felipe Massa vor einem Scherbenhaufen: Nachdem ihm Ferrari mitgeteilt hatte, dass er sich einen neuen Job suchen muss, sah er sich mit dem Karriereende konfrontiert, ergriff dann aber den Rettungsanker Williams. Der einstige Formel-1-Gigant aus Grove war damals ein Schatten seiner selbst, musste mit nur fünf WM-Punkten in 19 Grands Prix mit Platz neun in der Konstrukteurs-WM Vorlieb nehmen.

Doch 2014 erleben Massa und Williams ihren zweiten Frühling: Der Brasilianer sicherte seinem Team die Pole-Position in Spielberg - das bislang einzige Mal, dass kein Mercedes vom besten Startplatz losfuhr. "Zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr", gibt Massa gegenüber 'Crash.net' zu, "da hatte ich kein Cockpit für dieses Jahr. Ich sprach nicht einmal mit Williams. Ich habe die Information, dass Williams vielleicht an Gesprächen interessiert sei, im Vorjahr in Singapur erhalten - dann habe ich daran gearbeitet."

Bis dahin sei er aber von seinem Karriereende ausgegangen: "Ich war nicht einmal so motiviert weiterzumachen, wenn es sich nicht um ein Team handelte, das mich glücklich macht und mir ein konkurrenzfähiges Auto bietet."

Was Massa bei Ferrari nicht passte

Doch Williams erwies sich als absoluter Glücksgriff: "Ich habe mich dann für ein Team entschieden, das im Vorjahr eines der schlechtesten war und dieses Jahr zu den besten zählt." Zumal er davor für das renommierteste Team im Fahrerlager unterwegs war: "Die Dinge können sich in der Formel 1 schnell ändern - manchmal ändern sich die Dinge, und man denkt, dass man zurückgeht, doch man macht eigentlich zwei Schritte nach vorne."

Vor allem die Atmosphäre sei bei seinem Arbeitgeber deutlich angenehmer, stellt Massa klar: "Alles ist entspannter, es geht mehr um das Rennfahren. Ferrari ist sehr politisch, dort ist alles schwierig. Wenn man gewinnt, steht man unter enormem Druck, wenn nicht, dann umso mehr. Das ist der große Unterschied."

Weil man ihn bei Williams ernst nimmt, ist er laut eigenen Angaben auch in der Zusammenarbeit mit dem Team aktiver geworden: "Die Leute hören mir zu und machen was - so muss es auch sein, aber das ist etwas, das ich bei Ferrari etwas verloren habe. Ich habe das Gefühl, dass mich das Team wirklich respektiert und unterstützt - nicht nur um mir zu helfen, sondern weil sie sich damit auch selbst etwas Gutes tun."

Karriereende bei Williams geplant

Der Brasilianer fühlt sich bei Williams so wohl, dass er es sich durchaus vorstellen könnte, dort seine Karriere zu beenden. "Es könnte vielleicht mein letztes Team sein - auf jeden Fall. Ich denke, es wird mein letztes Team sein", spricht er seine Gedanken aus. "Ich hoffe, dass ich noch zwei, drei Jahre oder mehr fahren kann, aber ich blicke nicht zu weit in die Zukunft. Ich genieße diese Zeit."

In Anbetracht der diesjährigen Williams-Ergebnisse ist es auch nicht vollkommen ausgeschlossen, dass Massa seine offene Rechnung mit dem WM-Titel begleichen kann - 2008 schien er ja nach der Zieldurchfahrt beim Heimrennen in Sao Paulo eine Sekunden lang den Titel inne zu haben, ehe Rivale Lewis Hamilton noch an Timo Glock vorbeizog und sich die WM-Krone um einen Punkt sicherte. Es war mit Sicherheit Massas bitterster Triumph in der Formel 1.

Begleicht Massa offene Titelrechnung?

"In der Formel 1 kann man unmöglich sagen, dass das damals meine letzte Chance war, denn die Dinge können sich schnell ändern", wiederholt er sich. "Man muss sich nur anschauen, was sich vom Vorjahr auf dieses Jahr verändert hat. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so konkurrenzfähig sein werden."

Daher schließt er nichts aus: "Vielleicht reicht es nicht, um den Titel zu holen, aber vielleicht bin ich aus irgendeinem Grund an der Spitze und ich kann um den Titel kämpfen. Ich hoffe, dass ich noch eine Chance bekomme." Er weiß auch, in welchem Bereich sich sein Team verbessern muss, um dies zu ermöglichen: "Die Aerodynamik. Bei den Motoren wird sicher alles zusammenrücken, also brauchen wir ein besseres Auto."

Fotoquelle: xpbimages.com

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