Die Caterham-Macher sind wenig glücklich über das Erbe ihrer Vorgänger (Bild)

Formel 1 2014

— 26.09.2014

Ravetto: Caterham lebte deutlich über seine Verhältnisse

Caterham-Teamchef Manfredi Ravetto kritisiert Vorbesitzer Tony Fernandes: Das Team soll überdimensional konzipiert gewesen sein, was schiefgehen musste



Für die Mannen um Colin Kolles ist es eine vertraute Situation: Sie haben mit Caterham ein angeschlagenes Team übernommen und müssen nun dessen Überleben sichern. Keine leichte Aufgabe, denn Ex-Boss Tony Fernandes scheint allem Anschein nach ein Minenfeld hinterlassen zu haben.

Das bestätigt nun auch Manfredi Ravetto, nach dem Rückzug von Christijan Albers alleiniger Teamchef bei Caterham. "Ich sage es ganz klar: Es handelt sich hierbei um ein kleines Team, das wie ein mega-hochmodernes Überdrüber-Topteam konzipiert war - und so kann es nicht funktionieren, da muss man realistisch sein", übt der Italiener im Interview mit 'Formula1.com' heftige Kritik am Vorbesitzer.

Offensichtlich lebte das Team vor dem Besitzerwechsel - jetzt haben unbekannte Investoren aus der Schweiz und aus dem arabischen Raum die Kontrolle übernommen - über seine Verhältnisse, was bei Ravetto für reichlich Verwunderung sorgt: "Ich weiß nicht, was das Ziel der Vorbesitzer war, aber das ist nicht nachhaltig - und es hat sich als nicht nachhaltig herausgestellt."

Fernandes-Ära mit bitterem Nachgeschmack

Aussagen, die das Formel-1-Intermezzo von AirAsia-Boss Fernandes im Nachhinein in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen, denn der Malaysier beherrschte es, sich als sympathischen David, der gegen die Goliaths in der Königsklasse des Motorsports ankämpft, zu inszenieren. So wurden ihm auch zahlreiche Ehrungen zuteil - so wurde er 2010 von 'Forbes' zum asiatischen "Businessman of the Year" gekürt, seitdem darf er sich auch Ritter der französischen Ehrenlegion und seit 2011 Commander oft he British Empire nennen.

Laut Ravetto sah der Geschäftsmann aber dabei zu, wie sein Team gegen die Wand fuhr. Der Teamchef nennt ein Beispiel: "Ich habe den Eindruck, dass die früheren Besitzer gar nicht mehr daran glaubten, in Silverstone anzutreten, weil sie den Stecker auf so offensichtliche Art und Weise gezogen haben. Und dafür gibt es sogar zusätzliche Beweise."

Doch der Rettungsplan glückte und das Team war in Großbritannien trotz aller Unkenrufe am Start. "Und nicht nur das, wir waren auch beim Test in Silverstone dabei und haben es nach Singapur geschafft", sagt Ravetto nicht ohne Stolz. "Inzwischen haben wir auch das Auto signifikant verbessert, haben durch eine Umstrukturierung Verbesserungen herbeigeführt, und wir kämpfen weiter."

Caterham wird im TMG-Windkanal entwickelt

Dass das Team überhaupt noch existiert, bezeichnet er als "kleines Wunder". Zumal man in Singapur mit Marcus Ericsson sogar vor beiden Marussia-Piloten landete. Das Ziel sei es nun, "den Patienten zu stabilisieren" und Platz zehn in der Konstrukteurs-WM zu holen. "Wir haben aber einen Plan, der unabhängig von der Platzierung ist", sagt Ravetto.

Nach der Umstrukturierung hat John Iley das Kommando im Technikbüro übernommen. Der ehemalige Ferrari-Ingenieur war schon davor bei Caterham und ersetzte nun Mark Smith, der nicht mehr in Leafield arbeitet. "Die Daten sind bereits sehr interessant", sieht sich Ravetto in der Entscheidung bestätigt. "Klar ist aber, dass wir kein Weltmeister-Auto bauen werden."

Um aber 2015 so konkurrenzfähig wie möglich zu sein, mietete man sich in Köln bei TMG im Windkanal ein - die Anlage wurde in der Vergangenheit bereits von Ferrari und McLaren benutzt. "Natürlich kann man dort sein Auto nicht laufen, nur weil man extrem nett ist", spielt er darauf an, dass man dafür Geld in die Hand nehmen musste. "Das zeigt aber, dass wir fest dazu entschlossen sind, nächstes Jahr auch hier zu sein. Der Grund ist, dass ein Formel-1-Team und eine Nennung ein riesiges Kapital sind, und man muss alles dafür tun, dieses Kapital zu schützen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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