Auch auf langsamen Kursen ist Mercedes dieses Jahr meist schneller als Red Bull

Formel 1 2014

— 01.10.2014

Chassis: Warum der Red-Bull-Vorteil dahin ist

Red-Bull-Chefdesigner Rob Marshall erklärt, wodurch Red Bull auch beim Chassis im Vergleich zu 2014 deutlich Boden verloren hat und wie sich das auf Vettel auswirkte



Zu Saisonbeginn argumentierte man bei Red Bull: Mercedes hat zwar den besten Antrieb, wir aber das beste Auto. Ob dies auch wirklich stimmt, ist inzwischen fraglich, denn der Mercedes-Bolide hat auch auf Kursen, wo der Motor eine eher untergeordnete Rolle spielte, seine Klasse bewiesen. Dadurch ist klar: Red Bull muss auch beim Chassis im Vergleich zum Vorjahr, wo das Auto vor allem in der zweiten Saisonhälfte deutlich überlegen war, seinen Vorteil eingebüßt haben.

Das beweisen auch Analysen, die zeigen, dass Red Bull auch in den langsamen Streckenteilen, wo viel Abtrieb den Unterschied macht, längst nicht mehr die klare Nummer eins ist. Doch wodurch hat Red Bull seine Dominanz beim Chassis eingebüßt? Chefdesigner Rob Marshall, nach Adrian Neweys Rückzug die neue Führungsfigur im Technikbüro in Milton Keynes, verweist gegenüber 'auto motor und sport' auf "einige Regeländerungen".

Verbot des Auspuffanblasens als Nachteil

Und nennt zwei Beispiele: die neue Position des Auspuffs und die Einschränkung, dass die Batterie im Chassis untergebracht werden muss. Beim Anblasen des Diffusors mit den Auspuffgasen "waren wir wahrscheinlich die Besten und haben dementsprechend viel verloren", glaubt Marshall.

Zudem musste Red Bull den Trick aufgeben, die Batterie im Getriebe zu verstauen. Dadurch hatte man zwar in der Vergangenheit immer wieder KERS-Ausfälle, aber laut dem Chefdesigner den Vorteil, "eine natürliche Gewichtsverteilung zu erzielen". Die neue Regelung hält er "aus Sicherheitsaspekten" für "töricht".

Der Brite widerspricht, dass Red Bull das Auto hinten nun weniger anstellt, weil sich beim neuen Reglement ein geringerer Luftwiderstand als Vorteil erweist: "Wir stellen das Auto ungefähr so stark an wie in der Vergangenheit. Der Anstellwinkel variiert von Strecke zu Strecke."

Vettel leidet unter Reglementänderungen

Das Wegfallen des Diffusoreffekts hat noch eine weitere Nebenwirkung: Starpilot Sebastian Vettel kommt mit dem RB10 nicht mehr so gut zurecht wie mit den Vorgängermodellen, was auch dessen negative Bilanz gegen Daniel Ricciardo erklärt. "Er war besonders gut mit einem Auto, mit dem er am Kurvenausgang voll aufs Gas steigen konnte. Da hat er die Vorteile des angeblasenen Diffusors perfekt für sich genutzt", bestätigt Marshall.

"So, wie unser Auto in den Disziplinen verloren hat, in denen es besonders gut war, geht es auch dem Fahrer", glaubt der Chefdesigner. "Er muss sich jetzt an etwas Neues anpassen. Was zeigt: Auch Übermenschen sind sterblich."

Fotoquelle: xpbimages.com

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