Die vielen Antriebsdefekte 2014 werden sich bei Vettel zu Saisonende rächen

Formel 1 2014

— 02.10.2014

Vettel & Co.: Angst vor dem sechsten Motor

Welche Piloten beim Motorenkontingent am Limit sind, wann Sebastian Vettel die Rückversetzung akzeptieren will und wieso Suzuka die Sorgen noch größer macht



Noch stehen fast alle Piloten mit weißer Weste da: Nur Daniil Kwjat hat bislang den Joker gezogen und in Monza eine sechste Komponente der Antriebseinheit eingesetzt - das bedeutet eine Rückversetzung in der Startaufstellung um zehn Plätze oder bei der kompletten Antriebseinheit den Start aus der Boxengasse. Vor allem Sebastian Vettel muss zittern: Der Red-Bull-Pilot fährt seit Spa-Francorchamps mit dem gleichen Motor - das Rennen in Japan sollte er noch überstehen, ehe man, so der Plan, in Sotschi den Joker ziehen will.

"Irgendwann müssen wir auf jeden Fall eine Strafe akzeptieren", weiß Vettel. "Welche Art von Strafe das sein wird, ist noch nicht vollkommen klar - wir warten auf Teile und hoffen, dass wir so weit wie möglich kommen, aber es ist nicht zu verhindern, dass wir bei mir irgendwann einen zusätzlichen Motor einsetzen werden müssen."

Büßt Vettel Strafe in Sotschi ab?

Die Entscheidung, ob man gleich die ganze Antriebseinheit austauscht und dadurch aus der Boxengasse startet, oder das Risiko eingeht, auf einer anderen Strecke vielleicht noch einmal zehn Startplätze aufgebrummt zu bekommen, ist noch nicht gefallen: Vettel hat das Pensum bei Verbrennungsmotor, Turbolader und MGU-H voll ausgereizt, bei Elektroniksteuerung und Energiespeicher hält er bei vier beziehungsweise drei Komponenten.

"Das ist die Konsequenz aus der schwachen ersten Saisonhälfte, was die Zuverlässigkeit angeht", verweist Vettel auf die großen Probleme mit der Renault-Antriebseinheit. "Jetzt müssen wir herausfinden, welcher der klügste Plan ist und auf welcher Strecke es am klügsten ist, die Strafe abzubüßen."

Der WM-Fünfte hat Sotschi im Visier, weil es sich um eine Motorenstrecke handelt - und sich Red Bull kaum Chancen gegen die Konkurrenz von Mercedes ausrechnet. Dazu kommt, dass das Layout Überholmanöver erlauben sollte.

WM-Kandidaten (noch) nicht in Gefahr

Doch nicht nur bei Vettel, sondern auch in anderen Teams geht längst die Motorenangst um: Bei Lotus muss sich Pastor Maldonado Sorgen machen, bei Sauber Adrian Sutil, auch die beiden Marussia-Piloten werden wohl kaum über die Distanz kommen. Heikel ist die Situation auch bei Ferrari, wo Fernando Alonso abgesehen von MGU-K und Energiespeicher überall das Kontingent ausgereizt hat - der Spanier rüstete bei Turbolader, MGU-K sowie MGU-H aber erst in Singapur nach. Bei Daniel Ricciardo und den Mercedes-Piloten sieht es hingegen gut aus: Die WM-Kandidaten haben die fünf Komponenten noch in keinem Bereich ausgereizt.

Heikel ist auch, dass der Kurs in Suzuka vor allem den Verbrennungsmotor an die Grenzen bringt. "Von Kurve 14 bis zur großartigen 130R sind es 1.250 Meter, und der Fahrer gibt in dieser Passage ständig Vollgas", geht Renaults Betriebsleiter Remi Taffin ins Detail. "Bei voller Drehzahl sind das 17 Sekunden, was bedeutet, dass der Fahrer 75 Meter pro Sekunde zurücklegt. Dadurch drehen sich die Kolben im Verbrennungsmotor unglaubliche 200 Mal pro Sekunde, wodurch enorme interne Kräfte freiwerden."

Enorme Belastungen für Verbrennungsmotor in Suzuka

Dadurch ist der Verschleiß enorm, weshalb die Franzosen "bei diesem Rennen neue Teile verwenden, wenn es möglich ist. Die Zuverlässigkeit wird ab diesem Punkt in der Saison große Auswirkungen auf die Ergebnisse haben, da jeder Fahrer die Komponenten der Antriebseinheit bislang unterschiedlich kombiniert hat und wir mehr über deren Betrieb gelernt haben. Es könnte sogar sein, dass manche Teams im Freien Training weniger fahren werden, um die Motoren für die restliche Saison zu schonen."

Taffin ist bewusst, dass man bei einigen Piloten nicht mit den angepeilten fünf Stück pro Antriebskomponente über die Distanz kommen wird. "Wir sehen das relativ gelassen", sagt er, "denn wir haben uns entschlossen, wenn nötig eine sechste Antriebseinheit zum Einsatz zu bringen. Die Situation stellt sich uns nun deutlich klarer dar, und obwohl es nicht ideal ist, dass wir neue Teile verwenden und Strafen akzeptieren müssen, können wir das bei Rennen machen, wo sich die Auswirkungen in Grenzen halten."

Fotoquelle: xpbimages.com

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