Christian Horner und Helmut Marko haben am Freitagabend mit Vettel gesprochen

Formel 1 2014

— 04.10.2014

Marko ganz entspannt: "Gibt kein böses Blut"

Die Trennung von Sebastian Vettel und Red Bull erfolgt in Harmonie: Vertragsklausel lässt vorzeitigen Wechsel zu - Helmut Marko: "Das Leben geht weiter"



Nach sechs erfolgreichen Jahren wird Sebastian Vettel sein Team Red Bull am Ende dieser Saison verlassen und 2015 mit größter Wahrscheinlichkeit für Ferrari antreten. Der Abschied von der Mannschaft aus Milton Keynes steht fest: Red Bull verkündete für das kommende Jahr die Fahrerpaarung Ricciardo/Kwjat und gab Vettel die besten Wünsche mit auf den weiteren Weg.

"Sebastian wird nicht vertragsbrüchig. Es gibt in seinem Kontrakt eine Klausel, dass er uns verlassen kann. Dafür hat er sich nun entschieden", erklärt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko bei 'Sky Sports F1'. Die Klausel: Freie Bahn, wenn er am 30. September nicht mindestens Dritter in der WM ist. Am gestrigen Abend habe Vettel das Team über seinen Karriereschritt informiert. "Diese Entscheidung ist in den vergangenen zwei Wochen in ihm gereift, denke ich", so der österreichische Talentförderer.

"So um zehn Uhr gestern Abend haben wir es endgültig erfahren", meint Teamchef Christian Horner. "Ich habe mit Sebastian und Helmut zusammengesessen. Dort hat uns Sebastian erklärt, dass er das Gefühl hat, dass die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen ist. Es ist sehr emotional, natürlich sind wir traurig. Ist doch klar: Er hat in 15 Jahren so viel mit Red Bull erreicht. Er hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht."

Abschied erfolgt in Harmonie

"Es gibt da kein böses Blut", stellt Marko klar. "Wir brauchen Fahrer, die maximal motiviert sind. Und er hat nach all den Erfolgen der vergangenen Jahre eine neue Herausforderung gesucht. Wir holen den nächsten Youngster aus unserem Nachwuchsprogramm ins Team und versuchen, diese Geschichte mit einem anderen jungen Fahrer zu wiederholen."

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost wurde kurzfristig informiert, dass er Daniil Kwjat zum kommenden Jahr verlieren wird, beim B-Team ist demnach also neben Rookie Max Verstappen für 2015 noch ein Platz frei. Über eine Verpflichtung von Fernando Alonso habe Red Bull niemals nachgedacht, betont Marko: "Wir haben unser Nachwuchsprogramm, das sehr gut funktioniert - das sieht man an Ricciardo."

"Wir wollen eine konstruktive und offene Stimmung im Team. Das können wir mit unseren Junioren garantieren. Wir sind überzeugt, dass unsere Fahrerpaarung im kommenden Jahr stark genug sein wird, um im Titelkampf eine gute Rolle spielen zu können", sagt der Ex-Le-Mans-Sieger. "Es war eine tolle Zeit mit Sebastian. Red Bull hat ihn seit langer Zeit gefördert, seit er 12 Jahre alt war."

"Tja, das Leben geht weiter", zuckt Marko mit den Schultern. "Sebastian hat eine neue Herausforderung und frische Motivation gesucht." In den zurückliegenden vier Jahren konnten Vettel und Red Bull gemeinsam alle Titel in der Formel 1 abräumen. Im aktuellen Jahr läuft es nicht nach Wunsch. Ricciardo holte zwar drei Saisonsiege, aber Vettel fand bislang nie einen richtigen Draht zum neuen RB10. Ergreift der Deutsche also wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit die schnelle Flucht?

"Flucht" vor dem mäßigen Red Bull?

"Das könnte man denken, wenn er zu Mercedes gehen würde. Aber Ferrari - das ist solch ein Mythos für jeden Rennfahrer", relativiert Marko die Gerüchte um eine "Flucht" von Vettel vor dem eher mäßigen Red Bull, der eher zum Fahrstil von Ricciardo zu passen scheint. "Dass Ferrari eine besondere Faszination mit sich bringt, kann ich verstehen", so der Red-Bull-Talentschmied.

"Es liegt nicht an mir, hier zu verkünden, wohin Sebastian gehen wird", meint Horner, der allerdings zuvor sehr offensiv hinausposaunt hatte, dass "Ferrari ihm ein sehr gutes Angebot gemacht" hat. "Sicher kann man wohl sein, dass er nicht zu Caterham gehen wird. Scherz beiseite: Sebastian ist ein toller Fahrer, der sicherlich auch ein harter Konkurrent sein wird. Wir haben großartige Erfolge zusammen gefeiert, aber ab dem 1. Januar wird er ein Gegner sein. Vielleicht denkt er in Zukunft ja mal in den Rennen daran, was er Red Bull alles zu verdanken hat."

Red Bull hatte sich zuletzt von Chefmechaniker Kenny Handkammer getrennt, Vettels langjähriger Renningenieur Guillaume Rocquelin bekommt ebenso eine neue Rolle wie Stardesigner Adrien Newey. Droht das erfolgreiche Konstrukt zu zerfallen? "Erstens verläuft im Leben sowieso alles in Zyklen und zweitens darf man beispielsweise die neue Rolle von Adrian nicht überbewerten. Er wird noch viele Jahre bei uns bleiben", sagt Horner.

"Nicht vergessen: Der Kerl, der für uns gerade in der aktuellen Saison weit vorne mitfährt, heißt Daniel Ricciardo. Er bringt genau unseren Ansatz auf den Punkt. Wir wollen junge Talente ganz weit bringen. Das ist uns mit Sebastian gelungen, auch bei Daniel funktioniert es - so sensationell wie er in diesem Jahr fährt", lobt der Teamchef. "Jetzt kommt Daniil Kwjat. Er hat in diesem Jahr gezeigt, dass er hoch talentiert ist."

Fotoquelle: xpbimages.com

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