Der Helm ist schon in Rot: Sebastian Vettel bekennt sich noch nicht zu Ferrari

Formel 1 2014

— 04.10.2014

Vettel folgt dem Herzen: "Es schmerzt irgendwie"

Der Abschied von Red Bull fällt dem amtierenden Champion doch nicht so leicht: 15 gemeinsame Jahre verbinden, aber die innere Stimme ruft nach Veränderung



Das Grand-Prix-Wochenende in Japan hat für die gesamte Szene einen Paukenschlag bereitgehalten: Sebastian Vettel wird Red Bull am Ende dieser Saison verlassen. Am Donnerstagabend traf sich der Heppenheimer mit Teamchef Christian Horner und Konsulent Helmut Marko, am Telefon wurde Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz über den Wunsch des Deutschen nach einem Tapetenwechsel informiert. Dann ging alles ganz schnell. Am frühen Freitagmorgen wurde Daniil Kwjat als Nachfolger verkündet.

"Solch eine Entscheidung trifft man nicht über Nacht", berichtet Vettel von seinen wochenlangen Gedankenspielen, wie die berufliche Zukunft aussehen könnte. Die neue Heimat scheint in Maranello zu liegen. Ferrari hat Vettel noch nicht als Zugang verkündet, aber dies könnte sogar noch im Verlauf des weiteren Rennwochenendes in Suzuka nachgeholt werden. Vettel selbst nimmt den Namen Ferrari nicht in den Mund, aber Horner hatte ganz offen davon gesprochen, dass sein Schützling "ein sehr gutes Angebot" aus Italien erhalten habe.

"Es gab auch in der Vergangenheit immer mal nette Angebote. Aber jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich kann mich nur wiederholen: Es gibt nichts Offizielles zu verkünden. Ich denke, ganz bald kann ich etwas sagen", wiegelt Vettel derzeit Nachfragen ab. Lächelnd fügt er an: "Ich glaube, dass meine Entscheidung eine gute ist. Ich bin davon überzeugt, dass der Schritt richtig ist. Ich bin sehr glücklich."

Harmonie trotz Trennung: Respekt bei Red Bull

Die Trennung von Red Bull erfolgt in Harmonie. Horner, Marko und Co. unterließen angeblich intensive Versuche, den Heppenheimer noch einmal umzustimmen. "Wir haben höchsten Respekt voreinander, arbeiten seit langer Zeit zusammen und kennen uns gut. Wir sind beide erwachsen", sagt Vettel über das abendliche Gespräch mit Horner. "Sich dann Auge in Auge über so etwas zu unterhalten, ist natürlich nicht so einfach. Es waren aber gar nicht viele Worte nötig, um zu erklären, was ich vorhabe."

"Es ist ein großer Schritt, wenn man eine solch lange und intensive Partnerschaft beendet. Es gibt kein böses Blut. Es ist nicht so, dass ich gehe, weil ich Red Bull oder einige Personen im Team womöglich nicht mehr mag. Es war nun einfach mal an der Zeit", so Vettel. "Es war nicht so, als hätte das jemand für mich entschieden - wie zum Beispiel ein Arzt, der dir sagt, dass du wegen eines gebrochenen Beines nicht mehr fahren kannst. Ich ganz allein habe diese Entscheidung getroffen. Ich habe auf mein Herz gehört."

"Mir ist die Entscheidung schwer gefallen, weil mir alle ans Herz gewachsen sind und das natürlich weitreichende Konsequenzen hat. Es schmerzt irgendwie. So gesehen wäre es einfacher gewesen, einfach hier zu bleiben. Aber ich habe das Gefühl, das Richtige zu tun", erklärt der 27-Jährige. "Die Stimmen in mir wurden immer lauter. Mit den aktuellen Resultaten hat das aber herzlich wenig zu tun. Es ist einfach nun etwas, auf das ich mich freue."

Vettel hat noch Ziele: Champion mit Ferrari?

"Man könnte es sich einfach machen und sagen, dass es der richtige Zeitpunkt ist, weil es in diesem Jahr sportlich nicht so läuft. Aber das stimmt so nicht", betont Vettel, dass es keine "Flucht aus Milton Keynes" ist. "Es fühlt sich an, als würde ich zu Hause ausziehen. Der Wunsch, etwas Neues zu machen, ist in diesem Moment einfach größer. Das war ein wichtiger Grund, warum ich mich entschieden habe, eine Tür zu schließen und eine andere zu öffnen."

"Egal, was ich in Zukunft tun werde, so kann man sich eines ganz gewiss sein: Ich will erfolgreich sein mit dem, was ich mache. Ansonsten wäre es doch sinnlos", stellt der Deutsche seine anhaltend großen Ambitionen dar. "Einfach nur irgendwo Geld abkassieren, das ist nicht mein Ding - so wirklich gar nicht. Ich will gewinnen. Ich habe vor niemandem Angst. Wenn man Rennsiege und Titel erringen möchte, dann muss man sowieso alle anderen bezwingen."

Der viermalige Champion hat in den vergangenen Wochen im Verborgenen an seiner Zukunft gebastelt. Die Gespräche mit Ferrari waren geheim - und sie blieben unentdeckt. Dies war wohl nur möglich, weil Vettel ganz allein auf eigene Faust handelt und sich einen Managementstab mit all den damit verbundenen Gefahren des unerwünschten Informationstransfers einfach spart. "Ich bin ja nicht ganz allein, sondern ich habe Freunde um mich", sagt er.

"Ich werde natürlich in gewisser Form beraten, zum Beispiel beim ganzen Papierkram. Ich bin kein Jurist, habe für solche Dinge einige Leute an meiner Seite. Aber ansonsten: Ich habe einen Mund und einen Kopf, den ich versuche, möglichst gut zu nutzen. Ich habe keine Scheu, mit Menschen zu sprechen. Daher mache ich es selbst", so Vettel. "Mein Vater war eingebunden, wie Väter halt eben so dabei sind. Es war aber nicht er derjenige, der gesagt hat, was ich tun soll."

Fotoquelle: xpbimages.com

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