Die FIA hält Informationen über den genauen Unfallhergang zurück

Formel 1 2014

— 09.10.2014

FIA hält Beweisvideos zurück: Will man Bianchi schützen?

Während die FIA Beweisvideos von Jules Bianchis tragischem Unfall zurückhält, schildert ein Fotograf, wie er die Bergung des Marussia-Piloten miterlebt hat



Die FIA arbeitet derzeit an einer lückenlosen Rekonstruktion des tragischen Unfalls von Jules Bianchi in Suzuka. Währenddessen geistern immer noch zahlreiche Missverständnisse durch die Medien: Vor allem die Aufnahmen, die belegen, dass ein Streckenposten an der Unfallstelle die grüne Flagge zeigt, was bedeutet, dass keine Gefahr besteht, sorgte für viele Falschmeldungen. Dabei lief alles korrekt ab, denn der Posten befand sich nach der Unfallstelle. Davor schwenkten die Streckenposten doppelte gelbe Flaggen.

Das bedeutet, dass striktes Überholverbot herrscht und der Pilot jederzeit in der Lage sein muss anzuhalten. Dass nach wie vor so viel Unklarheit herrscht, liegt vor allem daran, dass die FIA die Beweisaufnahmen der Streckenkameras derzeit nicht der Öffentlichkeit preisgibt. Als Grundlagen dienen derzeit nur die Aussagen der Augenzeugen und ein Fanvideo von der Haupttribüne, das im Internet kursiert. Es zeigt den Anprall mit voller Wucht, nicht aber die Entstehung des Unfalls.

Warum die FIA kein Licht ins Dunkel bringt? "Es wäre unfair gegenüber Bianchi, weil er sich im Augenblick nicht verteidigen kann", zitiert 'auto motor und sport' einen Offiziellen des Weltverbandes. Bianchi kämpft derzeit im Krankenhaus von Yokkaichi um sein Leben - die kommenden Stunden könnten entscheiden, ob der Marussia-Pilot, der eine diffuse axonale Gehirnverletzung erlitten hat, das Drama übersteht. Möglicherweise, weil er zu schnell unterwegs war.

Wie heftig war der Anprall?

Laut Augenzeugen verlor Bianchi in der Dunlop-Kurve das Heck seines Boliden - durch das Gegensteuern bog er dann in die andere Richtung ab, hob ab und schoss direkt auf das Bergungsfahrzeug zu. Beim Anprall soll er unbestätigten Informationen zufolge Belastungen von 50 g ausgesetzt gewesen sein - also dem 50-fachen seines Körpergewichts.

Zum Vergleich: Als Kimi Räikkönen diese Saison in Silverstone crashte, wurden laut 'auto motor und sport' 47 g frei. Bei Luciano Burtis Horrorunfall im Jahr 2001 in der Blanchimont-Kurve von Spa-Francorchamps waren es 86 g, bei Ralf Schumachers Crash in der Steilkurve von Indianapolis 2004 sogar 87 g. Die höchsten Werte wurden bei Roland Ratzenbergers Todessturz 1994 in Imola ermittelt: Er soll bei seinem Anprall an die Mauer Fliehkräften von bis zu 500 g ausgesetzt gewesen sein.

Bianchi war nach dem Crash offenbar bewusstlos, laut GPDA-Direktor Alex Wurz soll eine Reanimation aber nicht notwendig gewesen sein. Glaubt man Adrian Sutil, der den Crash und Bianchis Bergung aus nächster Nähe miterlebte, arbeiteten das japanische Sicherheitspersonal und das Ärzteteam makellos.

Fotograf schildert dramatische Bergung

Auch der tschechische Fotograf Vladimir Rys, der ebenfalls an der Unfallstelle war, bestätigt diesen Eindruck gegenüber 'Lidovky.cz'. "Als ich hinrannte, gaben ihm bereits drei Streckenposten erste Hilfe", schildert er die Geschehnisse. "Sein Kopf ruhte bewegungslos im Cockpit, und das Auto war komplett zerstört." Rys hatte den genauen Unfallhergang nicht gesehen, wurde aber sofort von Sutil darüber informiert. Daraufhin machte er einige Fotos, die er aus Respekt vor Bianchi nicht veröffentlichen will, aber der FIA zur Dokumentation des Unglücks zur Verfügung stellte.

Dabei fiel dem Fotografen auf, dass auch der Helm Bianchis "sichtbare Beschädigungen" aufwies: "Das muss wohl durch die Wucht des Aufpralls passiert sein." Wenig später trafen sie Sanitäter an der Unfallstelle ein: "Sie versuchten, ihn aus dem Auto zu holen - das war kein schöner Anblick. Sie haben einen Sichtschutz aufgebaut, wodurch klar war, dass es schlecht aussieht", erzählt der Tscheche weiter.

Warum das Safety-Car nicht rausgeschickt wurde

Vor allem Sutil nahm das Unglück, das sich vor seinen Augen abgespielt hatte, laut dem Fotografen sehr mit: "Er war schockiert, griff sich an den Kopf, wusste nicht, was er tun soll. Er war wütend und entrüstet. Und er war empört darüber, dass man das Safety-Car nicht rausgeschickt hatte."

Dabei handelt es sich tatsächlich um den größten Kritikpunkt, mit dem sich die FIA nun konfrontiert sieht. Doch laut 'auto motor und sport' gibt es auch dafür eine Erklärung: Die Streckenposten in Suzuka zählen zu den routiniertesten im Formel-1-Kalender - sie benötigen für die Bergung normalerweise weniger als eine Runde.

Zudem war die Unfallstelle - wenn sich die Piloten daran halten - mit doppelten geschwenkten gelben Flaggen ausreichend gesichert. Laut Definition der Regel ist diese Maßnahme ausreichend. Doch einiges deutet darauf hin, dass Bianchi, als er das Auto aus der Kontrolle verlor, nicht in der Lage gewesen wäre, sofort anzuhalten.

Fahrer nehmen zu viel Risiko

Das Problem: Ohne Safety-Car ist das Rennen nach wie vor im Gange. "Man sollte natürlich etwas vorausschauender und vorsichtiger fahren, aber man will auch keine Zeit verlieren", schildert Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien bei 'ServusTV' die Sicht des Fahrers: "Deswegen geht man nicht wirklich vom Gas."

Daher bleiben der FIA in derartigen Situation nur zwei Möglichkeiten: Entweder man spricht rascher Strafen aus, um die Rennfahrer zu einer sichereren Fahrweise zu erziehen, oder man vermeidet jegliches Risiko und schickt sofort das Safety-Car auf die Strecke.

Fotoquelle: xpbimages.com

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