Valtteri Bottas schildert seine Eindrücke vom Bianchi-Unfall und gibt Einblick in die Psyche

Formel 1 2014

— 09.10.2014

Bottas: "Es braucht immer erst einen schweren Unfall..."

Valtteri Bottas über das Abwägen zwischen Erfolg auf der Rennstrecke und Risiko eines Unfalls - Stimmung in Sotschi anders als sonst



Im Formel-1-Fahrerlager ist man sich am Abend vor dem ersten Freien Training zum Grand Prix von Russland in Sotschi einig: Die Ereignisse des Grand Prix von Japan in Suzuka am vergangenen Sonntag haben Spuren hinterlassen. Der Schock über den schweren Unfall von Marussia-Pilot Jules Bianchi sitzt tief.

"Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass es sich an diesem Wochenende nicht so anfühlt wie sonst", bemerkt Valtteri Bottas im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Allen Gedanken an Bianchi und dessen Familie zum Trotz. Der Williams-Pilot ist "zuversichtlich, dass wir uns nicht ablenken lassen, sobald wir im Auto sitzen", räumt aber gleichzeitig ein: "Was passiert ist, ist natürlich schockierend."

Die Bedingungen am Rennsonntag in Suzuka waren schwierig. Bottas bezeichnet das Fahren rückblickend als "heikel". An einen Abbruch des Rennens dachte er aber nicht. "Der Punkt ist: Wenn sich für einen Rennfahrer die Chance auf WM-Punkte auftut, wird er mit beiden Händen zugreifen. An die Gefahr denkt er in diesem Moment nicht", gibt der Finne einen Einblick in die Rennfahrerpsyche.

Suzuka: Gedanke an Aufgabe kam Bottas nicht in den Sinn

Dazu gehöre es laut Bottas auch, den Anweisungen der Rennleitung Folge zu leisten - selbst dann, wenn man selbst anderer Meinung ist. "Es ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen, ob es richtig war, das Rennen weiterlaufen zu lassen oder nicht", sagt der Williams-Pilot und gibt ein Beispiel vom vergangenen Sonntag: "Als es während der Safety-Car-Phase am Ende, also kurz vor der Roten Flagge, dunkler und dunkler wurde, teilte ich diesen Umstand über Funk mit."

Hintergrund: Die Funksprüche sämtlicher Teams und Fahrer laufen bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting im Kontrollzentrum der Rennleitung zusammen. "Ich kann meine Meinung darlegen. Wenn die Rennleitung aber entscheidet, das Rennen fortzusetzen, dann werde ich nicht widersprechen", stellt Bottas klar und versichert, dass bei ihm der Gedanke, das Auto aufgrund der vorherrschenden Witterungsbedingungen abzustellen, nicht vorhanden war. "Nein", so die klare Antwort des Finnen auf die entsprechende Nachfrage.

Niki Lauda entschied sich einst anders. Beim verregneten Grand Prix von Japan 1976 in Fuji gab der Österreicher - noch unter dem Eindruck seines schweren Feuerunfalls zweieinhalb Monate zuvor auf dem Nürburgring - auf. Die Entscheidung, seinen Ferrari freiwillig abzustellen, kostete Lauda unterm Strich wohl den WM-Titel 1976, bewahrte ihn aber möglicherweise vor einer weiteren schweren Verletzung.

Mit einer öffentlichen Einschätzung des Bianchi-Unfalls hält sich die FIA derzeit ganz bewusst zurück, allein schon aus Respekt vor dem Franzosen, der seit Sonntag auf der Intensivstation des Allgemeinen Krankenhauses in Yokkaichi liegt und um sein Leben kämpft.

Bottas merkt zum Unfall lediglich an: "Es war eine verrückte und wirklich unglückliche Situation. Ich glaube aber sehr wohl, dass wir unsere Lehren daraus ziehen können. Ich bin zuversichtlich, dass es Veränderungen und Verbesserungen geben wird."

Mit nachdenklicher Miene aber schiebt der 25-jährige Finne sofort hinterher: "Das Schlimme ist, dass es immer erst einen schweren Unfall braucht, um Veränderungen auf den Weg zu bringen." Bleibt zu hoffen, dass Bianchi, der gerade einmal 25 Tage älter ist als Bottas, seinen Überlebenskampf gewinnt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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