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Formel 1 2014

— 12.10.2014

Rosbergs Achterbahn: Von Loser zu Hero in 53 Runden

Nico Rosberg hatte sich das Leben mit seinem Verbremser in Kurve 2 unnötig schwer gemacht, doch die Fahrt danach wusste nicht nur Toto Wolff zu begeistern



Wie schnell man vom Held zum Loser werden kann, hat die Formel 1 in ihrer fast 65-jährigen Geschichte schon oft bewiesen. Doch auch andersherum funktioniert diese Story sehr gut, wie Nico Rosberg heute innerhalb von 53 Runden bewiesen hat. Von Startplatz zwei sog er sich an Teamkollege Hamilton im Windschatten heran und sah in Kurve 2 wie der neue Führende aus, doch er verbremste sich, musste an die Box und fiel auf den letzten Platz zurück.

"Ich dachte, es wäre gelaufen", sagt Rosberg im Anschluss an das Rennen, doch was danach folgte, war eine beeindruckende Show, bei der selbst Motorsportchef Toto Wolff von einer "weltmeisterlichen, einer großartigen Fahrt" sprechen musste. Der Wiesbadener fuhr das komplette restliche Rennen auf einem einzigen Reifensatz zu Ende und schob sich dabei sogar noch hinter Teamkollege Lewis Hamilton auf Rang zwei, was seine Chancen in der Weltmeisterschaft noch intakt hält.

Dabei sah es zunächst danach aus, als könnte der Brite seinen Vorsprung in der WM noch weiter vergrößern, nachdem sich Rosberg das Rennen so früh ruiniert hatte. "Es war die erste und vielleicht einzige Chance im Rennen, an ihm vorbeizukommen. So ist es. Ich wollte es probieren, aber habe es verhauen. Ich war überrascht, habe es falsch eingeschätzt", muss der Deutsche nach dem Rennen zugeben. Denn für ihn war es das erste Mal, dass er in Sotschi mit vollem Tank am Ende der Geraden bremsen musste.

"Die Räder waren viereckig"

Dabei hätte er es vielleicht einfach nur ein wenig ruhiger angehen lassen müssen, denn eigentlich lag Rosberg zu diesem Zeitpunkt bereits in Führung. "Das war Nicos Kurve", nickt auch Toto Wolff, "aber er hat auf der dreckigen Linie gebremst und den Bremspunkt verfehlt." Auch Lewis Hamilton hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits darauf eingestellt, sich hinter seinem WM-Rivalen einzureihen: "Die Chance, den Rang zu verlieren, war groß. Der Weg zur ersten Kurve ist so lang und er war schon vorne, ich wollte nur nah genug dran sein für DRS."

"Als er vorbei ins Aus schoss, hätte er mich schon wieder vorbeigelassen, aber dann ging es eh in die Boxengasse", meint der Brite weiter. Denn Rosberg hatte sich nicht einfach nur verbremst und seinen Platz zurückgegeben, durch das Manöver versaute er sich auch die Reifen: "Die Räder waren viereckig anschließend. Es hat so sehr vibriert, dass ich nicht sehen konnte, wo ich hingefahren bin. Ich wusste also, dass ich in die Box würde kommen müssen", so Rosberg.

Doch wer gedacht hatte, dass das Rennen für den WM-Zeiten gelaufen wäre, der sah sich getäuscht. Rosberg nutzte den Stopp für den Pflichtreifenwechsel und holte sich die harten Pneus. Am Funk bestätigte sich seine etwas ungläubige Nachfrage nach der Taktik: Ja, der Wiesbadener soll 52 Runden damit durchfahren, hieß es. Und das tat er. Rosberg überholte Konkurrent um Konkurrent und ließ selbst den von Mercedes gefürchteten Valtteri Bottas im Williams links liegen.

Rosberg dankt dem Auto

Dem Finnen wurde aufs Ohr gesagt, dass man Rosberg schon wieder einfangen werde, wenn dessen Reifen nachlassen, doch das taten sie nicht. "Im Nachhinein hätte ich während des Rennens ein wenig mehr pushen können, aber hinterher ist es immer einfach zu wissen. Aber selbst am Ende des Rennens waren meine Reifen noch in Ordnung...", sagt ein ungläubiger Rosberg nach dem Rennen.

Denn die Tatsache, dass fast alle Piloten mit einem Stopp durchfahren konnten, war einer der Schlüssel für seine brillante Wiedergutmachung. Doch Rosberg selbst will seine Leistung gar nicht so an die große Glocke hängen: "Ich bin zumindest teilweise glücklich, dass ich wieder auf Rang zwei nach vorne kommen konnte. Aber das ist alles nur dank meines Autos möglich. Mein Auto war heute unglaublich und hat es mir ermöglicht, wieder durch das Feld zu fahren", lobt er sein Dienstgefährt.

Und so ist sein schlimmer Patzer in Kurve 2 am Ende wohl nicht oder nur sehr gering bestraft worden. Doch in Zeiten des Gewinns der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft will Toto Wolff heute nicht negativ sein: "Das Verbremsen war nicht gut, das hat ihn den Sieg gekostet. Aber das Feld dann so cool und kaltblütig aufzurollen, ist echte Schadensbegrenzung. Von daher muss ich sehr zufrieden sein."

Fotoquelle: xpbimages.com

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