Paul Hembery muss sich erneut Fragen zur Reifenwahl gefallen lassen

Formel 1 2014

— 14.10.2014

Neue Kritik an Pirelli: Reifenwahl für Brasilien "sehr gefährlich"

Nachdem Pirelli schon für die zu harte Reifenwahl in Sotschi kritisiert wurde, wird es in Sao Paulo noch einmal härter - Massa wundert sich: "Das ist sehr gefährlich!"



Es ist erst ein Jahr her, seit Pirelli bei beinahe jedem Grand Prix in der Kritik stand. Die Bröselreifen von 2013 kreierten Chaos und fielen häufig bereits nach wenigen Kurven auseinander. Doch das Blatt hat sich mittlerweile komplett gewendet. Der Reifenhersteller brachte in dieser Saison zumeist die richtigen Mischungen mit und war kaum noch der rennentscheidende Faktor. In Sotschi sollte das hingegen anders sein...

Denn auf der neuen Strecke am Schwarzen Meer waren die Pneus plötzlich zu unauffällig. Der Vorwurf geht dieses Mal in die völlig andere Richtung. Es herrscht Unverständnis, wie Nico Rosberg (Mercedes) 52 von 53 Runden auf einem Reifensatz fahren konnte, ohne dass dieser einbrach. Der Silberpfeil-Pilot pflügte durch das Feld und konnte am Ende sogar schnellste Runden drehen. "Selbst am Ende des Rennens waren meine Reifen noch in Ordnung...", wunderte sich auch der Deutsche im Nachhinein.

Die Wahl von Pirelli hat sich in Russland als falsch herausgestellt. Auf dem glatten Asphalt des Sochi Autodrom gab es kaum Reifenabbau, sodass fast alle Piloten locker mit einem Boxenstopp durchkamen, was das Russland-Debüt zu einer echten Schnarchveranstaltung hat verkommen lassen. Motorsportchef Paul Hembery wehrt sich allerdings gegen die Kritik: "Im Nachhinein kann man immer leicht reden. Hätten wir Supersoft gebracht und dann Blasenbildung in Kurve 3 gehabt, dann wären wir gefragt worden, warum wir das gemacht haben und warum wir nicht gewusst hätten, dass Kurve 3 solche Probleme erschaffen kann", sagt der Brite.

Stattdessen müsse man auf einer neuen Strecke immer zunächst Vorsicht walten lassen: "Wir haben außerdem gesehen, dass die Oberfläche ähnlich wie in Abu Dhabi oder Austin ist, aber wir hätten die chemischen Aspekte nicht vorhersagen können", begründet Hembery. Die Fahrer nehmen den Reifenhersteller zumindest für Sotschi sogar in Schutz: "Die Reifenwahl kann man später immer kritisieren. Es gab viele Dinge, die man vorher nicht einschätzen konnte: Strecke, Asphalt, Temperaturen und so weiter", sagt Fernando Alonso. "Dass man in solchen Fällen die Mischungen Soft und Medium nimmt, ist ganz normal."

Wahl für Brasilien "nicht zu akzeptieren"

Doch während die Formel 1 für die Geschehnisse in Sotschi noch Verständnis findet, wartet auf Pirelli bereits neue Kritik. Grund sind die festgelegten Mischungen für die letzten drei Saisonrennen: Für Brasilien hat der Reifenhersteller nämlich die beiden härtesten Mischungen gewählt, also Medium und Hard, was bei Fahrern und Teams auf Verwunderung stößt: "Die Wahl für die kommenden Rennen ist seltsam. Dass wir in Brasilien mit Medium und Hart fahren, ist für mich sehr überraschend", findet Alonso.

Sein ehemaliger Teamkollege Felipe Massa geht da noch einen Schritt weiter. Der Lokalmatador findet die Wahl Pirellis nicht nur wunderlich, er hält sie sogar für "sehr gefährlich", wie er sagt. "Es ist eine Strecke, auf der es regnen kann, wo es kühl sein kann, eine Strecke, auf der du riskieren musst mit trockenen Reifen zu fahren - und wenn der so hart ist, ist das gefährlich. Ich verstehe also nicht, warum sie das geändert haben", schüttelt der Williams-Pilot den Kopf.

Massa kennt die Strecke in seiner Heimat wie kein Zweiter und fragt sich, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, das härteste Paket auszuwählen. "Interlagos ist eine Strecke die nie für harte und mittlere Reifen ausgelegt war. Es ist eine Strecke, auf der wir auch superweich und weich nehmen können, konservativ aber weich und medium. Ich weiß also nicht, warum sie Medium und Hart gewählt haben, das ist nicht zu akzeptieren", poltert er.

Diskussionen erwartet

Paul Hembery kennt die Vorwürfe gegen den Reifenhersteller bereits, doch verstehen kann er sie nicht: "Wir sind in der Vergangenheit schon oft mit Medium und Hard gefahren, von daher ist es gar nicht so seltsam. Es wurde dort neu asphaltiert und wir haben dort große laterale Kräfte", begründet er die Wahl, stößt dabei aber auf taube Ohren: "Wenn du neu asphaltierst, wird es einfacher auf den Reifen. Ich weiß also nicht, warum sie die Wahl geändert haben", winkt Massa ab.

Der Brasilianer habe deswegen bereits mit Pirelli direkt gesprochen und sei dabei mit Verständnis begegnet worden. Eine Bitte auf Änderung musste allerdings zunächst abgelehnt werden, doch man wolle noch einmal darüber diskutieren. "Das Rennen ist ja nicht schon morgen, wir haben noch ein paar Wochen, also das sollte einfach sein", sagt Massa, während Hembery zustimmt: "Wir haben die Reifenarbeitsgruppe, mit der wir das Thema noch einmal durchgehen werden. Wenn es ein Fragezeichen darüber gibt, dann können wir uns das anschauen."

"Aber", fährt der Motorsportchef fort, "man muss vorsichtig sein: Denn wenn man etwas verändert, dann kommen plötzlich sechs andere Fahrer und fragen, warum man etwas ändert, weil sie etwas anderes wollen." Denn der Brite weiß genau, wie es in der Königsklasse läuft: Häufig möchte man mit Kommentaren in eine Richtung bewirken, dass man selbst einen Vorteil hat. Doch in diesem Fall sei das anders, sagt Massa: "Ich habe schon mit fast allen gesprochen, den Fahrern, der FIA, mit jedem. Wir warten da jetzt einfach ab und sehen was passiert."

Fotoquelle: xpbimages.com

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