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Formel 1 2014

— 03.11.2014

Rechenspiele im Titelkampf: Scheichs haben schon gewonnen

Die Entscheidung um die Fahrerkrone fällt nur zwischen Hamilton und Rosberg, auf jeden Fall in Abu Dhabi und nicht ohne Schützenhilfe zugunsten des Deutschen



Die doppelten Punkte beim Saisonfinale in Abu Dhabi werfen wie erwartet ihre Schatten voraus: Obwohl Lewis Hamilton nach seinem zehnten Sieg 2014 am Sonntag in Austin das Championat der Fahrer zwei Rennen vor dem Ende anführt, kann er sich des Titelgewinns längst nicht sicher sein. Was 316 Punkte auf seinem Konto gegenüber deren 292 bei Teamkollege Nico Rosberg bedeuten, fasst Sportchef Toto Wolff bei 'RTL' treffend zusammen: "Einer der beiden wird es machen."

Schließlich ist Daniel Ricciardo als Drittplatzierter seit dem US-Grand-Prix raus aus der WM und damit der zweite Titel nach dem der Konstrukteure für Mercedes sicher. Gleiches gilt für den Doppelerfolg in der Gesamtwertung, schließlich würden dem Red-Bull-Piloten zwei Siege in Brasilien und Abu Dhabi bei gleichzeitigen Rosberg-Ausfällen nicht reichen, um den Deutschen einzuholen. "Für uns als Team ist jetzt die Fahrermeisterschaft entschieden. Der hat nichts mehr mitzureden", jubelt Aufsichtsratschef Niki Lauda mit Blick auf Ricciardo.

Egal, was in Brasilien passiert, ein Weltmeister wird erst in Abu Dhabi amtlich sein. Damit ist der Zweck der umstrittenen Regelnovelle erfüllt. Siegt Hamilton in Sao Paulo und Rosberg schreibt einen Nuller, dann hätte er 49 Zähler Vorsprung bei 50 noch zu vergebenden. Das schmeckt Nigel Mansell, dem sein Landsmann in Texas die historische Bestmarke der meisten Grand-Prix-Siege eines Briten mit seinem 32. Karriereerfolg abknöpfte, nicht: "Ich bin kein Fan der doppelten Punkte und weiß von 1986, dass es bis zur letzten Runde nie vorbei ist", schreibt der "Löwe" bei Twitter.

Mercedes will nicht die Defekthexe entscheiden lassen

Besser gefällt die Information naturgemäß Rosberg, der bei 'Sky Sports F1' erfreut feststellt: "Allein das sind schon fantastische Nachrichten. Ich muss einfach weiter in jedem Rennen Gas geben und versuchen, es besser zu machen. Es fehlt nicht viel, aber das muss ich irgendwo finden", so der Wiesbadener, der seit Juli oder sieben Rennwochenenden auf einen Sieg wartet. Trotzdem ist Hamilton bei der Jagd nach seiner zweiten Krone auf dem Circuit of The Americas (CoTA) einen wichtigen Schritt weitergekommen. Er kann aus eigner Kraft Weltmeister werden.

Selbst wenn Rosberg zweimal gewinnt, müsste der Schwester-Silberpfeil nur direkt dahinter die Linie überqueren. Der Brite könnte sich sogar einen Ausfall in Brasilien leisten und müsste in Abu Dhabi lediglich in den Punkterängen vor Rosberg ins Ziel zu kommen, um die Korken knallen zu lassen. "Der Schritt ist relativ groß", bemerkt Wolff bei 'Sky'. "Andererseits haben wir die doppelten Punkte, die niemandem so richtig Spaß machen." Lauda hat Rosberg längst nicht abgeschrieben: "Gebrochen ist er nicht. Er wird wieder angreifen und fährt sich immer wieder hoch."

Eine komplett andere Streckencharakteristik im Autodromo Carlos Pace spricht aus Sicht der Rennlegende für Rosberg. Dass die Psyche das Zünglein an der Waage ist, glaubt Wolff nicht und erinnert an das Qualifying von Austin: "Sie sind beide mental stark. Samstag war Nicos Tag, und er hätte gewinnen können", sagt er 'Sky Sports F1'. Vielmehr will der Mercedes-Verantwortliche verhindern, dass die Defekthexe den Champion krönt: "Jetzt müssen wir zwei Autos hinstellen, die nicht nur schnell, sondern auch standfest sind, damit wir nicht die WM entscheiden."

Vollgas-Tier Hamilton kennt nur Attacke

Auch wenn Lauda Hamilton "Topform" unterstellt und ihn in der komfortableren Ausgangsposition sieht, ist sich der Ex-McLaren-Zögling seiner Sache nicht sicher: "Wenn es normale Punkte geben würde, wäre das Gefühl mit Sicherheit ein anderes", meint er im Gespräch mit 'Sky Sports F1' und zeigt sich trotz oder eben gerade wegen "Abu Double" angriffslustig: "Jetzt werde ich weiter attackieren! Ich habe zehn Rennen gewonnen und alles getan, um Weltmeister zu werden. Ich bin zuversichtlich, dass alles gut ausgehen wird. Bis jetzt fühle ich mich sehr stolz."

Seine Herangehensweise will Hamilton nicht modifizieren und bei der Porzellanladen-Taktik bleiben: "Es verändert für mich genau wie für Nico nicht wirklich etwas. Im Jahresverlauf muss man Risiken ausbalancieren und ich glaube, ich habe bisher nicht zu viele auf mich genommen. Ich tat, was getan werden musste, auf die sicherste Art und Weise", schildert der 29-Jährige, der in Austin auf Nummer sicher ging: "Ich habe sogar in diesem Rennen versucht, das Auto nach Hause zu pflegen."

Rosbergs Ansatz ist es, mit Spaß am Beruf und positiver Stimmung in die Endphase der Saison zu genen: "Ich hoffe, dass es spannend für die Fans wird und wir eine gute Show liefern. Ich freue mich auf die kommenden Rennen, die mit unserem Auto fantastisch werden."

Hamilton weiß jedoch, dass er sich für die Erfolge auf der Habenseite wenig kaufen kann, wenn die WM-Messe doch zu seinen Ungunsten gelesen werden sollte: "Man kann sich nicht darauf konzentrieren, was in der Vergangenheit passiert ist. Man kann sich nur darauf konzentrieren, was man in der Zukunft erreichen kann." Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Autos hat er wegen der harten Arbeit des Teams. Hinzu kommen die Fans, die sogar im Kraftraum Motivation spenden: "Sie geben mir so viel Energie und inspirieren mich für das Training, weil ich das nächste Rennen gewinnen will." Aber reicht bekanntlich nicht. "Abu Double" lässt grüßen.

Fotoquelle: xpbimages.com

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