David Coulthard musste irgendwann erkennen, dass sein Drang verflogen war

Formel 1 2014

— 05.11.2014

Coulthard über Rücktritt: "Ich wurde nicht mehr besser"

David Coulthard erinnert sich an seinen persönlichen Moment der Erleuchtung, zu dem auch ein aufstrebender Sebastian Vettel seinen Teil beisteuerte



15 Jahre lang fuhr David Coulthard in der Formel 1 und maß sich mit den besten Rennfahrern der Welt. In dieser Zeit nahm der Schotte an insgesamt 246 Rennen teil und liegt damit an Rang sechs der erfahrensten Grand-Prix-Piloten der Geschichte. In einem Video von 'UBS' spricht er über jenen Moment Anfang 2008, in dem ihm klar wurde, dass er seine Karriere beenden würde, um für einen gewissen Sebastian Vettel Platz zu machen.

"Du verlierst nicht unbedingt den Speed, aber du verlierst das Verlangen. Diesen Hunger, diesen egoistischen Wunsch, den du für dich selbst und dein Team um dich herum willst", erinnert sich Coulthard an die ersten Anzeichen, die sein Karriereende einläuteten. "Du beginnst zu realisieren, dass es nicht für immer weitergehen kann. Dieser Moment war, als ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr diesen Drang verspüre, morgens aufzustehen und testen zu gehen", denkt er an einen Frühjahrstag in Spanien vor fast sieben Jahren zurück.

"Es gab eine Situation zu Saisonbeginn, als wir beim Testen in Barcelona waren. Ich hatte zum ersten Mal in meiner Karriere das Gefühl, dass ich nicht mehr besser werde", erklärt der mittlerweile 43-Jährige. "Jedes Jahr meiner Karriere habe ich gespürt, dass ich mich verbessert hatte. Ich war fitter, konzentrierter, hungriger. Ich war mehr in der Lage, die technischen Herausforderungen zu meistern. Aber Anfang 2008 habe ich zum ersten Mal festgestellt, dass ich nicht mehr besser würde."

Den Gipfel erkennen

Coulthard hatte seine Karriere 1994 auf dem Circuit de Catalunya mit Williams begonnen, war bei seiner Premiere allerdings ausgeschieden. Die Debütsaison beendete er als Achter, bevor er im Folgejahr seinen ersten Grand Prix gewann und sich auf Gesamtrang drei vorarbeitete. 1996 nahm McLaren den Briten unter Vertrag, wo er für die nächsten neun Jahre blieb und 2001 die Vizemeisterschaft gewann. Erst 2005 wurde Coulthard durch Juan Pablo Montoya ersetzt und bekam eine neue Chance bei Red Bull.

"In jedem Bereich deines Lebens musst du in der Lage sein zu erkennen, wenn jemand deinen Job besser machen kann als du. So schwierig das für manche Leute auch zu akzeptieren sein mag - so ist das Leben", knüpft der Ex-Pilot an seine Erinnerungen an. "Du kannst andere Leute veräppeln, aber nicht dich selbst." Das Wichtigste sei zu erkennen, wenn man den Gipfel erreicht hat - sei es in einer Beziehung, im Job oder im Sport. "Dann musst du ehrlich sein und weiterziehen."

Gestützt wurde Coulthards Entscheidung zum Rücktritt durch seine Verbundenheit zu Red Bull: "Ich war zwar nur vier Saisons dort, aber letztlich haben sie nach neun Jahren McLaren an mich geglaubt", erklärt der Routinier und kehrt gedanklich zu jenem schicksalhaften Testtag in Barcelona zurück: "Sebastian Vettel ist damals für Toro Rosso gefahren und schien der neue Mann für die Zukunft zu sein. Ich habe Christian Horner angerufen, dass ich ein Problem (mit dem Nacken; Anm. d. Red.) habe und nicht fahren könne."

Bahn frei für Vettel

Coulthards Alternativplan zielte auf den Youngster im eigenen Lager ab: "Sebastian ist hier, also warum setzen wir ihn nicht einfach ins Auto und finden heraus, wie er sich im Hauptteam schlägt?", lautete sein Vorschlag gegenüber Teamchef Horner am Telefon. "Ich erinnere mich, wie mein Manager später anrief und meinte, ich sei wie ein Truthahn, der sich für Weihnachten einsetzt. Warum ich nur wolle, dass jemand anderes mein Auto fährt."

Für Coulthard stand jedoch sein Rennstall im Mittelpunkt - nicht mehr der egoistische Rennfahrer von einst. "Mein Grund war einfach, dass ich ein Teamplayer bin. Red Bull hat meine Karriere nach von McLaren verlängert und mir die Chance gegeben, beim Aufbau eines Teams mitzuhelfen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es da ein Teammitglied gibt, das ich nicht aufhalten kann." Beim Test konnte sich der Oldie ein Bild von Vettels Talent machen. "Das war für mich das Signal, meine Karriere zu beenden."

Nach zahlreichen Jahren in der Königsklasse blickt Coulthard heute auf eine fantastische Zeit zurück: "Es war eine rasante Reise - heraus aus einem kleinen schottischen Dorf, um Rennen in der ganzen Welt zu fahren. Das war die Verwirklichung eines Traums, obwohl ich persönlich eigentlich kein Träumer bin. Meine Großmutter hat immer gesagt: 'Träumen tust du, während du schläfst. Und etwas erreichen tust du, wenn du arbeitest.' Es war also vielleicht eher das Erreichen eines gesteckten Ziels."

Fotoquelle: xpbimages.com

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