Insolvenzverwatler Finbarr O'Connell fungiert in Abu Dhabi als Teamchef

Formel 1 2014

— 20.11.2014

O'Connell: "Wir stellen uns dem Wettbewerb"

Caterham-Insolvenzverwalter und Interimsteamchef Finbarr O'Connell spricht im Detail über die aktuelle Situation des Teams, das Crowdfunding und die Zukunftspläne



Caterham ist nach zwei verpassten Rennwochenenden (USA und Brasilien) vor Ablauf der Formel-1-Saison doch noch einmal zurückgekehrt. Beim Grand Prix von Abu Dhabi sitzen an diesem Wochenende der erfahrene Japaner Kamui Kobayashi und der junge Brite Will Stevens im Cockpit. Kobayashi saß mit Ausnahme des Grand Prix von Belgien bei allen Caterham-Auftritten in dieser Saison im Auto. Stevens gibt sein Formel-1-Debüt.

Als Teamchef fungiert vorübergehend Insolvenzverwalter Finbarr O'Connell. Bevor er zur Rettung des von Tony Fernandes gegründeten Formel-1-Rennstalls berufen wurde, zeichnete O'Connell für unterschiedlichste Firmenrettungen verantwortlich. Angefangen bei Goldminen in Afrika, über Erdbeerplantagen bis hin zu Schiffsunternehmen wurde er beschäftigt, um die finanzielle Komponente eines Unternehmens zu verstehen und zu richten.

"Einerseits ist die Formel 1 auf ihre ganz eigene Weise sehr kompliziert und neu für mich, andererseits ist es ein Business wie jedes andere", sagt O'Connell im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' und sinniert: "Es gab vermutlich Zeiten in der Vergangenheit, in denen es in der Formel 1 mehr auf Style, Strategie, Motoren und dergleichen ankam. Jetzt aber wird gerade eine Phase durchlebt, in der es in erster Linie um die finanziellen Grundlagen geht."

Caterham verdient Platz im Starterfeld

"Ich stimme Bernie Ecclestone voll und ganz zu, dass ein Geschäft nur dann funktionieren kann, wenn die Ausgaben gedeckt werden. Ich kann aber auch die von den kleinen Teams vorgebrachten Punkte nachvollziehen, wonach sie eine ausgewogenere Balance anstreben, um weiterhin mitspielen zu können", bemerkt O'Connell und spricht damit auf die Verteilung der FOM-Einnahmen an.

Caterham gehört nach Ansicht O'Connells durchaus zum Kreis, der ein größeres Stück des Geldkuchens der FOM verdient. "Das Team gehört einer der exklusivsten Umgebungen der Welt an. Man hat eine schwierige Phase hinter sich. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Wird das Team von einem großen Automobilhersteller aufgekauft oder aber von einem großen Hersteller aus dem direkten Umfeld der Automobilindustrie, der das Team als Marketingplattform aufbauen möchte oder aber von einer unglaublich reichen Einzelperson, die einfach nur Mitglied dieser exklusiven Umgebung sein möchte?"

Insolvenzverwalter im doppelter Hinsicht

Caterham besteht genau genommen aus zwei Einheiten: Zum einen Caterham Sports Limited (CSL) und zum anderen 1Malaysia Racing Team (1MRT). "Am Freitag der vergangenen Woche wurde ich vom Obersten Gerichtshof in London mit dem malaysischen Unternehmen betraut", offenbart O'Connell und erklärt, dass 1MRT "als nicht in Großbritannien registriertes Unternehmen das Geld ausging". Die Folge: "Inzwischen bin ich Insolvenzverwalter beider Einheiten. Wir bieten ein Team an, das die Lizenz von 1MRT und die Gebäude von CSL beinhaltet. Die Mitarbeiter wollen natürlich alle zurückkehren. Die Puzzleteile sind also alle vorhanden."

Zwar ist es das Ziel, Caterham als Ganzes zu verkaufen. Eine geringe Chance besteht laut O'Connell aber auch, CSL und 1MRT an separate Käufer abzutreten. "Diese Chance besteht grundsätzlich immer. Ich muss für den Weg entscheiden, der unterm Strich den Gläubigern das meiste Geld bringt. Ich sehe das aber eigentlich nicht kommen, weil eine Rennteilnahme natürlich mit der Rennlizenz verknüpft ist."

Thema Verkauf: Nur Rennlizenz oder Gesamtpaket?

Theoretisch könnte ein großer Automobilhersteller, der über eigene Infrastruktur verfügt, mit Kauf von CSL und damit der Rennlizenz in die Formel 1 einsteigen. O'Connell glaubt an ein solches Szenario aber nicht: "Wenn ich in diesem Geschäft eines gelernt habe, dann, dass selbst ausländische Automobilhersteller, die an einem Kauf interessiert sind, Leafield gleich mit dazu kaufen wollen."

Hintergrund: Großbritannien gilt bezogen auf die Logistik als die Formel-1-Drehscheibe schlechthin. Mit Ausnahme von Ferrari, Toro Rosso und Sauber sind alle aktuellen Teams in Großbritannien angesiedelt. So sieht sich beispielsweise auch das Team von Gene Haas neben der Produktionsstätte in Kannapolis im US-Bundesstaat North Carolina parallel nach einer europäischen Bleibe in Großbritannien um.

Daher hält es O'Connell für wahrscheinlich, dass das gesamte Caterham-Paket irgendwann den Besitzer wechselt. Sein Wunsch ist dieses Szenario auf jeden Fall: "Wenn jemand ein Team von Grund auf neu aufbauen möchte, dann dauert das eineinhalb bis zwei Jahre und verlangt unglaublich hohe Anstrengungen. Wir haben hier etwas, das sofort einsatzbereit ist."

Crowdfunding kein Mittel, um die Zukunft zu finanzieren

Genau, um dieses Bild der Einsatzbereitschaft zu vermitteln, ging es bei der Crowdfunding-Kampagne, dank derer Caterham an diesem Wochenende in Abu Dhabi überhaupt vor Ort ist . "Ich glaube, es gab beim Thema Crowdfunding ein bisschen Verwirrung darüber, was das Ziel ist", bemerkt O'Connell.

"Ich möchte klarstellen, dass es das Ziel dieser Kampagne war, das Team hier antreten zu lassen, den Käufern zu präsentieren, um es letztendlich verkaufen zu können. Es geht nicht darum, ein Team mittels Crowdfunding auch in Zukunft zu betreiben, sondern es geht um den Prozess der Umstrukturierung", so der Caterham-Insolvenzverwalter und Interimsteamchef.

In Abu Dhabi wird man sich aber nicht nur mit in der Box stehenden Autos und sonstigem Equipment präsentieren. "Wir sind hier, um Rennen zu fahren. Wir stellen uns dem Wettbewerb. Die Leute mögen vielleicht denken, dass Platz zehn im Rennen nicht im Traum möglich wäre. Ich kann nur sagen, wir sind als Rennteam hier", so O'Connell, der von "intensiveren Vorbereitungen als beim bisher letzten Renneinsatz" spricht.

Beim Grand Prix von Russland in Sotschi - damals noch unter der Führung von Manfredi Ravetto als Teamchef - traten Kobayashi und der inzwischen nicht mehr bei Caterham unter Vertrag stehende Marcus Ericsson an. Kobayashi beendete das Rennen unter zunächst mysteriösen Umständen. Das Team sprach später von Bremsproblemen.

Derartige Vorkommnisse sollen nun der Vergangenheit angehören. Als potenzielle Käufer der Caterham-Konkursmasse kommen laut O'Connell "drei Kandidaten, die ich nun sortieren muss" in Frage. Der Insolvenzverwalter rechnet in diesem Zusammenhang mit einer baldigen Entscheidung und Bekanntgabe.

Fotoquelle: xpbimages.com

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