Objekt der Begierde: Um das freie Toro-Rosso-Cockpit ist ein heißer Tanz entbrannt

Formel 1 2014

— 21.11.2014

Kampf ums Toro-Rosso-Cockpit: "Sind wie ein Rudel Löwen..."

Wie hart der Kampf um das freie Toro-Rosso-Cockpit ist, worauf es Juniorteam-Chef Helmut Marko ankommt und ob das dritte Red-Bull-Auto die Rettung sein könnte



In der Formel 1 sind so gut wie alle Cockpits vergeben, auch wenn noch nicht alle Piloten offiziell bestätigt wurden. Neben McLaren steht nur noch hinter dem zweiten Toro-Rosso-Cockpit an der Seite von Max Verstappen ein Fragezeichen. Die Kandidatenliste ist lang: Der aktuelle Stammpilot Jean-Eric Vergne muss sich gegen die Red-Bull-Junioren Carlos Sainz jr., Alex Lynn und Pierre Gasly wehren.

Was die sportlichen Leistungen angeht, haben alle Kandidaten viel vorzuweisen: Sainz jr. und Gasly errangen in der Renault-World-Series den Titel sowie Platz zwei, wobei der Spanier eineinhalb Jahre älter ist und bereits ein Jahr länger in der Serie am Start ist. Lynn sicherte sich in Abu Dhabi den Titel in der GP3-Serie. Und Vergne zeigte zuletzt in der Formel 1 sehr ansprechende Leistungen.

Sainz-Lager verweist auf World-Series-Titel

Eine Rolle bei der Cockpitvergabe könnte möglicherweise der Junior-Test kommende Woche auf dem Yas Marina Circuit spielen - dort wird neben Daniel Ricciardo Sainz jr. zum Einsatz kommen. "In der Vergangenheit war der World-Series-Titel ausreichend, um für Toro Rosso zu fahren. Dieses Jahr ist es nicht so einfach", klagt Carlos Sainz sen. im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' über die hohe Leistungsdichte im Nachwuchs, die sich für Red Bull zum Luxusproblem entwickelt.

Warten bis 2016 kommt für das Sainz-Lager nicht in Frage. "Ich denke, er ist wirklich bereit für den Sprung", sagt die Rallye-Legende. "Er hätte die Chance verdient, und ich bin relativ zuversichtlich, aber in der Formel 1 weiß man nie. Man muss warten, bis die Entscheidung gefallen ist."

Lynns harter Kampf im Bullenstall

Auch der Brite Lynn hat sich mit dem vorzeitigen Gewinn des GP3-Titel in Position gebracht und die Aufgabenstellung von Red-Bull-Juniorteam-Chef Helmut Marko vorzeitig erfüllt. "Vor zwölf Monaten saß ich in seinem Büro in Österreich, und da hat er gesagt, dass sie auf mich schauen werden, wenn ich das gewinne", erinnert sich Lynn, der neben Red Bull übrigens auch von Ex-Formel-1-Pilot Alex Wurz betreut wird, gegenüber 'Sky Sports F1'.

Doch jetzt tappt auch er im Dunkeln, was seine Zukunft angeht. Als er Marko auf die weiteren Pläne ansprach, soll dieser laut Lynn gesagt haben: "Ich weiß es nicht, es ist alles schwierig. Wir müssen schauen." Je länger die Wartezeit dauert, desto aufgeheizter ist die Stimmung unter den Jungbullen. "Das ist wirklich, wie wenn sich ein Rudel Löwen auf ein totes Reh stürzt", gibt Lynn tiefe Einblicke. "Wir haben hier ein freies Toro-Rosso-Cockpit, und wir kämpfen wie die Hunde, um es zu kriegen. Es ist wirklich hart, das kann ich euch sagen."

Worauf es Marko ankommt

Oft können Details entscheiden: das richtige Auftreten, korrekte Aussagen bei Interviews, ein perfektes Saisonfinale. Oder der selbstbewusste Anspruch, statt Ricciardo den Test in Abu Dhabi zu absolvieren? "Ich denke, dass er das eher mag", antwortet Lynn auf die Frage, wie Marko, der als "Racer" der alten Schule gilt, auf ein derartiges Verhalten reagieren würde.

"Zu Beginn meiner Red-Bull-Karriere war ich eher der Typ, der höflich war und gefragt hat, ob ich mir etwas mehr nehmen dürfte", fällt Lynn bei sich selbst ein Sinneswandel auf. "Man gewinnt aber an Selbstvertrauen, wenn man Erfolg hat, spricht dann mit breiterer Brust."

Am Ende gehe es dem Österreicher, der im Motorsportbereich bei Red Bull die Fäden zieht, aber "nur um die Ergebnisse. Es ist ihm egal, wo man herkommt, welchen Hintergrund man hat. Wenn du für ihn gewinnst, dann ist das alles, was zählt." Marko ist laut Lynn auch mit dessen Leistungen zufrieden, aber: "Ich bin nur ein ganz kleines Rädchen in dieser riesigen Formel 1. Das wird zwar größer und mein Name fällt nun öfter, es gibt aber so viele andere Faktoren."

Sainz sen. glaubt nicht an drittes Auto

Zum Beispiel der Teamkollege: Verstappen wünscht sich nämlich mit Vergne einen erfahrenen Teamkollegen, von dem er lernen kann. Der Niederländer wird 2015 mit 17 Jahren sein Formel-1-Debüt geben und hat nur ein Jahr Formel-Erfahrung auf dem Buckel, gilt aber als Riesentalent.

"Jean-Eric wäre gut für das Team und das würde sicher sehr gut funktionieren, aber Red Bull trifft die Entscheidung", sagt er auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com'. Doch was passiert, wenn Ferrari, McLaren und Red Bull ab 2015 plötzlich ein drittes Auto einsetzen müssen, weil weitere Teams ihren Überlebenskampf aufgeben?

Es wäre möglicherweise die Chance für Sainz jr. & Co. Sein Sohn "würde das schon hinkriegen", wenn er auf einmal im Red-Bull-Boliden sitzen würde, glaubt Sainz sen. "Das wäre natürlich auch eine gute Möglichkeit." Dennoch drückt er auf die Bremse: "Ich habe ernsthafte Zweifel, ob es ein drittes Auto geben wird. Es sah eine Zeitlang danach aus, aber es scheint nicht so einfach zu sein wie ursprünglich gedacht."

Fotoquelle: xpbimages.com

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