Helmut Marko glaubt, dass Sebastian Vettel in einem Jahrzehnt nicht mehr Formel 1 fährt

Formel 1 2014

— 21.11.2014

Marko über Vettel & Ferrari: "Mit 35 nicht mehr in der Formel 1"

Warum der Ferrari-Wechsel für Sebastian Vettel und Red Bull zum richtigen Zeitpunkt kommt und wie man in Zukunft mit dem einstigen Heilsbringer umgehen wird



Obwohl man sich mit dem Gedanken in den vergangenen Wochen bereits anfreunden musste, ist es nach wie vor schwer vorstellbar: Sebastian Vettel, der seit dem Alter von zwölf Jahren von Red Bull gefördert wird, wird ab der kommenden Saison für Ferrari an den Start gehen. Vor einem Jahr hatte er noch seinen vierten WM-Triumph in Serie und den 38. und bislang letzten Grand-Prix-Sieg gefeiert.

"Er war nicht viel mehr als ein Junge, als er zu uns kam", erinnert sich Teamchef Christian Horner an die Anfänge mit dem Red-Bull-Team im Jahr 2009, "und jetzt verlässt er uns als junger Mann, als Vater." Obwohl Red Bull damit sein erfolgreichster Sportler und Markenbotschafter abhanden kommt, hegt man keinen Groll.

Marko kann Ferrari-Reiz nachvollziehen

"Ich kann diesen Mythos Ferrari bedingt nachvollziehen", zeigt sich Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko im Interview mit 'Motorsport-Total.com' verständnisvoll. Kein Wunder, hatte der Österreicher doch selbst als aufstrebender Formel-1-Pilot einen Ferrari-Vertrag in der Tasche, ehe seine Karriere wegen eines schweren Unfalls abrupt endete.

"Ich hatte das Glück, selbst mit Enzo Ferrari zu sprechen und ein Auto vom ihm in der Sportwagen-Weltmeisterschaft zu fahren", erinnert er sich. "Wenn man dort in sein abgedunkeltes Büro kam und ihn dort sah, das war wirklich elektrisierend." Auch wenn der Commendatore und damit "die große Persönlichkeit" nicht mehr lebt, "ist der Mythos immer noch da".

Vettel schwärmte schon vor vielen Jahren von Ferrari - dass es nun so schnell ging, kam dann aber doch selbst für Fahrerlager-Insider überraschend. Das trifft Red Bull doppelt, denn mit Stardesigner Adrian Newey wird in Zukunft ein weiterer Architekt des Erfolgs nicht mehr im Formel-1-Tagesgeschäft tätig sein.

Warum Vettel Red Bull verlässt

"Es ist eigentlich bei Adrian und Sebastian das gleiche", sieht Marko Parallelen. "Beim Newey fehlt es an Motivation, wenn die aerodynamischen Möglichkeiten dermaßen eingeschränkt sind, weil er dann nicht mehr so kreativ sein kann. Und bei Sebastian war es das Problem, dass das Auto für ihn keine Herausforderung mehr war. Dazu kam dann diese unglaubliche Defektserie, die ihn getroffen hat. Dann sagt sich jemand von solcher Qualität, dass er mal wechselt, um neue Motivation zu finden."

Zudem glaubt Marko nicht, dass Vettel mit 35 Jahren noch Formel 1 fahren wird. "Das ist so ein Gefühl", begründet er seine Aussage. Insofern sei es möglicherweise der richtige Zeitpunkt für den Wechsel gewesen. "Da haben jetzt alle Umstände gepasst. Dann hat er das halt angenommen." Das sieht Teamchef Horner ähnlich, der glaubt, dass dies auch für sein Team gilt.

Red Bull für Zeit nach Vettel gerüstet

Tatsächlich hat Red Bull mit Daniel Ricciardo überraschenderweise einen Piloten gefunden, der sich selbst mit tollen Leistungen als Teamleader empfohlen hat: Der "Aussie" hat als einziger Nicht-Mercedes-Pilot dieses Jahr triumphiert - und das gleich drei Mal. "Ich glaube, dass Ricciardo eindrucksvoll bewiesen hat, dass er ein mehr als würdiger Ersatz für Mark Webber ist", gibt Marko seinem neuen Star Rückendeckung.

Und mit dem Russen Daniil Kwjat hat Marko einen weiteren Juniorpiloten ins A-Team befördert. "Kwjat zeigt immer wieder im Toro Rosso in einzelnen Sessions auf, welches Tempo er hat", ist der Grazer davon überzeugt, dass auch der Rookie nächstes Jahr bei Red Bull glänzen wird. Zumal weitere Red-Bull-Talente auf ihre Formel-1-Chance lauern: "Bei Toro Rosso haben wir in Verstappen und wer immer der zweite Fahrer wird, wieder zwei junge Talente, die dann nachrücken. Das ist der beste Beweis, dass unsere Förderung funktioniert."

In der kommenden Saison werden Ricciardo und Kwjat, der laut Marko "erst weiß, dann rot geworden ist und zuerst kein Wort gesagt hat", als er von seiner Beförderung erfuhr, gegen Vettel antreten.

Vom Verbündeten zum Feind?

Könnte es sein, dass sich aus der einstigen Erfolgskombination erbitterte Rivalen entwickeln? Nicht, wenn es nach den Red-Bull-Bossen geht. "Es wird sehr traurig, wenn er am Sonntag geht und seine Karriere mit Red Bull beendet", zeigt sich Teamchef Horner von seiner sentimentalen Seite. "Wir wünschen ihm viel Glück, und er wird für immer ein guter Freund des Teams bleiben. Ab Januar wird er dann nicht nur ein Konkurrent sein, sondern mehr als das, da wir tolle gemeinsame Erinnerungen haben."

Und auch der oft harte Marko will die langjährige Freundschaft mit Vettel pflegen: "Sebastian hat bei uns sehr, sehr viel erreicht, und wir sind in Freundschaft und in sportlicher Achtung von einander gegangen. Bei uns gibt es keine negativen Gefühle oder dergleichen. Es ist ein Schritt, der von unserer Seite respektiert wird."

Dennoch werde er auf der Strecke wie alle anderen Nicht-Red-Bull-Piloten ein Gegner sein: "Wir werden Sebastian sicher nicht vorbeiwinken, wenn er nächstes Jahr in unseren Regionen fährt. Im Gegenteil: Es ist jetzt unsere Motivation, ihn zu schlagen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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