Showdown in Abu Dhabi: Wird Nico Rosberg am Sonntag Weltmeister?

Formel 1 2014

— 22.11.2014

Experten einig: Doppelte Punkte sollten WM nicht entscheiden

Krönt sich Nico Rosberg zum ersten Weltmeister, der den Titel dank doppelter Punkte im letzten Rennen gewann? Viele Experten hoffen, dass es nicht so kommt



Nico Rosberg könnte am Sonntag eine zweifelhafte Ehre zuteilwerden. Der Deutsche könnte in Abu Dhabi der erste und einzige Pilot in der Geschichte der Formel 1 werden, der sich dank doppelter Punkte zum Weltmeister krönt. Die umstrittene Regelung soll 2015 bereits wieder fallengelassen werden, was viele Experten aus dem Formel-1-Umfeld befürworten. Am Sonntag könnten die doppelten Punkte allerdings im wahrsten Sinne noch einmal einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

17 Punkte liegt Rosberg vor dem Saisonfinale hinter Hamilton. Nach der normalen Punktevergabe würden dem Briten also ein sechster Platz und die damit verbundenen acht Punkte ganz sicher zum Titel reichen, ganz egal wie sein Teamkollege abschneidet. Aufgrund der doppelten Punkte müsste Hamilton im Falle eines Rosberg-Sieges allerdings Zweiter werden, um sich den Titel zu sichern.

Umgekehrt würde Rosberg bereits ein fünfter Platz zum Titel reichen, wenn Hamilton ausscheidet. Unter "normalen" Umständen müsste er bei einem solchen Szenario mindestens Zweiter werden. Ihr Ziel, die WM bis zum letzten Rennen spannend zu halten, haben die Verantwortlichen mit der Einführung der doppelten Punkte also erreicht. Doch zu welchem Preis? Einige Experten glauben, dass der Sport durch diese Regelung seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt.

"Es ist nicht unfair, es ist dumm"

"Ich hoffe einfach, dass das Ergebnis nicht von den doppelten Punkten beeinflusst wird, denn das würde anschließend immer wieder breitgetreten werden", erklärt beispielsweise Ex-Ferrari-Pilot Eddie Irvine gegenüber 'talkSPORT' und ergänzt: "Soweit ich weiß, wollen sie es nach diesem Jahr wieder abschaffen. Es war die dümmste Sache, die sie je eingeführt haben. Hoffen wir, dass wir es auch zum letzten Mal erleben."

"Es ist dumm. Es ist nicht unfair, es ist dumm", fügt der Vizeweltmeister des Jahres 1999 mit einem Lachen hinzu und zieht einen Vergleich: "Könnt ihr euch vorstellen, dass man beim Fußball sagt, dass ein Tor in den letzten fünf Minuten doppelt zählt? Das ist bescheuert und für einen Rennfahrer ist es genau das. Es ist genauso bescheuert, als wäre der letzte Satz beim Tennis das Doppelte wert."

"Es ergibt für alle Beteiligten im Motorsport keinen Sinn. Außer vielleicht, dass sie dadurch etwas mehr Geld von Abu Dhabi bekommen, weil die Weltmeisterschaft erst dort im letzten Rennen entschieden wird. Aber in der Formel 1 ging es nie darum, dass etwas erst ganz am Ende entschieden wird. Manchmal passiert es eben und manchmal nicht. Und je öfter es passiert, desto weniger beeindruckender ist es."

Auch Fans gegen doppelte Punkte

Der 49-Jährige zieht einen weiteren Vergleich zu einer anderen Sportart: "Beim Basketball ist es sinnlos, sich das vor den letzten 30 Sekunden anzusehen, denn zuerst führt das eine Team, dann das andere und es geht hin und her und bis zu den letzten 30 Sekunden macht es keinen Unterschied. Ist es das, was wir in der Formel 1 sehen wollen?"

Die Leser von 'Motorsport-Total.com' sind sich jedenfalls einig darüber, dass die doppelten Punkte möglichst schnell wieder verschwinden sollten. Bei einer Umfrage gaben 92,66 Prozent der mehr als 6.000 Teilnehmer an, dass ein Rennen nicht mehr wert sein sollte als alle anderen. Lediglich 7,34 Prozent sind mit der Regelung einverstanden, da sie für alle Piloten gleich ist.

Auch Ex-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bezeichnet die Regel in der 'Bild' als "unsinnig": "Ich habe auch noch keinen getroffen, der diese Regel gut findet. Auch Nico (Rosberg; Anm. d. Red.) nicht, obwohl er in seiner Situation beim Finale gut damit leben kann. Die Regel ist so, als würde es im Fußball beim 1:0 nach einem Elfmeter der hinten liegenden Mannschaft 2:1 stehen."

Lauda findet deutliche Worte

Niki Lauda geht in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet die doppelten Punkte als "das Blödeste, was man je erfunden hat. Es manipuliert den Ausgang, keine Frage. Aber man muss Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.) - aus seiner Sicht - recht geben. Die ganze Welt schaut auf dieses Rennen, weil es doppelte Punkte gibt. Der Promotor hat es richtig gemacht. Für den Sport aber finde ich das nicht gut."

Wie man es auch dreht und wendet, die doppelten Punkte haben im Umfeld der Formel 1 nicht gerade eine große Fanbasis. Gut möglich also, dass die Regel tatsächlich in der kommenden Saison schon wieder Geschichte ist. Somit könnte Rosberg, das entsprechende Ergebnis vorausgesetzt, am Sonntag der einzige Pilot aller Zeiten werden, der sich durch diese Regel den Titel sichert.

Doch wäre Rosberg wirklich stolz, wenn es so kommen würde? "Jeder hat seine eigene Meinung, und im Sport sind es am Ende die Punkte, die zählen. Natürlich kann man danach diskutieren, wer es mehr oder weniger verdient hat. Das wird immer der Fall sein", hatte der Deutsche noch vor einigen Wochen etwas ausweichend geantwortet. Vermutlich wäre es auch ihm allerdings lieber, wenn er sich den Titel ohne die Hilfe von "Abu Double" sichern würde.

Rosberg will Hamilton unter Druck setzen

"Morgen habe ich eine große Chance, eine großartige Möglichkeit, und ich werde versuchen, sie mit beiden Händen zu ergreifen," erklärt der WM-Zweite gegenüber 'Formula1.com' und ergänzt: "Die Situation ist intensiv, aber gleichzeitig ist es ein toller Moment. Ich versuche, mich auf diesen großartigen Moment zu konzentrieren und es zu genießen, dass ich diese Möglichkeit habe. Es ist sehr speziell."

"Ich sehe das so: Lewis hat alles zu verlieren und ich alles zu gewinnen. Der Druck liegt also ganz eindeutig bei ihm. Das ist auch ein Teil meiner Chance. Ich habe die Gelegenheit, so viel Druck auf ihn auszuüben wie möglich. Vielleicht macht er dann einen Fehler. Das haben wir in Brasilien gesehen. In Brasilien habe ich versucht, so viel Druck wie möglich zu machen und er musste über das Limit gehen", so Rosberg.

Auch die doppelten Punkte sind ohne Frage ein Teil dieser Taktik, denn Hamilton reicht - wie bereits zu Beginn beschrieben - eben keine lockere Fahrt auf Platz sechs zum Titel, er muss es auf das Podium schaffen, wenn Rosberg das Rennen tatsächlich gewinnen sollte. Ob die doppelten Punkte auch in der Endabrechnung tatsächlich einen Unterschied machen, wird sich erst am Sonntagnachmittag entscheiden. Und möglicherweise wird man anschließend noch länger darüber sprechen, als es machen lieb ist.

Fotoquelle: xpbimages.com

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