Großer Preis von Abu Dhabi: Pre-Events

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Formel 1 2014

— 23.11.2014

Das große Weltmeister-Interview mit Lewis Hamilton

Weltmeister Lewis Hamilton über die Triumphfahrt in Abu Dhabi, Höhen und Tiefen der Saison, das Verhältnis zu Nico Rosberg, den Verdienst von Ross Brawn und mehr



Mit seinem souveränen Sieg beim Grand Prix von Abu Dhabi, dem Saisonfinale der Formel-1-Weltmeisterschaft 2014, krönte sich Lewis Hamilton zum zweiten Mal nach 2008 zum Weltmeister in der Königsklasse des Automobilsports. Nachdem der Brite seinen ersten Titel mit McLaren gewonnen hatte, ist er nun als Mercedes-Pilot Weltmeister.

Im Interview spricht Hamilton über seine Triumphfahrt in Abu Dhabi, die mit einem perfekten Start begann, über seine persönlichen Höhen und Tiefen auf dem Weg zum zweiten WM-Titel, über seine Verbindung zu Teamkollege Nico Rosberg, über den Verdienst von Ex-Mercedes-Teamchef Ross Brawn und über seine Zukunftspläne.

Frage: "Lewis, du hast es geschafft. Man sah die Emotionen in deinem Gesicht, als deine Nationalhymne gespielt wurde. Kannst du versuchen, die Bedeutung dieses Moments in Worte zu fassen?"
Lewis Hamilton: "Mir fehlen die Worte. Ich möchte mich bei allen Fans bedanken, die den Weg hierher gefunden haben. Auch bei meiner Familie möchte ich mich dafür bedanken, dass sie hergekommen ist. Das weiß ich zu schätzen. Vielen Dank auch an meine Mutter zu Hause. Und Vielen Dank an mein Team, das im gesamten Jahr einen unglaublichen Job gemacht hat. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich kann gar nicht richtig erklären, was das für mich bedeutet. Dieser Titel bedeutet mir mehr als der erste. Es fühlt sich so an als wäre ich zum ersten Mal Weltmeister. Ich bin so glücklich."

Frage: "Erzähle uns ein bisschen vom Rennen. Du hattest einen unglaublichen Start, nicht wahr?"
Hamilton: "Mein Kumpel hier unten (Kupplungsingenieur; Anm. d. Red.) hat mir diesen Start ermöglicht. Mein Start war wie der einer Rakete. Ich glaube, es war der beste Start, den ich jemals hatte. Mir war sofort klar, dass mir dieser Start die Führung bringen würde. Vor dem Rennen hatte ich natürlich verschiedene Optionen gedanklich durchgespielt. Wäre ich nicht in Führung gegangen, dann hätte ich abgewartet bis zum ersten Boxenstopp. Da ich aber sofort in Führung ging, wusste ich, dass ich alles geben musste. Das Auto war fantastisch, das Setup für das Rennen einfach perfekt. Das Qualifying lief natürlich nicht ganz perfekt, aber im Rennen waren wir zur Stelle. Das ist das Wichtigste."

Frage: "Was dachtest du, als du über Funk die Nachricht 'Nico hat ein Problem' gehört hast?"
Hamilton: "Nico hat im gesamten Saisonverlauf eine unglaubliche Leistung gezeigt. Er hat phänomenal gekämpft. Wir trafen uns im Jahr 1997 zum ersten Mal und sagten, es wäre doch unglaublich, wenn wir eines Tages im selben Team fahren würden. Auch heute hat er wieder eine fantastische Leistung gezeigt. Sehr schade, dass sein Auto heute nicht schnell genug war, um es auf der Strecke auszufechten. Trotzdem hatte er die Größe, um sofort zu mir zu kommen."

Frage: "Worüber habt ihr nach einer derart intensiven Saison gesprochen? In Spa beispielsweise war das Verhältnis zwischen euch ja etwas schwierig..."
Hamilton: "Er kam gerade in den Raum und verhielt sich außerordentlich professionell. Er sagte: 'Du bist fantastisch gefahren.' Das Gleiche gilt für ihn. Er ist das gesamte Jahr über fantastisch gefahren, ganz besonders im Qualifying. Hut ab vor ihm."

"Komm schon Baby, wir können es schaffen. Halte durch"

Frage: "Als du via Funk von den ERS-Problemen am Auto von Nico erfahren hast: Hattest du Sorge, dass so etwas auch an deinem Auto passieren könnte? In Montreal gab es ja an beiden Mercedes ganz ähnliche Defekte. Und die zweite Frage: Warst du froh, als dich das Team bat, die Leistung etwas herauszunehmen? Schließlich konnte Felipe Massa dadurch aufholen."
Hamilton: "Ich fragte das Team, ob ich die Leistung zurücknehmen könnte, denn als die Lücke zwischen mir und Nico größer wurde, war mir klar, dass ich es ruhiger angehen lassen muss, um die Reifen zu schonen, auf das Auto zu achten, die Randsteine zu meiden - all diese Dinge. Es gab schon den einen oder anderen Moment auf der Geraden, als ich das Cockpit streichelte und dachte 'Komm schon Baby, wir können es schaffen. Halte durch.' Das sieht man nicht von außen, aber so war es."

"Das habe ich ein paar Mal gemacht, aber um ehrlich zu sein, hatte ich volles Vertrauen, dass die Dinge heute richtig laufen würden. Doch man weiß es natürlich nie genau. Das Auto fühlte sich jedenfalls gut an und in der Schlussphase war ich in der Lage, Attacke zu machen. Ich wollte diesen Zweikampf mit Felipe. Er hatte ja die anderen Reifen drauf und ich dachte 'Meine Güte, er wird mich einholen und gewinnen.' Es ist mir aber gelungen, ihn gerade so hinter mir zu halten."

Frage: "Wie geht es für dich jetzt weiter in den nächsten Stunden, Tagen, Monaten?"
Hamilton: "Das weiß ich noch gar nicht. Ich werde es Tag für Tag angehen. Das ist der größte Tag in meinem Leben, der dank all der Leute um mich herum möglich geworden ist. 2008 war ein ganz besonderer Moment in meinem Leben. Doch das Gefühl, das ich heute genieße, übertrifft jenes von 2008 um Welten. Es ist einfach das großartigste Gefühl überhaupt. Ich danke Gott. Ich bin dankbar dafür, dass mein Auto ins Ziel gekommen ist und danke jedem, der einen Anteil daran hatte. Vielen Dank."

Frage: "Um noch einmal auf deinen hervorragenden Start heute zu sprechen zu kommen: Wie groß ist der technische und wie groß ist der menschliche Anteil daran?"
Hamilton: "Es ist das Auto. Der Fahrer spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich gibt es einen gewissen Ablauf, den man zur richtigen Zeit durchspielen muss. So ist es entscheidend, dass man die Kupplung im gesamten Verlauf des Wochenendes richtig auf den Start vorbereitet. Ebenso wichtig ist es, dass man die Reifen auf den Start vorbereitet. Ich arbeite sehr eng mit meinem Ingenieur zusammen, der sich um die Kupplung kümmert. Er kam vor dem Rennen zu mir ins Zimmer und frage mich 'Wie willst du es heute angehen?' Ich antwortete: 'Genauso wie immer. Dafür braucht es nicht mehr und nicht weniger.' Wenn man in die Einführungsrunde startet, bekommt man ein Gefühl für die Kupplung. Dann muss man dem Ingenieur Rückmeldung geben, ob man sich für den Start eine stärker oder weniger stark rutschende Kupplung wünscht. Wir haben es auf den Punkt genau getroffen. Der Fahrer kommt im Grunde erst anschließend ins Spiel, nämlich dann, wenn das Gaspedal betätigt wird. So oder so hatte ich das Gefühl, dass es der beste Start war, den ich je hatte - einfach phänomenal."

Familie am Sonntag nach Abu Dhabi nachgereist

Frage: "Nach ein wenig Zeit zum Durchschnaufen und Gedankensammeln: Welche Bedeutung hat es für dich, dass du den Titel mit einem Sieg eingefahren hast und was war für dich der Wendepunkt in dieser Saison?"
Hamilton: "Es fällt mir sehr schwer, alles aufzusaugen. Als ich hier angereist bin, spürte ich so viel Druck. Ich habe versucht, das alles so gut es ging zu ignorieren. Niki (Lauda; Anm. d. Red.) hatte Recht: Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich ging gegen 1:00 Uhr zu Bett, wachte aber gegen 5:00 Uhr wieder auf. Ich ging eine Runde laufen und ließ mir eine Massage geben. Ich war mir sicher, dass ich anschließend müde sein würde, doch ich war völlig gefasst. Beim Frühstück kam meine Familie vorbei. Das war eine tolle Überraschung. Ich wollte sie eigentlich schon hier bei mir haben, wusste aber auch, wie anstrengend das Wochenende sein würde. Deshalb wusste ich nicht, wie viel Zeit ich ihnen würde widmen können. Andererseits wollte ich mir nicht heute Abend den Kopf darüber zerbrechen, was ich hätte anders machen sollen."

"Es war einfach ein unglaubliches Jahr. Ich kann gar nicht glauben, wie fantastisch das alles gelaufen ist. Als ich zu Beginn des vergangenen Jahres zu diesem Team wechselte, waren viele Leute der Meinung, ich hätte eine Fehlentscheidung getroffen. Jetzt die Fortschritte zu sehen, die wir im vergangenen Jahr und dann nochmal in diesem Jahr geschafft haben, ist einfach unglaublich. Die Unterstützung meiner Fans war phänomenal. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass so viele Leute hinter mir stehen. Wie ich schon direkt nach dem Rennen gesagt habe: Das ist der größte Moment in meinem Leben. Es fühlt sich noch gar nicht real an. Es fühlt sich so an als würde ich das alles von außen betrachten - so, als wäre es gar nicht in Wirklichkeit passiert. Ich kann gar nicht genug Danke sagen."

Frage: "Prinz Harry hat dich via Boxenfunk als eine Legende bezeichnet. Was sagst du dazu? Und die zweite Frage: Welchen Einfluss hatte es, dass deine bessere Hälfte, dein Vater und deine Familie kurzfristig angereist sind, um dich zu unterstützen?"
Hamilton: "Anfang der Woche war ich nicht nervös. Als ich am Donnerstag ankam, konnte man glaube ich sehen, dass ich gut drauf war. Ich war entspannt. Das Training lief gut. Im Qualifying war es dann etwas schwieriger und der Druck begann zu steigen. Gestern Abend ging ich an den Strand und schrieb SMS mit meinem Vater. Ich schrieb ihm 'Leute, ich würde es gerne sehen, wenn ihr hier wärt. Ich möchte aber, dass ihr wisst, dass ich nicht beim Abendessen rumsitze oder sonst etwas tue. Ich bin hier, um euch stolz zu machen.' Heute Morgen stand er plötzlich vor mir. Er muss wohl schon am Flughafen gewesen sein, als wir uns SMS schrieben."

"Heute Morgen war ich so fokussiert, dass ich gar nicht schockiert war, als sie plötzlich alle da waren, um mich zu überraschen. Ich habe es zur Kenntnis genommen, weiß aber natürlich ganz genau, dass es meine Eltern waren, die mich zum Rennsport gebracht haben. Sie waren es, die große Opfer auf sich genommen haben, um mich dahin zu bringen, wo ich heute bin. Nur dank ihnen bin ich heute der, der ich bin. Deshalb fühlte es sich nicht richtig an, ohne sie hier zu sein. Sie haben jedes Recht, diesen Moment hier mit mir zu genießen. Ich bin einfach dankbar, dass die gekommen sind. Meine Mutter ist zu Hause. Auch sie wollte kommen. Ich habe eine große Familie und kann natürlich nicht jeden zufriedenstellen. Ich bin mir aber sicher, dass sie mich nächstes Jahr bei vielen Rennen besuchen wird."

Spa-Francorchamps der Tiefpunkt der Saison

Frage: "Welches war für dich das beste Rennen und das beste Duell in dieser Saison und was war für dich die schlimmste Phase in diesem Titelkampf?"
Hamilton: "Zunächst einmal muss ich diesen Jungs (den Zweit- und Drittplatzierten Felipe Massa und Valtteri Bottas; Anm. d. Red.) ein großes Kompliment machen. Sie haben über die gesamte Saison hinweg eine unglaubliche Leistung vollbracht. Als ich aufwuchs, fuhr Williams an der Spitze. Dieses Team jetzt wieder vorn mitfahren zu sehen, ist fantastisch. Ich freue mich sehr für Frank und das Team und kann es kaum erwarten, auch in Zukunft gegen sie zu kämpfen. Ganz besonders freut es mich für Felipe. Dass er nach unser großartigen Vergangenheit (Titelkampf 2008; Anm. d. Red.) jetzt wieder hier neben mir sitzt und immer noch kämpft wie eh und je, ist einfach fantastisch."

"Zu den Höhepunkten und Tiefpunkten dieses Jahres: Spa war ganz klar der Tiefpunkt. Das heute hier ist mit großem Abstand der Höhepunkt. Ich habe schon vor Beginn dieses Wochenendes gesagt, dass ich die Saison rückblickend nicht anders hätte haben wollen, denn ich habe viel gelernt. Ich bin gestärkt aus den Höhen und Tiefen hervorgegangen. Die doppelten Punkte beim letzten Rennen... Meine Güte, war das wirklich eine gute Idee? Zu Beginn des Wochenende hatte ich nicht das Gefühl, dass es eine gute Idee wäre, aber ich nehme die Punkte durchaus mit..."

Frage: "Was hast du einen Fans nach diesem Sieg, nach diesem WM-Titel mitzuteilen?"
Hamilton: "Ich sage es immer wieder: Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. An diesem Wochenende hatte mein Kumpel, der meine Website betreut, die Idee, eine Collage verschiedener Videoclips mit Nachrichten von Leuten aus aller Welt zusammenzustellen. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Als ich das Ergebnis sah, passierte etwas in meinem Herzen. Ich kann es gar nicht richtig erklären. Es ist die Liebe und die positive Energie, die mir von meinen Fans entgegengebracht wird, es ist die Unterstützung durch dick und dünn, die mir geholfen hat, die schwierigen Momente zu meistern. Das alles macht es jetzt umso spezieller. Als ich die Fans heute mit ihren Flaggen und Kappen gesehen habe, hatte ich das Gefühl, alles schaffen zu können. Daher gilt ihnen ein großes Dankeschön."

Frage: "Gestern hast du gesagt, dass du dir selbst verglichen mit dem Tag vor dem Saisonfinale 2008 viel vernünftiger vorkamst. Wie lassen sich die Gefühle mit jenen von vor sechs Jahren vergleichen und warum ist dieser Moment heute der größte in deinem Leben oder in deiner Karriere?"
Hamilton: "Nun, 2007 war eine sehr schlechte Erfahrung. Die Weltmeisterschaft zu verlieren, ließ mich in ein Loch fallen, das ich nicht kontrollieren konnte. 2008 kam ich zurück und kämpfte erneut um den Titel. Felipe gewann das Rennen und für ein paar Sekunden auch den WM-Titel. In der letzten Kurve drehte sich das Ganze zu meinen Gunsten. Ich hatte den Titel also verloren, gewonnen, verloren, gewonnen. Das war natürlich eine tolle Erfahrung, aber die Gefühle gingen mit mir durch. Heute weiß ich: Ich ging damals nicht so an das Rennen heran wie heute."

"Heute war alles ganz anders. Normalerweise gehst du mit Schmetterlingen im Bauch, mit einer gewissen Nervosität ins Rennen. Heute war ich ganz ruhig. Das war schon ein bisschen seltsam. Ich wusste nicht, ist das jetzt gut oder schlecht? Rückblickend war es sehr gut. Gestern Abend dazusitzen und zu denken 'Meine Güte, morgen ist der Tag. Im Rennen kann etwas mit dem Auto passieren und dann wäre der Titel weg.' Ich dachte irgendwie an alles Negative, was möglich war und versuchte gleichzeitig, das Ganze in etwas Positives zu verwandeln. Das ist mir heute gelungen. Ich glaube wirklich, dass mir diese Erfahrung heute geholfen hat. Ich habe auf das Auto geachtet und mich in eine Position gekämpft, die mir den WM-Titel bringen würde. Dass dann Nicos Auto nicht einwandfrei funktionierte, hat mir natürlich geholfen. Mir war klar, dass ich mit Felipe kämpfen könnte, wenn Nico aus den Punkterängen herausfällt. Das war ein erfüllendes Gefühl."

Hohe Meinung von Nico Rosberg

Frage: "Vor diesem Wochenende wurde viel über dein persönliches Verhältnis zu Nico Rosberg gesprochen. Jetzt, da alles entschieden ist: Wie geht es in dieser Hinsicht weiter?"
Hamilton: "Zwischen uns ging es über die gesamte Saison gesehen sehr intensiv zu. Es gab gute und schlechte Momente. Eines steht fest: Wir pflegen eine Freundschaft oder eine Verbindung, die wir vor langer, langer Zeit aufgebaut haben. Diese wird immer bleiben. Er war in diesem Jahr ein richtig harter Gegner und hat eine außergewöhnliche Leistung abgeliefert. Er wird auch in Zukunft noch lange schnell sein. Ich muss mich im nächsten Jahr im Qualifying steigern. Heute hätte es für jeden von uns beiden klappen können. Natürlich wollten wir beide den Titel. Ich glaube, dank unserer persönlichen Verbindung werden wir das Team auch in Zukunft voranbringen. Wir werden weiterhin zusammenarbeiten - so, wie wir es das gesamte Jahr über getan haben. Vermutlich werden sich die Dinge jetzt auf ganz natürliche Art und Weise etwas entspannen. Er hatte die Größe, sofort nach dem Rennen zu mir zu kommen. Das rechne ich ihm hoch an. Das war mit Sicherheit nicht einfach für ihn. Ich weiß, was es bedeutet, eine Weltmeisterschaft zu verlieren."

"Wir werden mit Sicherheit weiter daran arbeiten. Es ist nicht so, dass wir ein schreckliches Verhältnis zueinander hätten. Wir haben die ganze Saison über hart gegeneinander gekämpft. Wie schon gesagt, es gab gute wie schlechte Momente. Ich glaube aber, wir haben immer professionell zusammengearbeitet, um das Team voranzubringen. Das Team hat kein Problem damit. Ich glaube, wir geben das Maximum für das Team."

Frage: "Kannst du uns den Wendepunkt Spa-Francorchamps etwas näher beschreiben? Was genau ist passiert, dass du auf einmal Sieg nach Sieg eingefahren hast. War das unterm Strich der Hauptgrund, weshalb du heute als Weltmeister feierst?"
Hamilton: "Nun, Spa der Tiefpunkt. Es war ein äußerst schwieriges Szenario. Vor ein paar Jahren hätte ich dieser Situation nicht so reagiert wie ich es in diesem Jahr getan habe. Ich hätte mich für einen anderen Weg entschieden, aber dieser hätte mir nichts gebracht. Man lernt einfach dazu. Wie ich schon gesagt habe: Mit einer neuen Perspektive auf das Leben gehe ich die Dinge heute anders an."

"Nach Spa habe ich tagelang nachgedacht und meine Konzentration auf etwas anderes gerichtet. Ich bin mit einer etwas anderen Einstellung in die folgenden Rennen gegangen. Ich werde nicht im Detail erklären, was ich getan habe, denn das werde ich auch im nächsten Jahr brauchen. Nur soviel: Ich habe meine Einstellung das gesamte Wochenende betreffend ein wenig verändert. So sind mir die Siege gelungen. Ich habe aber noch immer Luft nach oben. Meine Qualifyings in dieser Saison waren gut, hätten aber besser sein können. Wenn es mir gelingt, meine Qualifyings in den Griff zu kriegen, dann wird es viel einfacher. Mein Renntempo ist sehr gut."

"Innerhalb des Teams hat sich meiner Meinung nach nichts verändert. Das Team war einfach unglaublich, obwohl es für die Leute sicher nicht einfach war. Sie hätten sich uns beide als Weltmeister gewünscht und mussten stets die Balance wahren. Unterm Strich hat das Team eine außergewöhnlich gute Leistung vollbracht. Es ist einfach eine tolle Truppe. In diesem Team gibt es viel Liebe, viel Leidenschaft. Es ist eine Ehre, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten."

Der Beginn der Ära Lewis Hamilton?

Frage: "Jetzt, da du mit Mercedes den WM-Titel gewonnen hast: Wie stehen die Chancen auf eine Vertragsverlängerung über die Saison 2015 hinaus? Oder siehst du dich nach einer anderen Herausforderung um?"
Hamilton: "Ich habe ganz sicher nicht das Gefühl, mich nach einer neuen Herausforderung umzusehen. Wie ich schon damals, als ich zu diesem Team wechselte, gesagt habe: Ich will Teil eines wachsenden Projekts sein. Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir erst am Anfang stehen. Mein Vertrag läuft noch ein weiteres Jahr. Es gibt also keine Eile, aber hier ist mein Zuhause. Ich fühle mich in diesem Team sehr wohl. Es liegt auf der Hand, dass das Team eine herausragende Leistung vollbracht hat. Dafür bin ich unendlich dankbar."

Frage: "Du bist jetzt genau wie Jackie Stewart, Jim Clark und Graham Hill ein mehrmaliger Weltmeister aus Großbritannien. Du fährst in einem fantastischen Team und bist in Topform. Was glaubst du, wohin das noch führen kann? Glaubst du, dass wir gerade den Beginn einer Lewis-Hamilton-Ära erleben?"
Hamilton: "Ich weiß nicht. Was das Team geleistet hat, ist wirklich etwas ganz Besonderes. Wir haben großartige Leute auf den richtigen Positionen sitzen und Nico und ich, wir werden das Team weiterhin antreiben. Genauso werden es die Chefs von Mercedes tun. Sie haben immer daran geglaubt. Die Belegschaft war fest entschlossen, den besten Motor zu bauen. Diese Jungs wissen genau wie ich, dass es ein phänomenales Jahr war. Jetzt wird es darauf ankommen, die richtigen Schritte zu machen, um uns weiter zu steigern. Ich glaube zu 100 Prozent, dass dem Team das gelingen wird. Natürlich mag ich es, gegen andere Fahrer zu kämpfen. Hoffentlich können wir noch eine ganze Zeit lang vorn mitkämpfen. Ich glaube fest daran."

Dank an Ross Brawn zum Geburtstag

Frage: "Du hast kürzlich über die Rolle gesprochen, die Ross Brawn im Zusammenhang mit deinem Wechsel zu Mercedes gespielt hat. Er hat ja heute einen nicht ganz unbedeutenden Geburtstag. Was möchtest du ihm mitteilen?"
Hamilton: "Ich bedanke mich bei Ross, bei Norbert Haug, bei Niki, bei Dieter (Zetsche; Anm. d. Red., bei allen Vorstandsmitgliedern dafür, dass sie an mich geglaubt haben. Ganz besonders, als ich in der Formel 1 anfing. Ich unterschrieb bei McLaren. Ron und Norbert gaben damals ihr Einverständnis, sodass ich das Cockpit bekommen konnte. Was den Wechsel zu Mercedes betrifft: Wie schon gesagt, war es Ross, der mich überzeugte. Er kam mit seinem Laptop vorbei und wir saßen bei einer Tasse Tee zusammen. Das kam mir vollkommen unwirklich vor, denn ich wusste natürlich anhand der Fernsehübertragungen aus den Jahren zuvor, welche Erfolge er errungen hatte."

"Ich dachte nur 'Oh mein Gott, er will mich verpflichten. Erst hatte er Michael (Schumacher; Anm. d. Red.) verpflichtet und jetzt will er, dass ich für ihn fahre.' Das war schon eine sehr seltsame Situation, aber ich bin ihm unendlich dankbar. Ich wünsche ihm alles, alles Gute zum Geburtstag. Er hat mich eingeladen, aber weil ich hier bin, kann ich natürlich jetzt nicht bei ihm sein. Ich werde ihn aber ganz sicher heute noch anrufen. Ich bin ihm außerordentlich dankbar dafür, dass er mich in diesem Team haben wollte. Auch danke ich all den anderen Leute für die Unterstützung in diesem Zusammenhang. Sie wollten gewinnen und ein Wechsel von mir in dieses Team hat da wohl perfekt gepasst. Ich denke, wir haben bewiesen, dass Ross Recht hatte."

Frage: "Du bist in Großbritannien gerade für die Auszeichnung 'Sportler des Jahres' nominiert worden. Glaubst du, dass du eine Chance hast, diesen Preis zu gewinnen?"
Hamilton: "Noch mehr hoffe ich, dass ich die Queen wiedersehen darf."

Fotoquelle: xpbimages.com

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