Raffaele Marciello testete erstmals für Ferrari und dachte an Jules Bianchi

Formel 1 2014

— 26.11.2014

Zweiter Testtag in Abu Dhabi beschließt das Formel-1-Jahr 2014

Raffaele Marciello denkt bei seinem ersten Ferrari-Test an Jules Bianchi - Marcus Ericsson "Testweltmeister" - Force India testet Info-Wing auf Überrollbügel



Mit dem zweiten Testtag auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi ist der Formel-1-Fahrbetrieb des Jahres 2014 am Mittwoch endgültig zu Ende gegangen. Elf Piloten verteilt auf zehn Teams gingen am letzten Testtag des Jahres auf die Strecke, wobei McLaren-Junior Stoffel Vandoorne wie schon am Vortag keine Rundenzeit setzen konnte. Der mit dem neuen Honda-Antrieb bestückte McLaren MP4-29H/1X1 streikte erneut.

Mercedes-Junior Pascal Wehrlein setzte mit einer kurz vor Toresschluss in den Asphalt gebrannten Runde von 1:42.624 Minuten nicht nur die Tages-, sondern auch die Testbestzeit . Zweitschnellster war am Mittwoch Ferrari-Junior Raffaele Marciello. Der 19-jährige Italiener, seines Zeichens Formel-3-Europameister 2013 und in der abgelaufenen Saison in der GP2-Serie unterwegs, drehte am Steuer des F14 T seine ersten Formel-1-Runden.

Für die Scuderia aus Maranello führte Marciello Aero-Tests durch und setzte zudem die Vergleichsfahrten der 2014er- und 2015er-Pirelli-Reifen fort, die Stammfahrer Kimi Räikkönen am Dienstag begonnen hatte. "Heute ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Für einen Italiener ist es natürlich mit großen Emotionen verbunden, wenn er in einen Ferrari steigen darf", schwärmt Marciello und berichtet: "Man kann den Unterschied zum GP2-Auto wirklich spüren, sowohl in Bezug auf die Motorleistung als auch in Bezug auf die Bremswirkung."

Marciello beim ersten Ferrari-Test in Gedanken bei Bianchi

Während sich der 19-jährige Ferrari-Nachwuchspilot auf seinen ersten Runden mit dem Handling des F14 T vertraut machte, musste er an den ebenfalls zum Ferrari-Kader gehörenden Jules Bianchi denken, der mehr als acht Wochen nach seinem schweren Suzuka-Unfall weiterhin bewusstlos ist.

"Es war unmöglich, nicht an Jules zu denken. Wir wurden gleichzeitig in die Ferrari-Driver-Academy aufgenommen. Jetzt bin ich hier. Das ist teilweise darauf zurückzuführen, weil er nicht hier sein kann. Jules hat mich gelehrt, immer ans Limit zu gehen und genau das habe ich heute versucht, für ihn zu tun."

Hinter Marciello reihte sich Max Verstappen auf Rang drei der Tageswertung ein. Der Niederländer war beim zweitägigen Test Einzelkämpfer in Diensten von Toro Rosso, um sich so bestmöglich auf seine Einsätze als Stammfahrer im kommenden Jahr vorzubereiten. Nachdem Verstappen am Dienstag aufgrund eines Abflugs 55 Runden drehen konnte, schaffte er am Mittwoch immerhin deren 78. Ganz problemlos verlief aber auch der letzte Testtag nicht.

"Am Vormittag lief es sehr gut. Ich konnte viele Runden drehen und dabei einige neue Teile testen. Ich habe es sehr genossen, mal vier Stunden am Stück im Auto zu sitzen. Leider hatten wir am Nachmittag ein Problem mit der Antriebseinheit", berichtet Verstappen. Nach einer Zwangspause von drei Stunden zwecks Reparatur war am Schluss nur noch eine kurze Ausfahrt möglich.

Bei Toro Rosso ist man mit der Vorstellung des 19-Jährigen zufrieden. "Er hat sich im Verlauf der beiden Tage strikt an sein Lernprogramm gehalten und im Zuge von Short- sowie Longruns viel gelernt, vor allem hinsichtlich der Reifen", bemerkt Chefingenieur Phil Charles. Der Abflug am Dienstag war kein Fehler Verstappens, sondern einem Aufhängungsschaden geschuldet.

Sauber-Neuzugang Ericsson dreht die meisten Runden

Als Sieger in der Distanzwertung des zweitägigen Tests geht Marcus Ericsson hervor. Der Neuzugang beim Sauber-Team drehte am Dienstag 95 Runden mit dem C33 und legte am Mittwoch noch einmal nach: Mit 112 Umläufen schraubte der Schwede sein eigenes Rundenkonto und das von Sauber auf 207. Als Team drehte nur Mercedes (210 Runden dank Stammfahrer Nico Rosberg und Nachwuchspilot Wehrlein) mehr Runden .

Während sich Sauber und Mercedes mehr als 200 Runden gutschreiben ließen, brachte es Force India nur auf 126 Umläufe. Die technischen Probleme beim Formel-1-Debüt von Jolyon Palmer am Dienstag waren der Grund. Am Mittwoch war es Spike Goddard, der seine ersten Formel-1-Runden drehte. Nach 89 Umläufen wurde der 22-jährige Australier sowohl in puncto Laufleistung als auch in puncto Rundenzeit knapp vor seinem Landsmann Daniel Ricciardo geführt. Der Red-Bull-Stammfahrer wurde allerdings von einem Defekt gestoppt.

Indes ist Goddard mit seinem Auftritt zufrieden: "Der VJM07 ist verglichen mit meinem Formel-3-Auto ein ganz anderes Kaliber. Die Leistung und der Abtrieb dieser Autos sind in ganz anderen Bereichen angesiedelt. Anfangs war ich regelrecht schockiert, gewöhnte mich dann aber recht schnell daran. Mit meiner Arbeit bin ich ganz zufrieden." Nach Aero-Tests am Vormittag wurde Goddard im Verlauf des Tages unter anderem damit betraut, im Namen der FIA den neuen Info-Wing über dem Überrollbügel zu testen. Ob die Idee von Weltmeister-Vater Anthony Hamilton künftig auch im Rennen eingesetzt wird, ist offen.

Bei Caterham kam erneut Will Stevens zum Einsatz. Der Brite schraubte sein Rundenpensum auf 178 nach oben und ist damit hinter Ericsson der fleißigste Fahrer der letzten Testwoche des Jahres. "Es war ein weiterer guter Tag", lautet dementsprechend Stevens' Urteil. "Am Schluss konzentrierten wir uns auf Performance-Runs. Dabei ist mir eine wirklich gute Rundenzeit gelungen", so der Caterham-Pilot mit Blick auf seine persönliche Testbestzeit von 1:44.888 Minuten - genug für Platz fünf in der Tageswertung.

Caterham beendet die Saison mit einem Lächeln

Stevens' Versuch, die eigene Bestzeit noch einmal zu toppen, scheiterte an einem "kleinen Defekt", wie Caterham, ohne ins Detail zu gehen, beschreibt. "Jetzt bin ich gespannt, was die Zukunft bringt", sagt Stevens und hat rückblickend nur einen Wunsch: Die am Dienstag und Mittwoch gesammelten Erfahrungen bereits vor seinem Grand-Prix-Debüt am vergangenen Wochenende gehabt zu haben. Das Caterham-Team dankt nach dem letzten Testtag des Jahres noch einmal den Fans, die mit ihren Spenden im Zuge der Crowdfunding-Kampagne die Reise zum Saisonfinale und den abschließenden Testfahrten überhaupt erst möglich gemacht haben: "Dank der Fans beenden wir die Saison mit einem Lächeln auf dem Gesicht."

Hatte sich Williams am Dienstag mit Valtteri Bottas noch die Tagesbestzeit gutschreiben lassen, taucht das britische Traditionsteam in der Zeitenliste des abschließenden Testtages nur an achter Stelle vor den beiden Lotus-Piloten auf. Am Steuer des FW36 saß am Mittwoch nicht Bottas, sondern Testfahrer Felipe Nasr, der in der Saison 2015 bei Sauber Teamkollege von Ericsson sein wird. Nach 83 Runden und 3,3 Sekunden Rückstand äußert sich der Brasilianer dennoch zufrieden, schließlich lag der Fokus nicht auf Rundenzeiten: "Uns ging es an diesem letzten Tag des Jahres um Longruns mit den 2015er-Reifen. Mit diesen haben wir fast eine komplette Renndistanz abgespult und dabei viel gelernt."

Fotoquelle: xpbimages.com

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