Der Unfall von Jules Bianchi wurde von einer Kommission genau untersucht

Formel 1 2014

— 03.12.2014

Unfallanalyse: Bianchi zu schnell, Marussia-System fehlerhaft

Die Untersuchungskommission zum Bianchi-Unfall hat ihren Bericht vorgelegt: Fahrer hat nicht ausreichend verlangsamt - Neue Sicherheitsmaßnahmen, neue Lizenzregeln



Im Rahmen der Sitzung des Motorsport-Weltrates der FIA in Doha (Katar) hat die Untersuchungskommission ihren Bericht zum Unfall von Jules Bianchi in Suzuka vorgelegt. Das zehnköpfige Gremium unter Vorsitz von Peter Wright, dem unter anderem auch Ross Brawn, Stefano Domenicali und Alexander Wurz angehörten, stellte in einem insgesamt 396 Seiten umfassenden Report unter anderem fest, dass "Bianchi nicht ausreichend verlangsamte", um einen Abflug an gleicher Stelle wie zuvor Adrian Sutil zu vermeiden.

"Wenn Fahrer die Vorgaben bei doppelten gelben Flaggen erfüllen, dann dürften weder Fahrer noch Offizielle einer körperlichen Gefahr ausgesetzt sein", heißt es in dem Bericht. Aber nicht nur dem schwer verletzten Piloten wirft man ein Fehlverhalten vor, sondern auch dessen Team Marussia hat offenbar nicht alles richtig gemacht. Wie die Kommission festgestellt hat, ist ein Sicherheitssystem im Fahrzeug nicht funktionstüchtig gewesen.

Das sogenannte "Fail-Safe-System", das elektronisch den Schub abregeln soll, wenn ein Pilot gleichzeitig auf Gas- und Bremspedal tritt, arbeitete offenbar in Bianchis Fahrzeug nicht ordnungsgemäß. Eine Besonderheit im Brake-by-Wire-System von Marussia habe dafür gesorgt, dass dieses Notfallprogramm nicht habe entsprechend arbeiten können, heißt es. Bianchi sei in jenem Moment womöglich davon überrascht worden und habe bei blockierten Vorderrädern eine Kollision mit einem Bergungsfahrzeug nicht verhindern können.

Die Kommission stellt in ihrem Bericht unter anderem auch dar, dass die Bergungskräfte vor Ort keinerlei Fehler beim Abtransport des vorher verunfallten Sauber von Adrian Sutil gemacht haben. Außerdem stellten die Fachleute fest, dass selbst ein geschlossenes Cockpit keine ausreichende Sicherheit hätte bieten können. Wenn ein 700 Kilogramm schweres Rennauto mit 126 km/h auf einen 6,5 Tonnen schweren Kran stoße, gebe es keine ausreichend feste Struktur, die einem solchen Aufprall trotzen könnte.

Die Unfallkommission stellte in ihrem Bericht sieben Punkte zur Verbesserung der Sicherheit dar, die laut Beschluss des Weltrates möglichst alle zeitnah umgesetzt werden sollen. Unter doppelten gelben Flaggen soll bald ein Tempolimit gelten, die Notfall-Software der Formel-1-Fahrzeuge soll überarbeitet werden, die Strecken bessere Drainagen erhalten und alle Rennen spätestens vier Stunden vor dem Einsetzen der Dämmerung gestartet werden - mit Ausnahme der expliziten Nachtrennen.

Gemeinsam mit Reifenlieferant Pirelli will man an einer Verbesserung der Regenreifen arbeiten, außerdem gelten ab 2016 neue Regeln für die Erteilung der Superlizenz - also dem "Formel-1-Führerschein". Das Mindestalter zur Erteilung der erforderlichen Lizenz beträgt ab sofort 18 Jahre. Alle Piloten müssen nicht nur 300 Kilometer in einem Formel-1-Fahrzeug abgespult haben, sondern auch mindestens zwei Jahre in einer unteren Formelsport-Kategorie an Erfahrung und entsprechende Erfolge mitbringen. Und: Ein Formel-1-Pilot muss künftig einen ganz normalen Führerschein vorweisen können.

Fotoquelle: xpbimages.com

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