Sebastian Vettel in Gerhard Bergers Ferrari von 1988: ein historischer Tag

Formel 1 2015

— 08.06.2015

"Hammer": Der Tag, an dem Vettel zum ersten Mal Ferrari fuhr

Es war im Frühling nur eine Showfahrt mit dem historischen Ferrari F1 87/88c aus dem Jahr 1988, doch sie zeigte, welche Leidenschaft hinter der Verbindung steckt



Bereits im Frühling 2014 saß Sebastian Vettel erstmals in einem Ferrari - nahezu inkognito am Red-Bull-Ring in Spielberg. Für die Kiebitze in war es ein verstörendes Bild: Der viermalige Weltmeister, der fast seine gesamte Formel-1-Karriere in blauen Autos verbracht hatte, zuerst bei Toro Rosso, dann bei Red Bull, rollte in einem roten Boliden aus Box Nummer zehn. Eindeutig: Ein Helm mit Red-Bull-Logo lugte aus dem Ferrari mit Startnummer 28, die Schultern des Overalls leuchteten in Blau.

Das war Vettel, kein Zweifel. Und zwar in genau jenem Boliden, mit dem Gerhard Berger die Turbo-Ära der Königsklasse in den Achtzigerjahren mitprägte Das Auto: Der Ferrari F1 87/88c aus dem Jahr 1988, mit dem der Österreicher nur einen Monat nach dem Tod des Firmengründers Enzo Ferrari ausgerechnet den Großen Preis von Italien in Monza gewonnen hatte. Es war das einzige, das die überlegenen McLaren-Honda in diesem Jahr schlagen konnte. 16 Starts, 15 Siege: Nie war ein Gegner härter zu knacken gewesen.

Dieses Auto, dieser Fahrer haben es geschafft und wurden für die Tifosi dadurch unsterblich. Seinen Vorgängern in der Formel 1 zollte Vettel stets Respekt. Alte Strecken, alte Technik, die Geschichten von einst konnten ihn immer schon begeistern. Spielberg, der alte Österreichring, das ist nichts, was man einem wie ihm erklären müsste. Aber war das eine wirklich so wilde Strecke, auf der man Mut brauchte, Mut und noch einmal Mut? Berger, seit 1979 unzählige Rennen hier gefahren, gibt Anschauungsunterricht.

Keine Computer, dafür Fahrspaß pur

Die lange Schönberg-Gerade, leicht bergab führend, sei früher nicht nur viel länger gewesen, sondern vor allem welliger: "Wir sind schon mit den damaligen Autos hier 350, 360 km/h gefahren. Die Schönberg-Gerade war der schnellste Teil im Formel-1-Kalender. Für mich war das das Highlight." Oder die Anfahrt zur bergab führenden Rindt-Kurve: "Die Auslaufzonen gab es damals nicht. Du musstest das Auto zentimetergenau an den Leitschienen balancieren und dann einlenken."

Das nötigt selbst dem viermaligen Weltmeister Respekt ab. Mit Rennautos, wie er sie sein Leben lang kennt, hat der Berger-Ferrari nichts zu tun: Ungewohnte Sitzposition, nicht so embryonal wie in seinem aktuellen Auto, sondern nahezu luftig. "Plötzlich sehe ich die Berge da oben", sagt er. Enge nur im Fußraum, hier drängen sich drei Pedale statt der gewohnten zwei. Knapp geht's auch auf der rechten Cockpit-Seite zu: Manuelles Sechsgang-Getriebe in H-Layout, ein Leerlauf zum Suchen und ein Retourgang zum Verkühlen. Noch beim Ausprobieren in der Box hatten sich die Gänge fünf und sechs erfolgreich versteckt.

Vettel genießt wilden Ritt im fast "gleichaltrigen" Ferrari. Der Ferrari-V6 hat so viel Power wie heutige Autos, fährt sich aber ganz anders: Weniger aerodynamisch, dank der breiten Reifen aber mehr mechanischer Grip. Keine Elektronik, keine Computer, keine Fahrhilfen. Hintern, Arme und Beine als einzige Mittel für Kontrolle und Korrektur. Statt eines Displays und 30 Schaltern ziert das Lenkrad das emaillierte, springende Pferd aus Maranello. Die Ferrari-Mechaniker, die den Motor anwerfen, haben schon 1988 an diesem Auto gearbeitet.

"Ein bissl scheißt du dich schon an"

25 Jahre lang ist es im Museum gestanden, danach wurde es gründlich restauriert. Dieser Frühlingstag in Spielberg ist die erste Ausfahrt des legendären Siegerwagens von Monza. Normalsterbliche würden es in einem Turbo-Ferrari der 1980er-Jahre wohl nicht einmal aus der Box hinaus auf die Boxengasse schaffen. Bei Vettel hingegen sitzt das auf Anhieb, genau wie der Rest der schnellen Runden. Es ist, als ob er in einem Ferrari F1 87c geboren worden wäre, damals am 3. Juli 1987.

Keine Spur von Unsicherheit, kein unsauberes Schaltmanöver, schon gar kein Dreher, nichts. Als er den Ferrari F1 87/88c nach ein paar sehr flotten Runden wieder in der Box abstellt, zeigt er sich ehrlich begeistert: "Hammer! Das war richtig gut! Ich wäre gern noch weitergefahren. Da würde man sich wünschen, in der Zeit zurückzugehen und in der damaligen Zeit mitzufahren. Ein bissl scheißt du dich schon an, ehrlich gesagt. Macht aber Riesenspaß!"

Fotoquelle: Red Bull

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