Formel 1

Pakt gegen Ferrari Pakt gegen Ferrari

Formel 1

— 12.09.2002

Pakt gegen Ferrari

Die Formel-1-Rennställe BMW-Williams und McLaren-Mercedes vereinbaren eine Zusammenarbeit bei den Reifentests.

Porös wie eine alte Schaumstoffmatratze

Not und Hilflosigkeit bringen die aberwitzigsten Pläne hervor. BMW und Mercedes, jahrelang darauf bedacht, mit ihren Luxusmodellen ein eigenes Image zu pflegen, wollen in der Formel 1 künftig kooperieren. Ihren britischen Partnern Williams und McLaren kam die fixe Idee, Daten für die Reifenentwicklung untereinander auszutauschen und abzugleichen.

"Wir müssen einfach alles versuchen, um die Lücke zu Ferrari zu schließen", sagt Martin Whitmarsh, Geschäftsführer von McLaren. Der Ansatz ist naheliegend. Beide Teams werden vom französischen Hersteller Michelin beliefert. Bisher erwiesen sich die Pneus aus Clermont-Ferrand als der entscheidende Wettbewerbsnachteil – fatal in einer Branche, in der das Leistungspotential der drei übrigen Erfolgsfaktoren Motor, Chassis, Fahrer bei den Topteams "gegen 100 Prozent" tendiert, wie BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen beobachtet hat.

Mal fehlt die Haftung, mal wirft das Gummi Blasen, dann wieder wird die Kautschuk-Mischung porös wie eine alte Schaumstoffmatratze. Und auf feuchtem Asphalt, schlittern die Michelin-Kunden hoffnungslos hinterher. Die Intermediate-Reifen, klagt Theissen-Kollege Gerhard Berger, "sind quasi nicht existent".

"Wir werden nicht alle Daten offen legen"

Mit dem Wechsel von McLaren zu Michelin 2002 konnten die Franzosen den unterschiedlichen Anforderungen ans Material nie genügen. So bringen die Silberpfeile weniger Gewicht auf die Räder als die BMW-Williams. Ein Manko, das schnell behoben werden soll. McLaren-Manager Whitmarsh sagt: Williams und McLaren werden "Ansprüche aufeinander abstimmen". Künftig soll zum Beispiel ein McLaren-Testteam an den Mischungen für Monza tüfteln, während Williams-Techniker Reifensätze für Indianapolis erproben. Die Dateien werden von Woking (McLaren) nach Grove (Williams) überspielt und umgekehrt.

Die Bündelung der Ressourcen setze Vertrauen voraus. "Es ist auf allen Ebenen vorhanden", glaubt Whitmarsh. Den Sportsgeist sieht er trotz des Solidarpaktes nicht gefährdet. "Wir werden nicht alle Daten offen legen." Der Konkurrenzkampf sei unverändert groß. Die Theorie ist ein Kinderspiel, der Teufel steckt im Detail. Schwer vorstellbar, dass sich Frank Williams und Ron Dennis von ihren Kontrahenten über die Schulter schauen lassen.

Tatsächlich birgt die Liaison zwischen Williams (19 Fahrer und Konstrukteurstitel) und McLaren (16) so viel Sprengstoff, als würden die Revierrivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 sich regelmäßig zum Training treffen, um eine Strategie gegen den FC Bayern auszuhecken. "Die alten Füchse", winkt Ex-Weltmeister Jackie Stewart ab, "werden ihre stärksten Trümpfe nicht aus der Hand geben."

Erste Allianz schlug fehl. Klappt's jetzt?

Das freundschaftliche Verhältnis zwischen den traditionsreichen Rennställen ist Misstrauen gewichen. Es war der einstige Kfz-Mechaniker Dennis, der Frank Williams 1981 den ehemaligen TAG-Chef Mansour Ojjeh abgeworben hatte. Dennis erhob den Mäzen aus Saudi-Arabien zum 60-prozentigen Teilhaber der McLaren-Group. Dem kühlen Taktiker lag aber vor allem daran, die erfolgreiche Liaison zwischen Ojjeh und Williams zu zerschlagen, die im Titelgewinn 1981 gipfelte.

Neid soll auch die Triebfeder sieben Jahre später gewesen, als Dennis Williams den erfolgreichen Motorenlieferant Honda abspenstig machte. Zu verschieden sind ihre Auffassungen vom Geschäft. Für Williams müssen die Piloten "gut und billig" sein. Dennis verpflichtete stets die Besten: Lauda, Prost, Senna, Häkkinen. Vielleicht trauert McLaren auch nur einer verpassten Chance nach.

2001 verbündeten sich die Silberpfeile schon einmal – mit Bridgestone-Partner Ferrari gegen Formel-1-Rückkehrer Michelin und Williams. Damals luden die Italiener McLaren sogar zu Testfahrten nach Fiorano ein. McLaren lehnte ab.

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