Formel 1 in Bahrain

Ecclestone hält auch in der Wüste Hof

Formel 1

— 16.09.2002

Ecclestone hält auch in der Wüste Hof

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erweitert sein Weltreich. Ab 2004 soll die Formel 1 auch in Bahrain ihre Runden drehen.

"Das Machtgefüge wird sich ändern"

Die Bittsteller standen Schlange vor dem silber-grauen Bus mit den getönten Scheiben, und der kleine Mann mit der runden Brille gewährte Audienzen im Viertelstundentakt. Nacheinander öffneten sich für Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, Renault-Boss Patrick Faure und Teamchef Peter Sauber die Türen zischend wie im Raumschiff Enterprise.

Die Politik, die in Monza das Getöse um die Siegesserie von Michael Schumacher in den Hintergrund drängte, wird nach wie vor am Ende der Boxengasse gemacht. Teams und Hersteller haben sich konsolidiert und Pläne für eine neue Serie ab 2004 auf den Weg gebracht. Sie wollen mehr Profit als von der Geldmaschine Formel 1 abschöpfen. "Es wird sich schon in den nächsten Wochen das Machtgefüge ändern", glaubt Signore Montezemolo.

Dass Bernie Ecclestone (71) weiterhin die entscheidende Rolle spielt, bezweifelt keiner, höchstens der Brite selbst. "Ich weiß noch nicht, was aus mir wird." Understatement gehört zum Geschäft. Sein neuester Schachzug belegt, dass er nach mehr als 20 Jahren an der Spitze nicht gewillt ist, das Feld zu räumen. Die Vermarktungsagentur Slec, an der Ecclestones Frau Slavica 25 Prozent der Anteile hält, kaufte sich mit 6,5 Prozent ins Aktienpaket von Ferrari ein. Das Bare besorgte Lehman Brothers, eine der drei Banken, die seit dem Kirch-Konkurs die restlichen Slec-Anteile besitzen.

Spa droht ab 2003 das Aus

Er setzt auf das beste Pferd im Stall, sieht allerdings auch die Gefahr in Ferraris Überlegenheit. "Ich wünsche mir, dass die kommende Saison in der allerletzten Runde entschieden wird, aber ich habe das nicht in der Hand, auch wenn einige das Gegenteil behaupten." Die TV-Quoten sinken zwar, ein Ende des Booms sei aber nicht in Sicht. "Viele wollen an der Formel 1 partizipieren."

Kronprinz Salman bin Hamed Al Khalifa zum Beispiel. Auch er kletterte am Samstag in Ecclestones Bus – und mit einer millionenschweren Zusage wieder heraus. Ab 2004 dreht die Formel 1 in Bahrain ihre Runden. Laut Pressemitteilung hat der Scheich einen Vertrag bis 2010 abgeschlossen. Der Aachener Streckendesigner Hermann Tilke wird im Oktober mit dem Bau beginnen.

"Wir wollen eine Weltmeisterschaft, die den Namen verdient", so Ecclestone. Promoter drängen in Russland, der Türkei, Ägypten, China, Dubai, Libanon und Sri Lanka in die Formel 1. Um Traditionen und Vorlieben von Fans und Fahrern geht es lange nicht mehr. Spa droht ab 2003 das Aus wegen des Verbots der Tabakwerbung. Imola ist gefährdet wegen der schmalen Boxengasse, in der sich die durchgestylten Motorhomes quetschen. Der Standort Deutschland wird dagegen weiter blühen. Zumindest solange Primus Schumacher fährt, hält Ecclestone an zwei deutschen Rennen fest. Der bis 2004 datierte Vertrag mit der Nürburgring GmbH steht vor der Verlängerung, die Zusammenarbeit mit dem Hockenheimring ist bis 2008 besiegelt.

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