Formel 1

Ein unmoralisches Angebot Ein unmoralisches Angebot

Formel 1

— 17.09.2002

Ein unmoralisches Angebot

Ferrari soll Michael Schumacher 150 Millionen Euro geboten haben, falls er seinen Vertrag vorzeitig bis 2006 verlängert.

Spitzenverdiener des Weltsports

Selbst nach Doppelsieg Nummer sieben in dieser Saison für Ferrari, dem dritten in Serie, wollte sich die Routine nicht einstellen. "Ich bin es gewohnt, oben zu stehen, aber das, was ich diesmal gesehen habe, ist einmalig."

Michael Schumacher, Zweitplatzierter beim Großen Preis von Italien hinter seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello, genoss in Monza das Bad in der Menge der entzückten Fans. Dann schaute er die Sonntagspiele der Fußball-Bundesliga im Zelt von Promi-Wirt Karl-Heinz Zimmermann an, später wartete der Helikopter, um den Weltmeister mit Frau Corinna nach Hause ins schweizerische Vufflens zu fliegen.

Zurück ließ der Kerpener das Gerücht, demnächst zum Spitzenverdiener des Weltsports aufzusteigen. 150 Millionen Euro Gage will die Scuderia Ferrari angeblich hinblättern, wenn der Deutsche seinen bis 2004 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2006 verlängert. Das berichtete die italienische Tageszeitung "Tuttosport". Bisher kassiert Schumacher knapp 40 Millionen Euro pro Jahr.

Millionenschwere Liebeserklärung

Es liegt allein an Schumacher, der Versuchung zu widerstehen. "Ich habe Michael erklärt: Du allein wirst darüber entscheiden, wann du aufhörst. Wenn du nach 2004 weiterfahren willst, ist Ferrari dein Zuhause, und ich bin der glücklichste Mann der Welt", sagte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Eine millionenschwere Liebeserklärung – aber Schumacher und sein Manager Willi Weber halten sich noch zurück.

In einer Zeit, in der Ferraris Mutterkonzern Fiat rote Zahlen schreibt und Stellen streichen muss, scheint diese Offerte fast unmoralisch. Formel-1-Experte Hans-Joachim Stuck glaubt deshalb an eine Ente. "Alle müssen den Gürtel enger schnallen. Da wird es Ferrari kaum erklären können, plötzlich das Doppelte für den Spitzenfahrer locker zu machen." Mit seinem neuen Gehalt könnte Schumacher jeweils die Jahresetats der Rennställe Arrows und Minardi finanzieren. "Ein solches Angebot", sagt Ex-Fahrer Marc Surer, "wäre wirklich unglaublich."

Man weiß, dass Schumacher die kursierenden Summen eher peinlich sind, er finanziell unabhängig ist. Der Champion rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen Euro, das sich ungefähr je zur Hälfte aus Gehalt und Sponsorengeldern zusammensetzt, unter den Top Five der bestverdienenden Sportler. Zudem betont Schumacher stets: "Ich fahre Rennen aus Spaß und mache noch so lange weiter, bis ich keine Lust mehr habe."

Schumi und Ferrari – "eine perfekte Ehe"

Schumacher würde mit dem Millionenvertrag das Gehaltsgefüge in der Formel 1 noch einmal durcheinander wirbeln, vier Mal so viel verdienen wie der zweite Fahrer in der Formel-1-Geldrangliste, Jacques Villeneuve aus Kanada, mehr als das Sechsfache von Bruder Ralf. Und hundert Mal mehr als ein verantwortlicher Motorsportdirektor bei BMW.

Wo die Wertschätzung der Arbeit des leitendenden Angestellten eines deutschen Großunternehmens bleibt? "Wenn mir ein Fahrer die WM-Titel garantiert so wie Michael, dann kann man solche Summen investieren", sagt Gerhard Berger. Der Österreicher, als Fahrer bekannt für sein Verhandlungsgeschick, beruft sich auf den Grundsatz der sozialen Markwirtschaft: "Die Nachfrage bestimmt das Angebot."

Schumachers Reputation steht für die Ferrari-Macher außer Frage. "Er ist der Superfahrer seiner Generation. Rennen fahren ist zusammen mit der Familie sein Leben", sagte di Montezemolo. "Ich habe noch nie einen Fahrer erlebt, der so präzise, unglaublich schnell, konstant und souverän extrem schnelle Runden fahren kann. Michael steht sehr nahe zu Ferrari. Es ist eine perfekte Ehe."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.