Formel 1

Todt verurteilt neue Punktregelung

Formel 1

— 02.12.2002

Todt verurteilt neue Punktregelung

Ferrari-Rennleiter Jean Todt spricht im WELT-Interview über die neue Saison, die Krise in der Formel 1 und beim Mutterkonzern Fiat.

"Ich bin Teil des Fiat-Konzerns"

Jean Todt will seine Entscheidung, 2004 als Teamchef der Scuderia Ferrari zurückzutreten, noch einmal überdenken. "Man kann immer seine Meinung ändern. Vielleicht verlängere ich noch einmal", kündigte der Boss von Michael Schumacher in der "WELT am SONNTAG" an. Todt wird seinen Verbleib nicht vom deutschen Weltmeister abhängig machen, dessen Vertrag ebenfalls 2004 endet. "Wenn Michael aufhört, könnte ich noch die Position haben. Es wäre nur schwieriger. Er ist mein Flaggschiff, privat und im Beruf. Aber es kann passieren. Es wird für mich und für ihn hart werden, ohne den anderen weiterzumachen."

DIE WELT: Hat die Krise bei Fiat Auswirkungen auf Ihr Haus? Spüren Sie den Druck? Jean Todt: Ja, weil ich Teil des Fiat-Konzerns bin und an diesen Mythos glaube. Ich kann mich noch erinnern, als ich früher voll Bewunderung vor einem Lancia stand. Das war ein tolles Auto. Ferrari hat zwar mit der Krise nicht unmittelbar zu tun. Ich habe dennoch ein schlechtes Gefühl, weil es schlimme Konsequenzen für die Angestellten haben kann. Wir versuchen zu helfen, wo wir nur können.

Ist es angemessen, dass Ferrari einen dreistelligen Millionenbetrag in die Formel 1 steckt, während beim Mutterkonzern tausenden Angestellten die Arbeitslosigkeit droht? Wir geben nicht Geld aus, arbeiten völlig autark. Das Budget können wir uns nur dank unserer Sponsoren leisten.

"Reifenwechsler so wichtig wie Schumi"

Piloten haben heutzutage elektronische Fahrhilfen und eine vollautomatische Schaltung. Welche Rolle kommt dem Fahrer überhaupt noch zu? Immer noch eine entscheidende. Sonst könnte man ja auch einen Affen fahren lassen. Nachdem Jacques Villeneuve Weltmeister geworden ist (1997, d. R.), hatte er kein Rennen mehr gewonnen. Nicht weil er zu satt war. Er hatte kein gutes Auto mehr, zu dem ein Paket aus Motor, Chassis und Reifen gehört. Es gibt immer neue Herausforderungen für die Fahrer. Zum Beispiel die Traktionskontrolle, die wir entwickelt haben, zu beherrschen, das heißt, sie im richtigen Moment einzusetzen.

Sie können mittlerweile von der Box sogar die Motoreinstellungen verändern. Man muss lernen, sich blitzschnell auf neue Anforderungen einzustellen. Die Kriterien haben sich verschoben. Die Autos sind schneller geworden, erfordern heftigere Lenkbewegungen. Fahrgefühl braucht man immer noch.

Die Regelkommission der obersten Automobilbehörde Fia, in der auch Sie vertreten sind, hat sich alle Mühe gegeben, nächstes Jahr die Dominanz von Ferrari zu brechen. Was halten Sie von den Beschlüssen? Wir sehen das ganz emotionslos. Das Verbot der Teamorder kann ich nicht gutheißen. Für uns war immer das Team der Schlüssel zum Erfolg. Ich meine die ganze Mannschaft. Beim Boxenstopp ist der Mann, der die Reifen wechselt, genauso wichtig wie Michael Schumacher am Steuer. Auch die neue Punktregelung halte ich für problematisch, weil wir durch die Aufwertung des zweiten Platzes wieder in die Zeiten zurückversetzt werden, als Keke Rosberg mit nur einem gewonnen Rennen Weltmeister werden konnte. Das neue Qualifying am Freitag und Samstag ist gut für die Show.

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