Formel 1

Michelin - eine Reifenstärke vorn

Formel 1

— 01.07.2003

Michelin - eine Reifenstärke vorn

Im Kampf um die bessere Reifenmischung hängen die Franzosen den japanischen Ferrari-Lieferanten Bridgestone ab.

Dem Weltmeister fehlte es an Grip

Viel Aufhebens um ein bisschen schwarzen Gummi. "Die Reifen", sind sich Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug und Mario Theissen von BMW einig, "können die WM entscheiden." Bisher mischte Bridgestone den effektivsten Kautschuk-Cocktail, gingen die Japaner mit Ferrari eine harmonische Ehe ein. Der Konstrukteursweltmeister testete, Bridgestone entwickelte – erfolgreich und exklusiv. Michael Schumacher übermittelte seine Fahrberichte meist persönlich an die Reifenkünstler. Wenn überhaupt, dann hatte die Konkurrenz von Michelin nur auf heißen Pisten wie in Malaysia Vorteile.

Jetzt macht sich jedoch Kritik an den einst hochgelobten Pneus breit. Schon beim Start des Grand Prix von Europa verlor Schumacher einen Platz an seinen Bruder. Dem Weltmeister fehlte es an Grip, was auch an der ungünstigen Ausgangsposition auf der rechten, weniger benutzten Fahrbahnseite lag. "Ich bin alles andere als zufrieden", schäumte Bridgestone-Manager Hisao Suganuma. "Auf uns wartet in den Wochen noch viel Arbeit."

Grund für den Einbruch: Die Bridgestone-Ingenieure können nicht mehr mit derselben Hingabe wie 2002 tüfteln, Kapazitäten mussten abgezogen werden. Das zweitklassige BAR-Team meldete bei Bridgestone ebenfalls Ansprüche auf eine eigene, speziell abgestimmte Gummimixtur an. Der japanische Autobauer Honda, Partner von BAR, hat dem Vernehmen nach die Kontakte zu seinen Landsleuten spielen lassen.

Michelin stiehlt Bridgestone die Show

Michelin machte dafür einen Satz nach vorn – gerade wegen der Konkurrenzsituation. Michelin beliefert mit Williams und McLaren zwei Topteams und mit Renault einen weiteren starken Kunden. "Die Franzosen können auf viele Messergebnisse zurückgreifen und haben dadurch viel Input", sagt Theissen und glaubt an eine Trendwende. In den vergangenen drei Rennen stahlen die Franzosen, die seit 2001 wieder in der Formel 1 mitmischen, dem einstigen Monopolisten die Show – was Chef Pierre Dupasquier auf "unsere wachsende Erfahrung zurückführt".

Im Vorjahr schienen sich die Michelin-Männer noch bei so viel hochkarätiger Kundschaft zu verzetteln. "Es war nicht immer leicht", gibt Dupasquier zu, "alle unter einen Hut zu bekommen." Nutznießer der neuen Stärke ist vor allem BMW-Williams: 47 Punkte erzielte das Team seit dem Monaco-GP, hat nur 13 Zähler Rückstand auf Ferrari – und Bridgestone.

Michelin hantiert mit einem Budget im zweistelligen Millionen-Bereich, probiert regelmäßig vier verschiedene Reifenkonstruktionen und fünf unterschiedliche Mischungen aus, an die 30 bis 40 Wochen im Jahr. Bis zu 2000 Reifen karrt das Team aus Clermont-Ferrand an die Strecke. Bei Stückpreisen von 3000 Euro kann das ins Geld gehen, aber die Investition scheint Früchte zu tragen. Norbert Haug findet die Entwicklung bei Michelin "sensationell".

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