Formel 1

Wie lange hält Ferraris Regel-Blockade?

Formel 1

— 03.11.2004

Wie lange hält Ferraris Regel-Blockade?

Neun der zehn Formel-1-Teams einigten sich auf ein neues Sparkonzept. Die Roten sehen ihren Vorsprung bedroht.

Seit Jahren plant der Automobil-Weltverband FIA Kosteneinsparungen. Kaum legte er seine neuen Regeln für 2005 und 2006 vor, die Tempo und Ausgaben künftig beschneiden sollen, einigten sich die Teams auf einen – lange geforderten! – Alternativ-Vorschlag.

Jetzt sind sie bereit, während der Saison künftig nur noch zehn Wochen (statt wie 2004 in den Wochen nach jedem Rennen unbegrenzt) zu testen. Von den fast 50.000 Testkilometern pro Topteam seit Saisonstart (63.000 seit Jahresbeginn) entfallen rund 60 Prozent auf Reifenentwicklung. Ein Testkilometer wird mit 1500 Euro veranschlagt. Macht 75 Millionen Euro an Testkosten pro Topteam allein seit Mitte März. Die aktuelle Einigkeit kam vorrangig unter dem Druck des Ford-Rückzugs wegen der drohenden Pleite von Jaguar und des Überlebenskampfs der Hinterbänkler Jordan und Minardi zustande; und der drohenden Gefahr für die Werksteams, weitere Teamausstiege womöglich durch den Einsatz eigener, dritter Autos auffangen zu müssen. Also verständigte man sich darauf, künftig den Freitag vor jedem Rennen zu zwei je zweistündigen freien Trainings (Tests) zu nutzen.

Doch Ferrari zieht nicht mit. Die Italiener besitzen in Fiorano und Mugello eigene sowie in Imola und Vairano ebenfalls nahegelegene Rennbahnen (die Gegner reisen zumeist von England nach Spanien). "Wir haben vor langer Zeit darin gezielt investiert", sagt Teamchef Jean Todt und verschweigt, daß auch die Konkurrenz immer wieder kostspielige Entwicklungen durch Regeländerungen abschreiben mußte.

Ferrari fordert statt Einsparungen höhere Rückflüsse aus der Vermarktung (TV-Einnahmen etc.) für die Teams (80 Prozent statt bisher insgesamt 47) von F1-Chef Bernie Ecclestone. Doch gerade um das abzublocken, hat der alle anderen Teams gezielt auf ihren jüngsten Vorschlag eingeschworen. Und bekommt von ihnen im Gegenzug die Zusage, 19 statt 17 Rennen austragen zu dürfen, also auch die in Frankreich und Großbritannien (bisher nur provisorisch angesetzt).

Ferraris Technikchef Ross Brawn wollte sich fügen, doch Jean Todt hielt dagegen. Argument: Man dürfe die Interessen der Reifenhersteller nicht unterbewerten. Wenn Ferrari hart bleibt, wird es 2005 nichts mit der Testbeschränkung und 19 Rennen, sondern frühestens 2006. So ein Beschluß muß einstimmig fallen. Mit der Buhmann-Rolle kann Ferrari sicher besser leben als ohne seine Überlegenheit.

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