Ross Brawn schürte schon 2008 immer wieder Hoffnungen auf die neue Saison

Formel 1

— 14.02.2009

Der ultimative Honda-Countdown läuft

Die Honda-Mannschaft bekommt auf dem Weg in Richtung Melbourne viel Hilfe, doch die Zeit drängt: In zehn Tagen muss das Paket geschnürt sein

Nach vielen Wochen des Zitterns, der Spekulationen und Hoffnungen gab es endlich gute Nachrichten aus dem bisherigen Honda-Werksteam. Die Mannschaft um Geschäftsführer Nick Fry hat offenbar das Geld für mindestens die ersten vier Saisonrennen beisammen. Teamchef Ross Brawn forderte die Belegschaft bereits auf, sich für den Auftritt beim Saisonstart in Melbourne bereit zu halten. Wird nun also doch noch alles wieder gut?

Nach Angaben der britischen Zeitung 'The Guardian' drängt nun die Zeit. Innerhalb der nächsten zehn Tage will Motorenlieferant Mercedes offenbar deutliche Signale aus Brackley bekommen. Man will sich die solide Finanzierung des weiteren Betriebs garantieren lassen, außerdem sollen die Honda-Mitarbeiter angeblich darlegen, wie sie zumindest im Mittelfeld der Formel 1 fahren können. Alles andere wäre eventuell Negativwerbung für Mercedes.

Mercedes verlangt Garantien

Nach Angaben des 'Guardian' stellt Mercedes dem bisherigen Honda-Team die Aggregate für acht Millionen Euro jährlich zur Verfügung. "Wir haben im Interesse des Sports und aus Solidarität im Rahmen der Formula One Teams Association (FOTA) die größtmögliche Hilfe angeboten, um das Honda-Team irgendwie im Geschäft halten zu können", wurde der künftige McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh zitiert.

Angeblich will man keinerlei Mercedes-Schriftzug auf den Autos des Honda-Nachfolgeteams sehen. Die Mannschaft um Fry und Brawn muss also schnellstens eine solide Finanzierung vorweisen können. Die Honda-Werkszentrale will den weiteren Rennbetrieb 2009 offenbar mit rund 40 Millionen Euro unterstützen - was deutlich günstiger wäre, als den insgesamt rund 700 Mitarbeitern im Rennteam Abfindungen zahlen zu müssen.

Weitere über 20 Millionen Euro soll Bruno Senna als Pilot mit einbringen. Im Schlepptau des Brasilianers sollen die beiden Konzerne Petrobras und Embratel als Sponsoren andocken. Hinzu kommt eine Finanzspritze von Bernie Ecclestone. Der Formel-1-Boss hat höchstes Interesse daran, dass sein Motorsport-Zirkus auch 2009 mit mindestens 20 Fahrzeugen auftritt. Entsprechend stellte der Brite dem Team einen Vorschuss aus dem Vermarktungstopf in Aussicht.

Bringt Ecclestone privates Geld ein?

Ecclestone half kürzlich bereits Williams mit einem 15-Millionen-Vorschuss aus der Patsche. Sollte auch Honda so viel Geld bekommen, hätte Geschäftsführer Nick Fry ein Anfangsbudget in Höhe von rund 75 Millionen Euro sicher. Das sollte nicht nur für die ersten vier Saisonrennen in Australien, Malaysia, China und Bahrain reichen, sondern deutlich weiter.

"Wir haben mit ihnen gesprochen", gab Ecclestone in der 'Times' zu. "Was immer auch passieren mag: Wir wollen, dass dieses Formel-1-Team im Geschäft bleibt." Konkrete Zahlen aus seinem Hilfsangebot an Fry und Brawn wollte er jedoch nicht nennen. "Ich möchte das nicht kommentierten. Aber ich sage ganz klar, dass wir alles tun werden, damit wieder alles gut wird."

Die 'Times' vermutet gar, dass Ecclestone sich mit privatem Geld beim bisherigen Honda-Team einkaufen könnte und so als stiller Teilhaber für ein Überleben sorgt. Doch bei einem solchen Schachzug würde vermutlich die Europäische Kommission dem Formel-1-Boss kräftig auf die Finger klopfen. Die EU-Wettbewerbswächter achten peinlichst genau darauf, dass es zwischen sportlichen und kommerziellen Belangen keine direkte Verbindung gibt.

"Ich weiß nicht, ob eine solche direkte Beteiligung rechtlich möglich wäre", sagte Ecclestone, "wahrscheinlich wäre es wohl nicht möglich. Die Kommission würde es wohl verhindern, weil wir auch die kommerziellen Rechte halten. Also sollten wir kein Teil der sportlichen Show sein. Vielleicht aber könnte man das ganze über Kredite irgendwie regeln."

Welche Rolle spielt die Honda-Zentrale in Japan?

Fraglich ist immer noch, ob Honda sich bei einer tatsächlichen Finanzspritze in Höhe von 40 Millionen Euro ein Mitspracherecht einräumen ließe. "Hört doch auf, immer wieder von Honda zu sprechen", reagierte Ecclestone. "Das ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und sie besitzen das Rennteam, welches sie nun verkaufen möchten. So einfach ist das. Wir werden jetzt versuchen, ihnen auf diesem Weg zu helfen."

Sicherlich gilt es auf dem Honda-Weg in Richtung Melbourne noch einige Hürden, doch die Wahrscheinlichkeit einer Rennteilnahme ist deutlich gestiegen. "Ich war immer optimistisch", erklärte der Formel-1-Boss. "Auch wir sind optimistisch. Aber im Augenblick möchten wir noch nicht mehr dazu sagen", wurde eine Teamsprecherin in der Times zitiert.

Die Zeit drängt auch ohne die verlangten finanziellen Garantien seitens Mercedes. In genau 40 Tagen müssen die Formel-1-Teams zum ersten Freien Training in Australien antreten. Bereits Mitte März, im Anschluss an die Barcelona-Tests, werden die Boliden nach Melbourne geflogen. Nick Fry und Ross Brawn dürften bis dorthin viele Hausaufgaben zu erledigen haben. Ein erster Test des neuen Boliden der Honda-Nachfolgemannschaft findet wohl erst am 27. März im Albert Park statt.

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