BMW-Sauber Formel 1

BMW-Sauber: Bock auf Glock BMW-Sauber: Bock auf Glock

Formel 1 – BMW-Sauber

— 12.12.2006

Bock auf Glock

Zwei Monate später als geplant testete GP2-Pilot Timo Glock erstmals für BMW-Sauber. Aber nicht zu spät. Der Hesse kam schnell zurecht und gut an.

"Der Spaß", sagt Timo Glock ein bisschen wehmütig, "sitzt immer noch in meinem Hinterkopf." Er tippt sich an die Birne. Und grinst tatsächlich. Das Wesen des Hessen scheint abgrundtief positiv zu sein. Genau genommen ist es der Grund, warum wir hier sitzen. Denn Mitte der 90er-Jahre begann der Wersauer – aus Spaß – mit dem Kartfahren. "Die Formel 1 kam mir nicht in den Sinn. Es fehlte auch das Geld, um den Kartsport auf nationaler Ebene zu betreiben. Also betrachtete ich ihn als Zeitvertreib." Nun steht Timo Glock kurz vor seiner ersten Ausfahrt für das BMW-Sauber-Team. Dies will per Test feststellen, ob er zum ständigen Testfahrer taugt. Beim Espresso-Plausch wird klar, dass es für Glock nun ernst wird. Denn ein wenig läuft dem 24-jährigen Hessen die Zeit weg.

Kurzer Ausflug: Glock in der US-ChampCar-Serie (2005).

Das passiert heute zunehmend jungen Männern, die gerade erst den Babyspeck abgelegt haben. Christian Klien zum Beispiel, dem 23-jährigen Honda-Testpiloten. Der mit fast 50 GP für Red Bull seine F1-Karriere von grundauf neu anpacken muss. Ein weiterer Grund sind Nachrücker, die noch nicht sicher im Umgang mit dem Rasierer sind, aber schon versiert am Steuer eines 750-PS-Autos. Wie Lewis Hamilton, gerade mit 21 Jahren zum Stammpiloten von McLaren-Mercedes erkoren. Timo Glock ist erst 24 und schon auf dem Weg zum Comeback in die Formel 1, von der er sich Ende 2004 nach vier Rennen als Ersatzfahrer (Jordan-Team) verabschiedete. Danach drehte er mangels Weiterbeschäftigung eine Schleife in der US-ChampCar-Serie (2005) und noch eine in der GP2 (2006).

Beides war nötig, obwohl der kecke Kämpfer in keinster Weise enttäuscht hat – bis heute. Er eroberte Punkte in der F1, Podestplätze in den USA. Dort war alles fremd, die Flüge lang, die Freundin fern, die Autos schwer, die Lenkung (ohne Servounterstützung) noch schwerer – geschaltet wurde wieder am Handknüppel. Glock wurde bester Einsteiger des Jahres. Und siegte danach in der GP2 (zweimal). Dort startet er auch 2007 (iSport-Team), aber parallel will er die Tür zur F1 wieder aufstoßen. Dahin wollte er, seit er sie verließ. Warum so schnell? Klar: "Sébastien Bourdais hat drei ChampCar-Titel", sagt Timo, "und keine Chance auf einen Wechsel."

Timo Glock (24) freut sich diebisch aufs Comeback in der Formel 1.

Die hat jetzt Glock. Aber er muss sich erst beweisen. Er kommt zwei Tage, bevor es losgeht. Als er durch die Drehtür zum Fahrerlager geht, "hüpft mein Herz höher", schwärmt er. Er freut sich diebisch aufs Fahren, auf diese Chance. Und er will kämpfen. Der Spaßvogel hat verstanden, dass Erfolg Methode hat. Er kümmert sich um seinen Sitz, lernt die Lenkradfunktionen neu, wählt Heidfelds Lenkradform, weil "der ähnliche Hände hat". Er studiert die Daten der Kollegen. Er hängt sich an den Funk, um die Arbeitsweise des Teams zu verinnerlichen. Er will es lernen, bevor es losgeht, nicht danach. "Das ist aber nicht so einfach", sagt er. "Denn man muss das Limit des Autos finden und es mittels der Elektronikfunktionen am Lenkrad gleichzeitig nach oben verschieben." Mittels Einstellungen von Traktionskontrolle, Bremsbalance und Differenzialsperre. Das alles kennt er aus der GP2 nicht mehr, "und dort muss man viel runder fahren. Im Formel-1-Auto arbeitet man viel mehr mit der Bremse und wirft das Auto in die Kurve, wo die Traktionskontrolle vieles regelt. Da fehlte mir noch etwas das Vertrauen, dass die Hinterachse stabil bleibt." Nach 100 Runden fehlen Glock 1,3 Sekunden auf die Tagesbestzeit. "Ich hatte noch ein bisschen Luft nach oben", sagt er. Die kann er am 8. Dezember 2006 ausspielen, beim nächsten Test.

Autor: P. Hesseler

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