Die schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten

Formel 1: Adrián Campos

„Dem kleben die Fliegen hinten am Helm“

Adrián Campos ist heute einer der besten Talentscouts der Formel 1. Als Fahrer selbst blieb er ruhmlos. Sein Traum vom eigenen F1-Team hat sich auch nie erfüllt.
Das wäre heute undenkbar: Eine Ausfallquote von 82,35 Prozent. Nur zwei seiner 17 Formel-1-Rennen hat Adrián Campos beenden können. Das lag nicht unbedingt an ihm. Immer wieder hat ihn das Material im Stich gelassen: Das kleine Minardi-Team war mit den Turbomotoren von Motori-Moderni völlig überfordert. Nur einmal fiel Campos wegen einer Kollision aus.
Adrián Campos ist einer von 13 Spanier, die sich bisher in der Formel 1 versucht haben. Zwei davon fahren am Wochenende beim Spanien-GP mit: Fernando Alonso (McLaren-Renault) und Carlos Sainz jr. (Renault).
Dass Alonso, Spaniens einziger F1-Weltmeister, heute in der Königsklasse dabei ist, hat er auch Campos zu verdanken. Zehn Fahrer schon hat er in die Formel 1 gebracht, darunter auch Sergio Pérez und Romain Grosjean. Damit ist der 57-Jährige einer der wichtigsten Nachwuchsteamchefs und Talentscouts der Formel 1.

Heute ist er einer der wichtigsten Personen des spanischen Motorsports

Campos setzt seine Teams aber nicht nur in Nachwuchsformeln wie der Formel 2 ein. Er leitet auch einen Rennstall im Tourenwagen-Weltcup. Und in der Formel E betreut er den Einsatz des indischen Mahindra-Konzerns, für den auch Nick Heidfeld an den Start geht.
Wann immer man Campos sieht, hält er eine Zigarette in der Hand. Und das schon zu Formel-1-Zeiten. Er war nicht der fitteste Fahrer. Aber er brachte vor allem viel Geld mit. Zu Formel-3-Zeiten baute er seine Autos daher selber. Und in der Formel 1 kaufte er sich für viel Geld in das kleine Minardi-Team ein. Bezahlfahrer haben von vornherein einen schlechten Ruf.
Besonders Gerhard Berger hatte es auf Campos abgesehen. „Der Typ fährt so langsam, er ist der einzige Fahrer, dem die Fliegen sogar hinten am Helm draufkleben. Und nicht vorn.“
In der Tat verlor er durch die amateurhaften Defekte schnell die Lust am Rennfahren. Nach drei Nichtqualifikationen 1988 wurde er gefeuert. Rang 14 beim Spanien-GP 1987 blieb sein bestes Ergebnis.
Aber Campos hatte längst eine größere Vision im Auge. Einen eigenen Formel-1-Rennstall. Seit 20 Jahren patzen seine Projekte aber reihenweise. Erst 1993 das Bravo-Projekt mit der irrwitzigen Idee, den Andrea-Moda-Rennwagen zu modifizieren. Der schaffte es 1992 nur einmal in die Startaufstellung und ist ein Auto, das die Engländer gern als „shit box“ bezeichnen – einen Misthaufen von Auto.
1998 arbeitete er an der Übernahme des Minardi-Teams, 2008 am Kauf von Super Aguri. 2010 wurde dann sein Campos-F1-Team übernommen, bevor es nur einen Meter fuhr. Als HRT blieb die spanische Mannschaft aber auch nur drei Jahre.
Sein Sohn Adrián Campos junior versuchte sich ebenfalls als Rennfahrer. Inzwischen ist er auch auf die andere Seite der Boxenmauer gewechselt, leitet zum Beispiel das Campos-Projekt im Tourenwagen-Weltcup.

Die schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten

Autor: Michael Zeitler

Fotos: privat; Picture-Alliance

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