Formel 1

Formel 1 Aktuell: Mercedes überzeugt

— 11.11.2016

Bis 2020 erfolgreich in der F1 unterwegs

Bei Mercedes ist man sich sicher: Der Erfolg geht auch 2017 unter neuen Regeln weiter. Für die F1 wäre das wenig positiv, will man neue Hersteller anlocken.

Ob die verbleibenden beiden letzten Rennen der Saison seine letzte Chance auf den WM-Titel sind, wollte ein Journalist im Fahrerlager von Sao Paulo von Nico Rosberg wissen. Immerhin kommen 2017 neue Regeln, die die Hackordnung in der F1 komplett umstürzen könnten. "Mein Glaube ist: Nein!", sagte Rosberg und entgegnete: "Diese Frage höre ich mittlerweile jedes Jahr. 2014 schon, 2015 wieder..." Und doch ist der Deutsche 2016 neben Teamkollege Lewis Hamilton der einzige Titelanwärter. "Wir haben so ein starkes Team, dass wir auch nächstes Jahr stark sein werden", gibt sich Rosberg ganz beruhigt.

Nico Rosberg glaubt: Mercedes feiert auch weiterhin

In der Tat: Unglaubliche 49 der insgesamt 57 Rennen seit Anbruch der Hybrid-Ära zu Beginn der Saison 2014 hat Mercedes gewonnen. Zahlen für die Ewigkeit. Doch wie sieht in Zeiten wirtschaftlich schwieriger Bedingungen für die Automobilbranche die Zukunft der Stuttgarter im Motorsport aus? Immerhin: Bis 2020 ist das Werksteam mit der Chassis-Fabrik in Brackley und der Motoren-Schmiede in Brixworth ein fixer Bestandteil der Formel 1. So sagen es die laufenden Verträge.

"Was danach passieren wird, ist noch unklar", erklärte Mercedes-Sportchef Toro Wolff unlängst der 'Gazzetta dello Sport'. "Aus meiner Sicht werden wir aber in der Formel 1 bleiben, wenn sich diese positiv entwickelt." Trotzdem hat sich Mercedes gerade auch einen Startplatz für die Formel E gesichtert. Der Konzern weiß, dass die Mobilität der Zukunft elektrisch aussieht - auch im sportlichen Wettkampf.

Toto Wolff sieht Mercedes' Zukunft langfristig in der F1

Droht der Formel 1 also bald ein Kahlschalg auf Herstellerseite, ähnlich wie ihn die Weltwirtschaftskrise 2009 nach sich zog (erst verließ Honda die F1, dann auch BMW und Toyota)? Zumindest in absehbarer Zeit ist das ein unwahrscheinliches Szenario. Neben Mercedes haben sich auch Renault, Ferrari und Honda bis mindestens 2020 zur Formel 1 bekannt und feste Verträge unterschrieben.

Allein: Die Zeit bis dahin sollte dennoch sinnvoll genutzt werden. Nicht zuletzt der aktuell stattfindende Niedergang der WEC muss auch für die F1 als ernster Weckruf gesehen werden. Denn viele sahen noch bis vor kurzem in der Sportwagen-WM eine echte Konkurrenz für die Königsklasse. Doch der Ausstieg von Audi hat die Top-Prototypen-Serie in eine tiefe Krise gestürzt. Mit Porsche und Toyota stehen nur noch zwei Hersteller am Start. Blickt man auf die nackten Zahlen, zeigt sich schnell: Auch in der Formel 1 ist der Herstellerschwund ein großes Problem. Seit 2010 nehmen nur noch maximal vier Motorhersteller pro Saison teil - das gab es in so einem langen Zeitraum noch nie. Minusrekord mit drei Motorbauern sind die Jahre 1974 und 2014. Auch 1973, 1975, 1979 und 1980 hatte das Teilnehmerfeld nur die Wahl zwischen vier Triebwerken. So wie von 2010 bis 2013 und seit 2015. Zum Vergleich: Das Teilnehmermaximum liegt bei zehn - erreicht 1968, 1985 und 1986.

Audi steigt 2016 nach 18 Jahren aus der WEC aus

Das Interesse der Hersteller an einer Formel-1-Teilnahme bleibt parallel gering. In den letzten zehn Jahren gab es nur zwei Neueinsteiger: 2010 kehrte auf Druck des Automobilweltverbandes FIA Cosworth als unabhängiger Motorbauer zurück, seit 2015 mischt auch Honda nach einer sechsjährigen Pause wieder mit. Nie gab es innerhalb von zehn Jahren weniger Neueinsteiger.

Das liegt vor allem auch an der Komplexität der aktuellen Hybrid-Motoren, noch mehr aber an den horrenden Kosten. Beides schließt unabhängige Motorkonstrukteure wie Judd, Hart oder Motori Moderni, die es bis in die 90er Jahre hinein zuhauf gab, automatisch aus. Auch Privat-Rennställe, die eigene Aggregate auf Kiel legen wie einst BRM, Tecno oder auch das deutsche Zakspeed-Team wird es unter diesen Voraussetzungen nicht geben.

Kurz- und mittelfristig sind auch keine neuen Automobilgiganten in der Formel 1 zu erwarten. ABMS weiß: Ein Hersteller zeigt tatsächlich ernsthaftes Interesse, in der Königsklasse des Motorsports mitzumischen, aber die Pläne würden frühestens 2020 greifen - und sind noch längst nicht beschlossene Sache.

Hondas Beispiel schreckt eher ab als dass es hilft...

Das Problem: Die hohen Kosten in der Formel 1 lohnen sich nur bei größeren Erfolgen. Doch bei einem stabilen Reglement ist es für Neueinsteiger schwierig, relativ zügig auf das Niveau der Routiniers zu kommen. Honda muss diese bittere Erfahrung gerade machen. Ein neues Reglement ist derzeit aber kaum zu erwarten. Die aktuellen Motoren sollen bis mindestens 2020 bleiben, sonst würde sich das Investment der Hersteller, diese Antriebsstränge zu konstruieren, nicht lohnen.

Aber auch darüber hinaus werden die Motoren ähnlich zu denen sein, die auch jetzt zum Einsatz kommen. Der Weg zurück zu einfacheren Saugmotoren ist quasi ausgeschlossen, weil das den derzeit aktiven Herstellern nicht ins Marketingkonzept passt. Der Trend wird dahin gehen, das Downsizing der Motoren zu verstärken und im Gegenzug die Energie aus den Rückgewinnungssystemen zu erhöhen.

Autoren: Frederik Hackbarth, Michael Zeitler

Fotos: Hersteller / Picture-alliance

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