Regeln

Formel 1: Alles neu

— 29.07.2016

Funkverbot und Track limits ade

Die Formel 1 hat neue Regeln: Das Funkverbot soll aufgehoben und die Fahrer wieder da fahren dürfen, wo sie wollen. Stehende Starts auch im Regen.

Überraschende Wendungen in der Strategiegruppe, wo sechs Formel-1-Teams (Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren und Williams als permanente Vertreter sowie Force India als Best-of-the-Rest-Team), der Automobilweltverband FIA und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone über künftige Formel-1-Regeln entscheiden.

Nicht nur, dass der Sicherheitsbügel Halo für 2017 noch abgewendet wurde: Die Teams beschlossen auch eine Lockerung des Funkverbotes. Ab Hockenheim dürfen die Teams wieder frei mit den Fahrern über das Teamradio kommunizieren – nur nicht von der Einführungsrunde bis zum Erlischen der Startampeln. 

Hintergrund: Nico Rosberg wurde beim englischen Grand Prix bestraft, weil ihm sein Mercedes-Team Anleitungen gab, wie er mit seinem Getriebeproblem (defekter siebten Gang) umgehen solle. Das war nicht erlaubt, die Teams aber argumentieren: Die GP-Rennwagen sind inzwischen so komplex, dass Fahrer bei Störfällen nur mit Anleitungen der Ingenieure das Auto noch ins Ziel bringen können. Eingeführt wurden die Funkeinschränkungen, weil der Eindruck erweckt wurde, Fahrer werden zu Marionetten der Ingenieure, bekommen Bremspunkte, Linienwahl und sogar Attackeansagen per Funk und sind nur noch ausführende Organe. Das alles ist jetzt wieder erlaubt.

Die zweite, kleine Sensation: Formel-1-Fahrer sollten – bestenfalls schon ab Hockenheim – fahren wo sie wollen! Keine Regel zwingt sie auf der Strecke zu bleiben. In den vergangenen Rennen gab es viele Diskussionen um Track-Limits. In Silverstone wurden sechs Quali-Zeiten gestrichen, weil die Fahrer in verschiedenen Kurven neben der Strecke sich einen Vorteil verschafft haben. In Hockenheim war in Kurve eins ein ähnlicher Sensor geplant, der in Budapest im Training 36 Streckenübertretungen gemeldet hatte. Für das Rennen galt: Drei Mal ist okay, beim vierten Mal setzt es eine Durchfahrtsstrafe. Allein: Der FIA-Sicherheitsdelegierte Charlie Whiting will es dabei auch belassen. Er wehrt sich gegen den Beschluss der Strategiegruppe, weil durch die Neudefinition der Strecke die Sicherheit nicht gewährleistet sei. Zumindest in Hockenheim bleibt damit alles beim Alten. Beschlossen wurde außerdem, dass es ab 2017 immer einen stehenden Start geben wird – auch wenn das Safety-Car wegen regnerischer Bedingungen das Feld in den ersten Runden anführt. Die neuen Bestimmungen müssen noch von der Formel-1-Kommission und dem FIA-Weltrat abgesegnet werden, was in den allermeisten Fällen aber nur Formsache ist.

Kommentar von AUTO BILD-MOTORSPORT-Reporter Michael Zeitler

Regenstarts hinter dem Safety-Car wird es nur noch bedingt geben

Die Formel-1-Strategiegruppe zeigt mal wieder: Sie nimmt die Fans nicht ernst. Bestes Beispiel sind die stehenden Starts im Regen: Ja, es ist löblich, dass bei Regenstarts hinter dem Safety-Car anschließend stehend gestartet wird. Aber das trifft doch nicht den Kern der massiven Kritik nach den Safety-Car-Starts in Monaco und England. Was sich die Fans stattdessen fragen: Wieso schaffen es die 22 weltbesten Autofahrer nicht, ihre Fahrzeuge im Regen zu fahren! 

Gerade die Generation Fans, die mit den grandiosen Regenfahrten von Michael Schumacher etwa bei seinem ersten Ferrari-Triumph 1996 in Barcelona aufgewachsen ist. Natürlich: Bei sintflutartigen Regenfällen ist das nicht möglich, aber zuletzt wurden die Rennen erst zu einem Zeitpunkt wieder freigegeben, als die ersten Fahrer sich die Regenreifen schon wieder abmontieren ließen! 

Und genau das Problem löst man mit stehenden Starts eben nicht: Gefahren wird im Nassen weiterhin hinter dem Safety-Car.

Auch die Lockerung der Funkeinschränkungen und der Track-Limits rauben der Formel 1 ihren Reiz. Fans wollen sehen, wie die Fahrer die annähernd 1000 PS starken Formel-1-Flitzer aus eigener Kraft steuern – und nicht lediglich ausführendes Organ der Ingenieure sind. Rennstrecken müssen Rennstrecken bleiben, mit klaren Grenzen. 

Natürlich sind die Fans von den Diskussionen um die Track Limits genervt. Aber auch hier zeigt sich: Die Strategiegruppe versteht die Fans nicht. Statt die Track Limits abzuschaffen wünschen sich Fans wieder klare Abgrenzungen der Strecke. Neben der Strecke hat Asphalt nichts zu suchen, Kiesbetten würden die Fahrer auf natürliche Weise zwingen, auf der Piste zu bleiben. Und wer über das Limit hinaus geht, der wird durch Fehler bestraft, weil er im Kies langsamer machen muss oder sogar ganz stecken bleibt.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: picture-alliance

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