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Formel 1: Alles neu am Hungaroring

— 21.07.2016

Fahrer schimpfen auf Änderungen

Neuer Asphalt, neue Kerbs und neue Regeln zum Funk: In Budapest stehen am Wochenende einige Änderungen an. Vettel und Co. sind davon wenig begeistert.

Schönheits-OP für eine Traditionspiste: Seit 1986 gastiert die Formel 1 außerhalb von Budapest auf dem Hungaroring. Damals war es das erste F1-Rennen hinter dem eisernen Vorhang – der sozialistische Charme ist all die Jahre über nicht gewichen. Dieses Jahr jedoch haben die Streckenbetreiber investiert und die teils 30 Jahre alten Randsteine durch hochmoderne Kerbs ersetzt. Zudem wurde die sehr wellige Oberfläche der Strecke erneuert, der ganze Kurs und die Boxengasse neu asphaltiert. In Kurve vier und elf wurde ein Doppelkerb installiert, der den Rasen an dieser Stelle ersetzt. Damit die Fahrer trotzdem nicht neben der Strecke fahren, hat man Messschleifen in den Boden eingelassen, die Alarm schlagen, wenn ein Pilot mit allen vier Rädern die Piste verlässt.

Lewis Hamilton ist mit den Neuerungen nicht glücklich

Allein: Die Maßnahmen zur Modernisierung stoßen nicht bei allen Fahrern auf Gegenliebe: „Ich verstehe nicht, warum man das gemacht hat“, äußert beispielsweise Lewis Hamilton sein Unverständnis über die Neuerungen. „Ich hätte den Betreibern geraten, sich ihr Geld zu sparen. Die Strecke war gut so wie sie ist. Man sollte ihr nicht den Charakter nehmen, denn gerade die vielen Bodenwellen waren doch das Tolle hier.“

Der Brite philosophiert: „Wenn ich mir die chinesische Mauer anschaue, will ich auch auf der alten stehen und nicht auf einem neuen Teil.“ Hamilton setzt noch einen drauf: „Je älter die Strecke wird, desto besser wird sie: Es ist wie mit einem alten Wein...“ Doch statt alter Ostblock-Romantik gibt es nun futuristische Track-Limit-Detecition (das System, das festhält, wenn ein Fahrer die Strecke verlässt; d. Red.). Force-India-Pilot Nico Hülkenberg erklärt: „Es ist wie am Start. Auch dort gibt es Schleifen, die mit einem Sensor messen, ob es ein Frühstart war. Die gleiche Technologie ist jetzt hinter dem Kerb und merkt, ob ein Auto neben der Strecke ist oder nicht.“
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Nico Hülkenberg kann die Streckenbetreiber verstehen

Hülkenberg verrät, dass die Angelegenheit ein Reizthema in den Fahrerbesprechungen ist. „Wir diskutieren ewig und drei Tage über die Streckenbegrenzungen. Manche Fahrer wollen null Toleranz, andere viel. Zwar wollen alle Sicherheit, aber eben auch Racing. Und der eine will es so erreichen, der andere so.“ Hülkenberg lacht: „Viele sagen auch gar nix und chillen ab, weil die Diskussion seit 20 Jahren immer die gleiche ist.“

Für ihn selbst liegt das Problem übrigens abseits der Formel 1 begründet! Hülkenberg: „Es gibt auch noch andere Serien außer uns. Die Streckenbetreiber wollen beispielsweise gerne Formel 1 und MotoGP machen. Die Motorräder aber brauchen flache Kerbs. Es jedes mal umzubauen ist zu teuer und einen Kompromiss zu finden scheinbar schwierig.“

Spezielle Kerbs: Hier wird ermittelt, wer zu weit fährt

Sebastian Vettel indes bemängelt die fehlende Mitsprache, die den Piloten bei derlei Entscheidungen eingeräumt wird. „Uns hat niemand gefragt, wie wir wollen, dass die Kerbs aussehen.“ Der Ferrari-Star findet: „Das Ziel, was man im Moment verfolgt, verfehlt man mit dieser Art Kerbs sicher. Die Fahrer sollten auf der Strecke bleiben. Jetzt macht man flache Kerbs, über die jeder drüberfahren kann. Dann installiert man dahinter teure Technik, damit es trotzdem niemand macht. Das macht irgendwie keinen Sinn.“

Ginge es nach Vettel, würde sich in der Formel 1 aber sowieso einiges ändern. Der Deutsche wünscht sich eine Rückkehr zu den Wurzeln. „Wenn man wirklich etwas ändern will, dann soll man die Autos ändern: einfachere Technik und vor allem weniger Knöpfe am Lenkrad“, fordert der Deutsche. Doch die vielen Knöpfe bleiben vorerst – stattdessen gibt es am Wochenende in Budapest abermals überarbeitete Funkregeln, die die Transparenz des Streitthemas jedoch nicht gerade erhöhen. Zuletzt hatte der Funk in Silverstone für Aufsehen gesorgt, weil Nico Rosberg vom Kommandostand eine verbotene Hilfestellung erhielt. Dadurch verlor der WM-Spitzenreiter seinen zweiten Platz.
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Sebastian Vettel bei der Kursbesichtigung in Ungarn

Ab dem Ungarn GP am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) dürfen die Teams einen Fahrer nur noch dann über technische Probleme am Auto informieren, wenn dieser dafür die Box ansteuert oder das Rennen vorzeitig beendet. Auch zu dieser Verschärfung hatte Vettel am Donnerstag die deutlichste Meinung: „Es ist kompletter Bullshit.“ Nur eine Neuerung schaffte es, dem Heppenheimer ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern – weil sie eigentlich eine Rückkehr zu Altbewährtem ist. Nach der Kritik des Deutschen an seinem Siegerpokal letzte Saison, vergeben die Betreiber dieses Jahr wieder wie früher eine schöne Porzellantrophäe. „Das sind gute Nachrichten und erhöht die Motivation noch einmal etwas, den Sieg von 2015 zu wiederholen – und diesmal einen anständigen Pokal mit nach Hause zu nehmen“, so Vettel.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Jerry Andre / Picture-Alliance / Getty Images

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