Formel 1: Alonsos Abrechnung

Formel 1: Alonsos Abrechnung

— 23.10.2007

"Sie haben es verbockt"

Fernando Alonso, Dritter der Weltmeisterschaft, macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Ohne Hemmungen rechnet er mit seinem Arbeitgeber McLaren-Mercedes ab.

Als das Desaster der Silberpfeile perfekt war, gab der entthronte Weltmeister Fernando Alonso seine letzte Zurückhaltung auf und kritisierte seinem Noch-Arbeitgeber schonungslos. Sollte der Protest des Teams wegen der Benzin-Affäre Erfolg haben und Hamilton dadurch doch noch den Titel gewinnen, würde er "vor Scham vergehen. Das wäre eine Schande.  McLaren-Mercedes hat es verbockt, denn die Fehlentscheidungen in der zweiten Saisonhälfe haben den Titel gekostet", sagte der 26-Jährige. Ihm seien in den letzten Rennen die Hände gebunden gewesen, meinte Alonso. Er durfte keine Entscheidungen mehr treffen: "Ich musste nur noch das machen, was sie von mir verlangten." So aber könne man nicht Weltmeister werden. McLaren habe sich die Pleite selbst zuzuschreiben. Als Teamchef Ron Dennis nach dem Rennen in Schanghai sagte, man sei nicht gegen Räikkönen sondern gegen ihn (Alonso) gefahren, habe er sein wahres Gesicht gezeigt.

Der Iceman muß nach dem Einspruch von McLaren noch um den Titel zittern. Für Alonso ist er aber der wahre Weltmeister.

Alonso konnte auch die Schadenfreude darüber nicht verbergen, dass es Teamkollege Lewis Hamilton nicht geschafft hat, sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten zu krönen. "Ferrari hat halt wesentlich besser gearbeitet", sagte der Asturier dem spanischen Radiosender Cadena Ser. Die spanischen Medien machten den internen Streit bei McLaren dafür verantwortlich, dass Alonso seinen Titel verlor. "Ferrari ist eine Mannschaft, McLaren eine Bande", spottete der Radiosender Copa. Ganz unverhohlen freute sich die Sportzeitung AS über die "süße Niederlage" und darüber, dass auch Hamilton den Titel verpasst hatte.


Raikkönen ist der rechtmäßige Champion Alonso rät McLaren-Mercedes davon ab, das Ergebnis wegen der Benzin-Affäre von Sao Paulo anzufechten, um so Hamilton am Grünen Tisch nachträglich doch noch zum Weltmeister zu machen. "Wenn der Protest bei der FIA Erfolg hat und Hamilton dadurch doch noch den Titel gewänne, würde ich vor Scham vergehen. Das wäre eine Schande", sagte der Spanier. Wer immer die meisten Punkte gewonnen habe, sei der rechtmäßige Champion. Alles andere würde "unseren Sport beschädigen, und darüber wäre ich todtraurig".
Für McLaren-Mercedes war 2007 ein einziges Desaster auf und neben der Piste. Aberkennung aller Punkte in der Konstrukteurs-WM, die die Silbernen durch das Resultat von Brasilien ohnehin auch auf der Strecke noch an Ferrari verloren hätten (203:204), 100 Millionen Euro Geldstrafe wegen der Spionage-Affäre und nun die Fahrer-Krone leichtfertig verspielt - auf die Silberpfeile kommen stürmische Zeiten zu. "Diese Ergebisse stehen für sich. Jeder einzelne muss seine Konsequenzen daraus ziehen", sagte Alonso. Der zweimalige Weltmeister hat zwar noch einen Vertrag bis zum Saisonende 2009, doch es gilt nach den Vorfällen in dieser Saison als offenes Geheimnis, dass er den Rennstall verlassen will. "Die einzige Wahrheit ist, dass ich einen Vertrag bei McLaren besitze", sagte Alonso und wies alle Gerüchte über eine Rückkehr zu Renault zurück: "Ich habe bisher mit keinem anderen Team gesprochen."

Auf die Frage, ob Renault für ihn überhaupt die erste Wahl sei, meinte der Spanier: "Zum jetzigen Zeitpunkt muss ich sagen: Nein." Mercedes-Sportchef Norbert Haug sagte dem sid, dass man schon in dieser Woche Gespräche mit Alonso und dessen Management über die weitere Zusammenarbeit führen werde: "Wenn eine Kooperation partout nicht funktioniert, muss man auch getrennte Wege gehen können." Er selbst, so Haug, rechne allerdings nicht mit einer Entscheidung schon in dieser Woche.

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