Formel 1: Die besten Bilder aus Australien

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Formel 1: Australien GP - Ralfs Tagebuch

— 24.03.2017

Die Hoffnung heißt Red Bull

In seiner neuen Kolumne nimmt unser F1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er am Freitag beim Australien GP in Melbourne.

Es war fast schon Mitleid, als Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko das Minenspiel seines ehemaligen Weggefährten Sebastian Vettel vom ersten Trainingstag in Melbourne beschrieb. "Sebastian stieg lächelnd wie ein Honigkuchenpferd in den Ferrari ein und wie eine Trauerweide wieder aus. Das sagt mehr als tausend Worte."

Helmut Marko mit seinem Schützling Daniel Ricciardo

Was Marko meint: Nach den guten Testergebnissen von Barcelona fuhr Deutschlands Formel-1-Hoffnungsträger Nummer eins mit großen Erwartungen zum Auftakt nach Melbourne und in seinem Gesicht spiegelte sich schon nach dem ersten Trainingstag eine gewisse Desillusion wieder. Der große Traum vom WM-Titel mit Ferrari scheint schon nach dem ersten Trainingstag der 20 Rennen langen Saison wieder weiter weg denn je.

Zu überlegen fuhr Mercedes-Superstar Lewis Hamilton - der Brite war unter gleichen Bedingungen mit den gleichen Reifen eine halbe Sekunde schneller als der deutsche Ferrari-Star - trotz eines Patzers in seiner besten Runde. Auch Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen, der am Ende mit vier Zehntelsekunden hinter Vettel auf dem vierten Platz landete, haderte mit dem Schicksal. Lautstark unterhielt er sich in der Box mit seinem Renningenieur und deutete immer wieder auf die Hinterachse des aufgebockten Ferrari. Happiness sieht anders aus.

Fest steht: "Hamilton bewegte sich in einer anderen Welt", fasste es Red-Bull-Teamchef Christian Horner knapp zusammen. Positiv ist: Mercedes-Neuzugang Valtteri Bottas kann im Moment dem Tempo von Hamilton noch nicht folgen. Er landete als Dritter zwischen den beiden Ferrari-Piloten und muss sich am Samstag steigern, um eine silberne erste Startreihe im Qualifying zu garantieren.

Der RB13 reagiert noch sehr sensibel auf Änderungen

Schlimmer für Ferrari aber als Hamiltons Tempo: Während bei der Scuderia das Potential nahezu schon ausgeschöpft scheint, gibt es für Red Bull in Melbourne noch viel Luft nach oben. Das ehemalige Weltmeisterteam scheint der erste Herausforderer von Mercedes und Hamilton zu sein, nicht Ferrari. "Unser Auto ist sehr schwierig abzustimmen", erklärt Helmut Marko, "wenn wir das Fenster treffen wie im ersten freien Training sind wir vor Ferrari und nah dran an Mercedes. Wenn nicht, wie im zweiten, sind wir dahinter."

Heißt: Red Bulls RB 13 ist noch ein Sensibelchen. Wie am dritten Testtag der zweiten Testwoche gingen in Melbourne minimalste Set-Up-Veränderungen nach hinten los. "Wir wollten ein kleines Problem lösen und bekamen ein Großes", so Marko. Plötzlich waren Daniel Ricciardos und Max Verstappens Autos zu wild gewordenen Bestien geworden. "Deshalb werden wir am Samstag wieder zurückbauen", verriet Marko.

Es bleibt die Hoffnung. Dass Ferrari noch ein paar Zehntelsekunden findet und Red Bull wieder das richtige Set-Up. Sonst wird es schwer werden, einen Alleingang Hamiltons in dieser Saison zu verhindern. Marko bleibt optimistisch: "Warten wir doch mal morgen ab", lächelte er. "Da werden wir schon besser aussehen."

Kolumne vom Donnerstag:

Die FIA hatte die vier Fahrer, die nach Meinung der Automobilbehörde momentan die größten Stars der Königsklasse sind, am Donnerstag vor dem Australien GP zur Pressekonferenz geladen: Fernando Alonso, Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Lewis Hamilton saßen nebeneinander, eng gepfercht wie die Hühner in einer Legebatterie. Aber gleich war klar, wer der Hahn im Korb ist: Lewis Hamilton.

Er saß da wie ein stolzer Massai-Krieger mit schweren Halsketten, die seine Kollegen regelrecht nackt aussehen ließen. Es war seine Köpersprache, die alles über ihn verriet und mit der er die Sätze sagte, die nicht aus seinem Mund kamen: "Ich bin der Platzhirsch hier." "Ich bin der, den sie schlagen müssen aber nicht können." "Ich bin der, der sich den Titel zurückholen wird, den ihm 2016 dunkle Mächte gestohlen und einem Millionärssöhnchen aus Monaco mit deutschem Pass geschenkt haben."

Hamilton und seine Kollegen in der FIA-Presserunde

Da war er wieder - der Lewis Hamilton, wie ihn alle kennen und sich die meisten sich auch wünschen. Gespickt mit frechen Sprüchen. Beispiel: Als Fernando Alonso auf die Frage, was er sich von der Formel 1 wünschte, "Gleiche Motoren!" antwortete, erweiterte Hamilton den Satz des derzeit arg gebeutelten Spaniers. "Gleiche Motoren will ich auch. Aber bloß keinen Honda!"

In seiner eigenen Presserunde ging Hamiltons Show vor deutschen Journalisten später weiter. Er entschuldigte sich dafür dass er mit seinem Deutsch immer noch keine Fortschritte erzielt habe und gab die zwei Worte Preis, die er kannte: "Scheiße" und "Dankeschön". Schließlich wollte ich noch wissen, ob es für ihn im deutschen Team mit einem finnischen Teamkollegen jetzt einfacher sei als mit einem deutschen. Hamilton ganz cool: "Das spielt überhaupt keine Rolle."

Die ganze Zeit wurde der Brite übrigens von Starfotograf Paul Ripke begleitet. Richtig, der Momentaufnahmen-Zauberer, der im letzten Jahr noch zum Hofstaat von Nico Rosberg gehörte. Als ich Leica-Paule süffisant sagte, er wechsele aber schnell die Seiten, gab er grinsend und schlagfertig zurück: "Das hast du doch schon letztes Jahr vermutet. Da hast du doch geschrieben, dass sich Lewis eine Leica gekauft hat und jetzt einen Bediener dafür sucht. Den hat er jetzt gefunden."

Kolumne vom Mittwoch:

Der Weg ist das Ziel. Das trifft auch auf ehemalige Formel-1-Weltmeister zu, die sich ihren permanenten Fahrerlagerpass in Melbourne abholen wollen. Gegen Mittag kam mir auf dem Weg zum Akkreditierungsbüro Damon Hill entgegen. Wie so oft schwamm der Brite - der Anfang 80er eine Punk-Band names "Hitler and the Hormones" gegründet hatte, bevor er professionell mit dem Motorsport begann - gegen den Strom. Oder besser gesagt: Er ging. Während alle Richtung Norden marschierten, um ihre Formel-1-Arbeitsberechtigung abzuholen, gab Hill den Geistergänger und marschierte Richtung Süden. "Wo ist denn das Büro", fragte Damon etwas orientierungslos, "wo ich meine Pass bekomme?"
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Meine Antwort: "Falsche Richtung, folge mir!" Während des zehnminütigen Spaziergangs hielten wir einen gesunden Talk über Lewis Hamilton und die Formel-1-Welt. Lewis brauche mehr Freiheiten als andere Formel-1-Piloten, erklärte der Weltmeister von 1996, weil er schon im zarten Alter von zwölf Jahren ins McLaren-Juniorteam wechselte und von dem Moment an extrem professionell auf seine Karriere vorbereitet wurde. Alles hätte man ihm dort abgenommen, das eigenständige Denken, sogar die Wahl seiner Frisur. Hamilton hätte quasi keine normale Jugend gehabt und müsste diese jetzt nachholen. Deshalb hätte Lewis jetzt diesen schier unendlichen Freiheitsdrang. Das müsse Mercedes berücksichtigen und das Fahrgenie an der langen Leine lassen. Sonst könnten sie ihn verlieren.

Hülkenberg hat Ferrari auf der Rechnung

Im Fahrerlager war später weniger los als an den Melbourne-Wochenenden in den Jahren zuvor. Die Superstars der Szene zeigten sich noch nicht, am auffälligsten lief Renaults neue Nummer 1 Nico Hülkenberg durchs Paddock. Gut gelaunt begrüßte er ehemalige Mitarbeiter ehemaliger Teams - und das sind ja immerhin mit Williams, Sauber und Force India schon drei, für die er in der Formel 1 gefahren ist. Was auffällt: Hülkenberg gibt gerne den Rebellen im Moment, das fängt bei seinen WM-Tipps an: "Ich wette auf Ferrari", grinst er, "das sage ich auch deshalb, weil jeder andere Mercedes sagt. Aber der Ferrari liegt wirklich wie ein Brett, das konnte man bei den Tests in Barcelona sehen.“ Hülkenberg erklärt: "Nicht nur in den schnellen Kurven - da liegen mittlerweile alle gut - sondern auch in den langsamen Ecken."

In einem hat der Emmericher aber noch Nachholbedarf. Er suchte verzweifelt nach einem Fahrerrad für sein Streckenstudium. Kurz darauf traf ich Sebastian Vettel. Der Vierfachweltmeister machte sich gegen 18 Uhr zurück auf den Weg ins Hotel - auf einem Fahrrad!

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance / ABMS

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