Formel-1-Weltmeister-Comebacks

Formel 1: Autos aus Russland

— 29.04.2017

Mit 125 PS in die Formel 1

Zum vierten Mal schon gastiert die Formel 1 in Russland. Russlands Historie in der Formel 1 und im Rennsport ist peinlich, aber durchaus interessant.

Formel-1-Rennen seit 2014, mit Daniil Kvyat ein eigener Pilot, der schon zwei Mal auf das Podest fuhr – so schlecht liest sich Russlands Formel-1-Statistik inzwischen gar nicht mehr. Aber das war einst ganz anders. In den 60er und 70er Jahren wurden in Russland sogar Formel-1-Autos gebaut – aber das waren Schrott-Kisten, die heute kaum mehr vorstellbar wären. Logisch, dass sie nie bei einem WM-Lauf auftauchten – und Russland deswegen lieber eine eigene Formel-1-Serie ausgetragen hat. Am viel versprechendsten war noch das Hadi-Projekt 1971: Ein Rennwagen, der sicherlich nicht Spitzenklasse war, aber ganz passabel. Ein Zweiliter-V8-Motor, der zwar nicht das Hubraumlimit von drei Litern ausschöpfte und nur 340 PS abgab, aber angeblich zuverlässig war. Doch: Siege wären damit nicht möglich gewesen und Russland in der Formel 1 – das hätte es in Zeiten des Kalten Kriegs nur mit reeller Siegchance gegeben.

Die anderen zwei Projekte: Peinlich, desaströs, fast schon lachhaft. Die Chassis waren gar nicht so schlecht. Der Moskvich GD01 hätte es 1967 mit den damals auch in der Weltmeisterschaft gar nicht so ausgefeilten Chassis durchaus aufnehmen können. Den Madi 01 von 1973 hat Designer Gess de Kalve sogar auf Basis eines Lotus 72 gebaut, immerhin ein Weltmeisterauto (1972 mit Emerson Fittipaldi).

Vitaly Petrov war 2010 der erste Russe in der Formel 1

Aber immer die gleiche russische Achillesferse: Die Motoren. Der Moskvich verfügte nur über einen 1,5-Liter-V8-Motor mit 200 PS. Als er fertig wurde, wechselte die Formel 1 das Motorenformat auf eine Hubraumgrenze von drei Litern. Die Motoren leisteten prompt doppelt so viel, doch Moskvich konnte dieses Entwicklungsrennen nicht mitgehen, denn schon der V8 waren de facto zwei gekoppelte Vierzylinder-Motorradmotoren. Und noch verrückter der Volga-Stock-Block im Madi von 1973, der gerade Mal 125 PS geleistet haben soll!

Kein Fahrzeug der eigenen sowjetischen Formel-1-Meisterschaft (ausgetragen von 1960 bis 1976) schaffte es je in die WM. Gleiches gilt für die Fahrer. Dabei hatten Piloten wie Viktor Shavelev und Vladimir Grekov, die jeweils russische Formel-1-Meister wurden, durchaus gute Allround-Qualitäten, aber ohne russische Fahrzeuge war ihnen auch der Start im Westen untersagt.

Russland in der Formel 1 – das gibt’s erst seit 2002, als Sergey Zlobin im Minardi-Asiatech die ersten Testrunden drehte. 2010 debütierte Vitaly Petrov im Renault als erster Russe in der WM, fuhr in 57 Rennen ein Mal auf das Podest und holte 64 Punkte. Daniil Kvyat, der 2014 sein Debüt für Toro Rosso gab, ist längst erfolgreicher: 60 Rennen, zwei Podiumsplätze, 130 WM-Zähler.

Und in den Nachwuchsserien kommen weitere Russen nach: Sergey Sirotkin ist bereits Renault-Testpilot, Nikita Mazepin Probefahrer bei Force India. Mit Artem Markelov liegt ein weiterer Russe auf Rang zwei in der Formel-2-Meisterschaft, dem direkten Unterbau der Formel 1.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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