Senna

Formel 1: Ayrton Senna

— 09.11.2016

Hollywood-Champion ohne Happy-End

Noch heute sind Formel-1-Piloten im Feld, deren Rennsportbegeisterung durch einen Mann ausgelöst wurden: Ayrton Senna. Sein Tod revolutionierte die Formel 1.

Der Große Preis von Brasilien steht vor der Tür. Doch was ist nur mit der Rennsportnation Brasilien los? Grand Prix auf wackligen Beinen, möglicherweise erstmals ohne 1969 ohne Formel-1-Pilot – und ein kommender Champion aus dem südamerikanischen Sambaland: Fehlanzeige.

Brasilien brachte reihenweise Champions hervor: Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet, Ayrton Senna. Gerade Senna faszinierte, wird immer wieder als bester Fahrer aller Zeiten benannt und ist einer der wenigen Piloten, deren Geschichte fast jeder kennt.

Manche Fahrer werden durch den Unfalltod im Nachhinein zum Helden deklariert. Doch Senna war es schon zu Lebzeiten. Seine Aura, sein Charisma, seine Leidenschaft für den Rennsport – alles einzigartig fesselnd.

Senna fuhr 161 Grand-Prix-Rennen, gewann davon 41, sammelte 614 WM-Zähler. Und seine 65 Pole-Positions galten lange Zeit als unerreichbar. Von solchen Zahlen war nur einer wenig überrascht: Senna selbst. „Wenn man so etwas betreibt wie den Rennsport, dann macht man es entweder gut oder lässt es lieber.“

Senna machte es gut, sehr gut sogar. Besonders im Regen. Auf dem ohnehin schon schwierigen Straßenkurs von Monaco regnete es 1984 wie aus Kübeln. Senna überholte im eigentlich unterlegenen Toleman-Hart Keke Rosberg und Niki Lauda – die Stars von gestern. Und machte damit deutlich: Er ist der Star von morgen. Auf Rang zwei liegend holte er in Siebenmeilenstiefeln auf den führenden Alain Prost auf. Der fuchtelte wie wild im Cockpit, wollte einen Rennabbruch wegen des immer stärker werdenden Regens. Und bekam ihn. Sieg gerettet, aber weil noch nicht 70 Prozent der Renndistanz absolviert waren, gab es nur halbe Punkte. Das kostete ihn am Ende die WM.

Zweite Regen-Galavorstellung: Portugal 1985. Inzwischen fuhr er für Lotus, ein Team mit großer Vergangenheit, aber zu der Zeit längst am absteigenden Ast. Doch im Regen konnte keiner Senna das Wasser reichen. Bis auf den zweitplatzierten Michele Alboreto hat Senna jeden Fahrer mindestens einmal überrundet.

Feindschaft mit Prost

Ayrton Senna und Alain Prost bekriegten sich auf und neben der Strecke

Senna und Prost – das Duo sorgte für eine der größten Feindschaften, die es in der Formel 1 je gegeben hat. 1988 wurden beide Teamkollegen bei McLaren. Teamchef Ron Dennis wollte eigentlich Nelson Piquet als neuen Prost-Gefährten verpflichten, doch Prost legte ein gutes Wort für Senna ein – was er bitter bereute. In all seinen künftigen Verträgen legte er Wert auf eine Klausel: Sein Teamkollege dürfte nicht Ayrton Senna heißen.

„Ich bin überzeugt, wir haben die besten Fahrer.“ Mit diesen Worten von Ron Dennis begann 1988 eine einzigartige Rivalität. Prost erinnert sich: „Senna wollte mich nicht besiegen, er wollte mich demütigen. Das war aber auch seine Schwäche.“ Wie in Monaco, als er in die Mauern krachte, als er eine Rekordrunde nach der anderen drehte.

Beim Japan-GP kam es zum großen Showdown – und zu einem der besten Rennen Sennas: Er verhunzte den Start, fiel auf Rang 14 zurück, holte sich aber einen um den anderen Platz wieder zurück. Bei leichtem Regen versteht sich. Auch Prost überholte er und wurde Champion.

1989 herrschte eisiges Klima bei McLaren. Die Fahrer wechselten kein Wort miteinander. Was zählte, waren Taten. Siege, Punkte – und Kollisionen. In Japan krachten beide zusammen, Senna siegte, wurde aber disqualifiziert, weil er nach dem Zusammenstoß die Schikane ausließ. Er revanchierte sich ein Jahr später mit einem angekündigten Foul. Da fuhr Prost schon für Ferrari. „Ich wollte Senna ins Gesicht schlagen, er nervt mich nur“, wütete der Franzose hinterher.

Senna holte zwei weitere WM-Titel, doch als dreimaliger Formel-1-Champion war er scharf auf eine neue Herausforderung. Die hieß Williams. Es wurde ein kurzes, trauriges Kapitel.

In der siebten Runde des Imola-GP 1994 krachte er in der Tamburello-Kurve in die Mauer – mit 217 km/h. Eine Spurstange hatte sich in seinen Helm gebohrt. Als der Williams zum Stillstand kam, blieb Senna regungslos sitzen. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sagte einmal: „Es war, als hätte man Jesus Kreuzigung live gesehen.“

Sennas Unfall löste eine Sicherheitsdebatte in der Formel 1 aus. Das Ergebnis sehen wir heute: Nie war die Königsklasse sicherer. In einem Auto von 2016 mit den Sicherheitsstandards an den Strecken von heute hätte Senna den Unfall mit hoher Wahrscheinlichkeit unversehrt überlebt.
Weitere Fahrerportraits historischer Helden: Hier

Autor: Michael Zeitler

Fotos: picture-alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.