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Formel 1: Baku-Pole für Rosberg

— 18.06.2016

Hamilton landet in der Mauer

Erster Startplatz für Nico Rosberg beim Europa GP vor Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel. Lewis Hamilton patzt, Sergio Perez der große Pechvogel.

Nico Rosberg hat am Samstag im Qualifying zum Großen Preis von Europa eindrucksvoll im Duell mit Mercedes-Rivale Lewis Hamilton zurückgeschlagen. Während sich der Weltmeister einen Tag voller Unkonzentriertheiten erlaubte und das Qualifying schlussendlich nicht beendete, fuhr WM-Spitzenreiter Rosberg unbeirrt zur Pole-Position, seiner dritten in diesem Jahr. Noch am Freitag hatte ein Motorschaden Rosberg zurückgeworfen, über Nacht wurde das Aggregat an seinem Silberpfeil getauscht. Mit augenscheinlich großem Vorsprung gingen beide Mercedes-Piloten in die Qualifikation, doch am Ende wurde es ganz knapp.

Starke Leistung: Rosberg schnappte sich die Baku-Pole

Denn nachdem er bereits in Q2 zweimal durch den Notausgang musste, verbremste sich Hamilton auch in Q3 auf dem neuen und engen Stadtkurs in Baku. Damit ruinierte er nicht nur seinen eigenen ersten schnellen Run sondern auch den von Rosberg, der hinter ihm fuhr. Beim zweiten Versuch kam der Deutsche dann problemlos um den sechs Kilometer langen kurs - anders als Hamilton: Nach einer Mauerberührung in der engen Sektion durch die Altstadt musste der Brite seinen Mercedes mit gebrochener rechter Vorderradaufhängung abstellen. Die Qualifying wurde mit der roten Flagge unterbrochen.

Am Zielsprint über zwei Minuten und eine schnelle Runde nahm Rosberg dann schon gar nicht mehr teil, seine Runde reichte komfortabel zur Pole. Hinter dem Silberpfeil-Star reihte sich schlussendlich Sergio Perez im Force India ein. Ebenfalls mit Mercedes-Power im Heck ausgestattet, machte Force India in allen Sessions in Baku einen ganz starken Eindruck. Umso bitterer, dass Perez nicht als Zweiter losfahren darf. Denn nach einem Abflug im dritten Training am Vormittag musste beim Mexikaner das Getriebe gewechselt werden: Fünf Plätze Strafversetzung in der Startaufstellung.

Bitter: Perez darf den zweiten Startplatz nicht behalten

"Der zweite Platz fühlt sich eigentlich wie eine Pole an", strahlte Perez, der schon beim vorletzten Rennen in Monaco als Dritter überraschte. "Vor allem muss ich meinen Mechanikern danken, dass ich überhaupt mitfahren konnte", erklärte Perez mit Blick auf seinen Unfall früher am Tag. "Ich bin natürlich immer noch sauer über den Fehler, aber jetzt auch glücklich über die Leistung. Ein ganz schöner Gefühlsmix." Einfach sei das Qualifying nicht gewesen, wie Perez resümierte. "Gerade nach einem Crash ist es immer schwierig, sofort wieder vollstes Vertrauen ins Auto zu haben, aber mein Runde in Q3 war großartig. Wir wussten zwar, dass wir hier stark sein werden, aber nicht, dass es so gut sein wird", lachte der Mexikaner, der trotzdem nur als Siebter losfahren darf.

Perez' Platz in der ersten Reihe nimmt Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo ein, der den Kurs am Samstag in 1:43,966 Minuten umrundete und damit exakt mit derselben Zeit wie Sebastian Vettel. Weil der Deutsche im Ferrari seinen Versuch am Ende von Q3 aber Sekunden später in den Asphalt brannte, muss er hinter Ricciardo losfahren. "Ich habe jetzt sowieso keine Wahl, aber Startplatz drei kann man schon nehmen. Zum einen, weil es hier die saubere Seite ist. Zum anderen, weil wir bisher am Wochenende ganz schön Schwierigkeiten hatten", so Vettel. "Wir waren auch jetzt im Qualifying wieder hinter Force India. Wir sollten vor ihnen sein und näher dran an Mercedes."

Vettel nimmt das Rennen aus der zweiten Reihe auf

"Damit können wir nicht zufrieden sein. Aber immerhin konnten wir heute ein bisschen was aufholen", stellte Vettel mit Blick auf die zuvor schwachen Trainingssessions der Scuderia fest. Für den Sonntag sieht der Heppenheimer noch alle Möglichkeiten offen. "Es wird ein langes Rennen, auf dieser Strecke kann viel passieren. Man muss es sich einteilen und die Augen offen halten, um da zu sein, wenn es darauf ankommt." Seine gute Laune hatte Vettel jedenfalls nicht verloren. "Es gibt hier zwar keine Möwen", spielte der Deutsche noch einmal auf den Kanada GP vor einer Woche an. "Aber ich glaube Grosjean vor mir, hat heute einen Vogel getroffen. Das hätte mir nicht passieren können, ich wäre natürlich ausgewichen", scherzte Tierfreund Vettel.

Ausweichen musste am Samstag auch Max Verstappen - und zwar Williams-Pilot Valtteri Bottas. "Gleich zweimal", ärgerte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Keine Ahnung, was sich Bottas dabei denkt. Er hat sich selbst und Max das Qualifying ruiniert", schimpfte der Brite mit Bezug auf Bottas' verunglückte Überholversuche in Kurve eins. Der Finne, am Ende direkt vor Verstappen Achter, gestand ein: "Ich wollte überholen, um danach eine saubere Runde zu haben, aber das hat nicht wie erhofft geklappt. Ich hatte heute immer Verkehr und einfach kein Glück." Zusätzliches Ungemach droht Bottas außerdem für ein Unsafe Release - er räumte in der Box fast Vettel ab, als sich die Fahrer an den Schlussspurt in Q3 machten.

Red Bull: Reicht es für einen Angriff auf Mercedes?

Immerhin Bottas' Eile war für Horner verständlich: "Jeder wollte als Erster aus der Box. Wir haben es mit Daniel (Ricciardo; d. Red.) zum Glück geschafft. Das war der Schlüssel zu seiner schnellen Runde, denn er hatte dann als einziger Pilot freie Fahrt." Der Australier selbst musste nach dem Krimi zum Schluss und der gleichen Rundenzeit wie Vettel erst einmal durchatmen. "Puh! Am Ende war es wirklich hektisch und intensiv. Schön, dass wir so weit vorne stehen", erklärte Ricciardo. Ob es jedoch reicht, um Rosberg an der Spitze am Sonntag anzugreifen, bezweifelt zumindest Teamchef Horner: "Wir haben zwar im Windschatten auf der Geraden einen ganz guten Speed. Aber wenn jemals eine Strecke für Mercedes gebaut wurde, dann ist es diese hier." Horner: "Sehr lange Geraden und langsame Kurven vor diesen Geraden. Das ist wie gemacht für sie und ihre Stärken."

Diese Einschätzung untermauerte nicht zuletzt auch die starke Pace der Mercedes-Kundenteams, allen voran von Force India. Allein: Das Team machte zu wenig daraus. Nicht nur der nach seinem Crash zurückversetzte Perez war am Samstag ein großer Pechvogel, auch Teamkollege Nico Hülkenberg schob Frust: Nach einem frühen Dreher in Q2 kostete ihn schlussendlich ein Missverständnis mit dem Team am Funk, und daraufhin unnötig abgebrochener Run, den Einzug in die nächste Runde. Der Emmericher geht somit nur als Zwölfter in den Grand Prix. Nicht ideal verlief das Qualifying auch für Pascal Wehrlein. Der Deutsche im Manor fuhr zwar auf den respektablen 18. Startplatz - allerdings hinter Stallgefährte Rio Haryanto.

Ergebnis - Qualifying Europa GP 2016:

1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:42,758 Min.
2. Sergio Perez (Mexiko) Force India 1:43,515 (+5 Plätze - Getriebewechsel)
3. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull 1:43,966
4. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari 1:43,966
5. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari 1:44,269
6. Felipe Massa (Brasilien) Williams 1:44,483
7. Daniil Kvyat (Russland) Toro Rosso 1:44,717
8. Valtteri Bottas (Finnland) Williams 1:45,246
9. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull 1:45,570
10. Lewis Hamilton (England) Mercedes 2:01,954
11. Romain Grosjean (Frankreich) Haas 1:44,755
12. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India 1:44,824
13. Carlos Sainz Jr. (Spanien) Toro Rosso 1:45,000
14. Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda 1:45,270
15. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Haas 1:45,349
16. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber 1:46,048
17. Rio Haryanto (Indonesien) Manor 1:45,665
18. Pascal Wehrlein (Worndorf) Manor 1:45,750
19. Jenson Button (England) McLaren Honda 1:45,804
20. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber 1:46,231
21. Kevin Magnussen (Dänemark) Renault 1:46,348
22. Jolyon Palmer (England) Renault 1:46,394

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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