Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Bald mehr Pay-TV?

Bratches will 30:70-Modell

Wandert die Formel 1 in Deutschland mehr Richtung PayTV? Das sagt der Formel-1-Kommerz-Boss Sean Bratches.
Die Formel-1-Saison 2017 hat noch nicht mal Halbzeit erreicht, da läuft bereits der Kampf um die TV-Rechte ab 2018. Ende des Jahres laufen die Verträge von Sky und RTL aus. „Wir sind gerade in Gesprächen mit allen wichtigen und möglichen Partnern“, bestätigt Formel-1-Kommerz-Boss Sean Bratches gegenüber AUTO BILD AUTOSPORT am Rande der FIA Sports Conference in Genf.
Bisher sind alle Rennen parallel im Free-TV bei RTL und im Pay-Bereich auf Sky zu sehen. Doch nach AUTO BILD MOTORSPORT-Informationen ist nun erstmals konkret ein Modell im Spiel, bei dem ein Teil der Rennen nur im Bezahl-TV laufen könnte. Das gibt es bereits in Italien und in Großbritannien.
Bratches bestätigt: "Ich setze in allen Märkten auf einen Mix von Free- und Pay-TV. Das ist aus Fan- und aus Sponsorsicht wichtig. Denn auf der einen Seite befindet sich das Geld (Pay-TV; d. Red.), auf der anderen Seite die Reichweite und Möglichkeit zur Markenstärkung.“ Bratches weiter: "Ich stelle mir ein 30:70-Prozent-Modell vor, wonach die Highlight-Rennen frei empfangbar sind. Mit dem Rest der GPs können wir Geld verdienen, das wir in den Sport zurück investieren können.“

Bratches kann sich ein 30:70 Modell für den deutschen Markt vorstellen

Das 30:70-Modell muss aber nicht zwanghaft in diesem Verhältnis auch in Deutschland umgesetzt werden. "Jeder Markt ist anders“, so Bratches. "In Deutschland wird nur zu sieben Prozent Pay-TV geschaut, in den USA sind es mehr als 80 Prozent. Wir werden die Charakteristiken und Dynamiken eines jeden Marktes berücksichtigen. Free-TV ist wichtig für uns.“ Dafür spricht auch, dass sich die Hersteller, besonders Mercedes, für einen Verbleib der Königsklasse im Free-TV stark machen.
RTL hat weiter großes Interesse an der Formel 1. Allerdings soll es dem Sender wichtig sein, alle Rennen zeigen zu können. Sky ist an mehr Exklusivität interessiert, jedoch würde der Preis erheblich steigen: Statt etwa zehn Mio. Euro für 20 nichtexklusive Rennen wären 40 bis 50 Mio. Euro fällig, um zehnmal allein zu senden.
Ein möglicher Free-TV-Partner für Sky ist die ARD, die ebenfalls die Rechte prüft. Bei der Handball-Bundesliga kooperieren die Sender bereits ab 2017/18. Die Free-TV-Hälfte kostet 15 bis 20 Millionen Euro pro Saison.
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Ein weiterer potenzieller Bieter ist Eurosport: Dort könnte ein Teil der Rennen auf Eurosport 1 im Free-TV laufen, der andere auf dem Pay-Kanal Eurosport 2. Auch die Internet-Plattform DAZN ist interessiert. Allerdings bräuchte DAZN einen Free-TV-Sender als Partner.
Interessant auch: Unabhängig von den Live-Rechten planen die neuen Eigentümer eine Web-Seite, auf der frühere Rennen und weiteres Insider-Material gegen Geld abrufbar sind. Bratches: „Mit einer digitalen Plattform wollen wir zudem die jungen Fans anziehen."

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture Alliance / Getty Images

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