Formel 1: BMW steigt aus

Formel 1: BMW steigt aus

— 29.07.2009

Die Gründe für den Ausstieg

BMW hat in München auf einer Pressekonferenz erklärt, warum sich der Hersteller aus der Formel 1 zurückzieht. Chef Reithofer sieht keinen direkten Bezug zur Serie. Ein Strategiewechsel wird vollzogen.

Für BMW schalten die Ampeln in der Formel 1 am Saisonende auf Rot: Der Münchner Automobilhersteller BMW steigt Ende 2009 überraschend aus der Königsklasse aus. "Natürlich ist uns dieser Entschluss schwer gefallen. Aber es ist ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung unseres Unternehmens", sagte Vorstandschef Dr. Norbert Reithofer auf einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz in München. Der Entschluss war erst am Dienstagabend (28. Juli 2009) im BMW-Vorstand gefallen. Grund für den Ausstieg ist ein Strategiewechsel innerhalb des Unternehmens, das künftig das Hauptaugenmerk auf neue Antriebstechnologien und Nachhaltigkeit legen will. Die Bekanntgabe fand wenige Tage vor der Ratifizierung des neuen Concorde-Agreements statt, das vom FIA-Motorsport-Weltrat bis spätestens Donnerstag abgesegnet werden soll. Mit den Unterschriften des Inhabers der kommerziellen Rechte wie auch der Teams hatte die FIA bis Ende der Woche gerechnet. Mit einer Ratifizierung hätte sich BMW bis Ende 2012 an die Formel 1 gebunden. Wären die Münchener trotzdem ausgestiegen, hätte das hohe Strafzahlungen nach sich gezogen.

Grund sind nicht nur schwache sportliche Leistungen

Weiter im Motorsport: Das Engagement in Serien wie der Formel BMW Europa bleibt bestehen.

Die schwachen sportlichen Leistungen in diesem Jahr und die hohen Kosten des Engagements waren wohl nicht allein ausschlaggebender Grund. "Premium wird immer stärker auch über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit definiert. Wir wollen hier eine Vorbildrolle einnehmen. Im Rahmen unserer Strategie Number ONE stellen wir deshalb alle Projekte unter den Aspekten Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit auf den Prüfstand. Unser Engagement in der Formel 1 entspricht dabei nicht mehr unserer Hauptzielrichtung", erläuterte Reithofer. "Natürlich hätten wir alle dieses ambitionierte Projekt gerne weitergeführt und gezeigt, dass die aktuelle Saison nach drei erfolgreichen Jahren ein Ausrutscher war. Aus Sicht des Unternehmens kann ich diese Entscheidung aber nachvollziehen", bedauerte Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen, der sich künftig auf andere Projekte konzentrieren muss. Denn die Engagements in der Tourenwagen-WM WTCC, den internationalen Formel-BMW-Nachwuchsserien, der American Le Mans Series und im Kundensport werden ebenso weitergeführt wie das Superbike-Programm der Motorrad-Abteilung. Die gute Nachricht für alle Motorsport-Fans ist, dass BMW-Chef Reithofer künftig zum Rennsport steht – wenn auch nicht mehr in der Formel 1: "Wir bleiben dem Motorsport weiterhin treu. Allerdings in Serien, die für uns einen direkteren Technologie-Transfer und weitere Synergien ermöglichen und zudem unsere Markenwerte stärken."

2010 für mindestens eine Sasion weiter als Sauber-Team

Zukunft derzeit unklar: BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld muss sich wohl nach einem anderen Job umschauen.

In welchem Umfang es zu einem Stellenabbau in München oder in der ehemaligen Sauber-Fabrik in Hinwil/Schweiz kommt, steht noch nicht fest. "Da wir diese Entscheidung erst gestern getroffen haben, können wir noch nichts Genaueres mitteilen. Wir werden verschiedene Szenarien erarbeiten und bewerten und uns bemühen, für die Mitarbeiter am Standort Hinwil und die in das Formel-1-Projekt eingebundenen Beschäftigten in München Lösungen zu finden", erklärte Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT soll aufgrund abgeschlossener Verträge mit Zuliefer-Firmen in der Saison 2010 das Ex-BMW-Sauber-Team unter der Führung von Peter Sauber mindestens eine Formel-1-Saison bestreiten.

Damit würden BMW und Sauber dem Vorbild von Brawn GP folgen. Teamchef Ross Brawn hatte nach dem offiziellen Ausstieg von Honda nach der Saison 2008 das Team unter neuem Namen übernommen. Die Zukunft der beiden BMW-Sauber-Piloten Nick Heidfeld (Mönchengladbach) und Robert Kubica (Polen) ist ebenfalls unklar. Experten befürchten nun, dass nach der Entscheidung von BMW auch die Hersteller Toyota und Renault ihr Engagement in der Königsklasse des Motorsports beenden könnten. In den Vorständen der beiden Unternehmen steht das schon seit längerem zur Diskussion.

FIA weist Schuld von sich

In einer ersten Stellungnahme äußerte sich auch der Automobil-Weltverband FIA, der die Formel 1 sanktioniert, zu BMWs Ausstieg. "Die FIA bedauert die Bekanntgabe von BMWs Plänen, sich aus der Formel 1 zurückzuziehen, ist davon aber nicht überrascht." Weiter heißt es: "Schon seit einiger Zeit ist klar, dass der Motorsport die weltweite Wirtschaftskrise nicht ignorieren kann. Es kann nicht erwartet werden, das Autohersteller weiter große Summen Geld in die Formel 1 investieren, während ihr Überleben von Einschränkungen, Werksschließungen und der Unterstützung der Steuerzahler abhängt". Allerdings weist die FIA jede Schuld für die hohen Kosten eines Formel-1-Engagements in dem offiziellen Schreiben von sich. Den schwarzen Peter schreibt sie anderen zu: "Aus diesem Grund hatte die FIA Regeln vorbereitet, die die Kosten drastisch reduzieren sollten. Diese Maßnahmen wären erforderlich gewesen, um den Druck von den Herstellern zu nehmen, Hondas Formel-1-Rückzug zu folgen. Aber auch, um neuen Teams den Einstieg zu ermöglichen. Wären diese Regeln nicht so hart von einigen Teamchefs abgewiesen worden, wäre der Rückzug von BMW und künftig möglichen, ähnlichen Bekanntgaben vielleicht verhindert worden."

Rückblick: Die Formel-1-Historie von BMW

Das letzte Mal: Die Piloten Nick Heidfeld und Robert Kubica bei der Enthüllung ihres BMW-Sauber vor der Saison 2009.

Erstmals war BMW in den 80er Jahren in der Königsklasse vertreten. In der Turbo-Ära waren die Münchner von 1982 bis 1987 als Motorenlieferant von Brabham, Arrows und Benetton tätig. Neben insgesamt neun Siegen feierten die Münchner 1983 auch den ersten WM-Titel eines Turbo-Autos durch den Brasilianer Nelson Piquet. 2000 kehrte BMW als Motorenlieferant des Williams-Teams in die Formel 1 zurück und feierte mit den Briten insgesamt zehn Siege. Das große Ziel, die Konstrukteurs- und Fahrerweltmeisterschaft  zu gewinnen, blieb aber unerfüllt. Nicht zuletzt wegen der Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen München und England entschied sich BMW, dieses Ziel in eigener Regie anzugehen. 2005 kaufte BMW für rund 80 Millionen Euro das Schweizer Sauber-Team und war ab 2006 als eigenständiges Team BMW-Sauber in der Königsklasse unterwegs. Nach ständigen Verbesserungen gelang im vorigen Jahr durch Kubica beim Großen Preis von Kanada in Montreal der erste, bislang aber einzige Sieg. In dieser Saison fahren die Weiß-Blauen, immerhin Dritter der Konstrukteurs-WM 2008, aber den eigenen Zielen hinterher. Mit lediglich acht Punkten belegt der Rennstall nur den drittletzten Platz der WM-Wertung anstatt wie geplant um den Titel zu fahren.

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