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Formel 1: Brasilien - Wolff, Wehrlein und Co.

— 12.11.2016

Nachsicht mit Toto Wolff, bitte!

Toto Wolff hat derzeit alle Hände voll zu tun: Red Bull sollte nach dem Verstappen-Anruf daher Milde walten lassen, findet Ralf Bach in seiner ABMS-Kolumne.

In der Formel 1 ist es manchmal doch noch wie im normalen Leben: Zwei Leute, ein Ereignis, zwei Meinungen. Drei Leute, ein Ereignis, drei Meinungen und so weiter. Nehmen wir mal den Fall Wolff-Verstappen. Für den Motorsportchef von Mercedes zum Beispiel war es nichts besonderes, im Vorfeld des Brasilien GP ein Telefonat mit Vater Jos Verstappen zu führen. Für Wolff war es ein Telefonat von vielen, die zwischen den beiden in der Vergangenheit stattgefunden haben.

Einmal mehr im Mittelpunkt: Youngster Verstappen

Diesmal hatte es nur ein besonderes Thema: Dass sich Jos Verstappens Sohn Max dich bitte nicht in den WM-Kampf zwischen Wolffs Titelkandidaten Nico Rosberg und Lewis Hamilton einmischen solle. Sprich: Er möge bitte keinem der beiden ins Auto fahren. Das schade nicht nur Mercedes, sondern auch Verstappen selbst. Das ist Wolffs Sichtweise.

Da gibt es aber noch die von Red Bull: Sowohl Teamchef Christian Horner als auch Motorsportberater Helmut Marko waren an der Decke. "Arrogant", nannte Horner die Aktion, "inakzeptabel, ein Familienmitglied unseres Fahrers anzurufen." Marko tobte genauso: "Jetzt hebt er völlig ab."
So lief das Qualifying in Sao Paulo: Hamilton vor Rosberg

Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Ich denke, Wolff hat sich wirklich nicht viel dabei gedacht, als er mit Papa Verstappen dieses Thema besprach. Denn sie kennen sich wirklich schon lange und haben schon hunderte von Gesprächen geführt. Es ist mir nur ein Rätsel, wie Wolff glauben konnte, dass Jos Verstappen das Telefonat unter der Decke hält.

Sind sich gar nicht grün: Helmut Marko und Toto Wolff

Was Red Bull betrifft: Wolff ist schon lange ein rotes Tuch für alle Red-Bull-Mitarbeiter, besonders für diejenigen aus Österreich. Den Landsmann zu hassen ist quasi ein Befehl von ganz oben. Oberboss Dietrich Mateschitz hat Wolff nie verziehen, dass der ihn eins als "Brausehersteller" bezeichnet hat. Das hat die Erde zwischen Wien, Graz und Salzburg auf ewig verbrannt. Das Ergebnis: Bei jeder Aktion von Wolff wird bei Red Bull gleich Alarmstufe fünf ausgerufen, jedes kleine Windchen wird zum Sturm gemacht.

Am besten gefiel mir noch der Kommentar von Verstappens Teamkollege Daniel Ricciardo. Der sagte augenzwinkernd: "Mein Vater hätte wohl gar nicht abgehoben, wenn er gemerkt hätte, wer ihn da gerade anrufen wollte. Und wenn doch, wäre es für Toto verdammt teuer geworden. Mein Dad ist nämlich gerade in Australien."

Wolff hat im Moment genügend andere Baustellen...

Bleiben wir bei Toto Wolff. Der Mann hat es im Moment nicht einfach. Er muss nicht nur ständig für Frieden zwischen Rosberg und Hamilton sorgen und sein Mercedes-Team am Laufen, Non-Executive Niki Lauda im Zaum und die Vorstände bei Laune halten. Er muss auch die weiteren Karrieren seiner Mercedes-Junioren Esteban Ocon und Pascal Wehrlein planen.

Mit Ocon ist ihm gerade ein Coup gelungen: Den Franzosen hat er bei Force India untergebracht. Mit dem Deutschen Pascal Wehrlein ist er noch nicht ganz soweit. Doch Wehrlein und auch die meisten Insider zweifeln nicht daran, dass er den DTM-Meister von 2015 in der Formel 1 behält - entweder mit einem zweiten Jahr bei Manor oder einem anderen Team. Oder als dritter Pilot bei den Silberpfeilen. Schließlich handelt es sich bei Ocon und auch Wehrlein um Mercedes-Investitionen in die Zukunft.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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