Teamsterben Formel 1

Formel 1: Brawn will experimentieren

— 07.03.2017

Kommen Rennen außerhalb der WM?

Der neue Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn hat viele neue Ideen. Eine davon verkündete er bei den Formel-1-Tests in Barcelona: Nicht-WM-Rennen mit Experimenten.

Zumindest die bisherigen Aussagen vom neuen Formel-1-Sportchef Ross Brawn sind für viele Fans Musik in den Ohren. Auf der einen Seite streichelt der Ex-Schumi-Teamchef die Vorstellungen der Puristen und will in naher Zukunft die Überholhilfe DRS abschaffen. Auf der anderen Seite aber spricht er auch das jüngere Publikum an, in dem er offen für neue Ideen ist.

Doch Brawn will auch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Zum Beispiel sollen Schnellschüsse wie das missratene Quali-System 2016 vermieden werden. Experimentiert werden soll künftig durchaus – aber nicht bei WM-Rennen, sondern bei zusätzlichen Rennen, für die es keine Punkte gibt, die also nicht über die Vergabe des WM-Titels entscheiden. Brawn dazu: „Mein Traum ist es, mal wieder ein Nicht-WM-Rennen zu veranstalten. Und dieses könnte man für Experimente nutzen.“

Rennen außerhalb der WM wären nichts Neues: 1962 beispielsweise bestand die Saison 1962 aus neun Läufen, gleichzeitig wurden aber auch 15 Formel-1-Rennen ausgetragen, die nicht zur Meisterschaft gezählt haben. Hintergrund: Pro Land sollte es damals nur einen WM-Lauf geben, doch in Ländern wie England und Italien fanden oft mehr als ein halbes Dutzend Grand Prix pro Jahr statt. Das letzte Nicht-WM-Rennen 1983 in Brands Hatch entschied Keke Rosberg im Williams-Ford für sich. 1990 war ein Event außerhalb der WM in Donington geplant, wurde aus mangelndem Interesse aber abgesagt.

Ross Brawn bei den Formel-1-Tests in Barcelona

Schon oft wurden radikale Veränderungen des Rennformats diskutiert: Etwa umgedrehte Startaufstellungen oder zwei kürzere Sprintrennen an einem Wochenende. Seit Jahren gilt die Regel: Ein Formel-1-Rennen geht über etwas mehr als 300 Kilometer, dauert also zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Lewis Hamilton zum Beispiel ist von der Brawn-Idee angetan: „Das ist keine schlechte Idee. Die Formel 1 braucht neue Formate. Seit ich hier bin, ist es immer dasselbe.“

Der dreimalige Weltmeister präzisiert: „Wenn du nach Monaco gehst, macht es keinen Sinn, dasselbe Rennformat anzuwenden, wie sonst. Denn niemand kann dort überholen. Um es aufzupeppen, muss du etwas anders machen.“

Kommentar von ABMS-Redakteur Michael Zeitler

Ross Brawns Ideen sind Balsam auf die Seele eines Motorsport-Fans. Die Idee eines Nicht-WM-Rennens, in denen experimentiert wird, ist ein Paradebeispiel. Brawn zeigt damit, dass er nicht einfach Änderungen um des Änderns Willen vorschlägt, sondern er will diese erst einmal auf Tauglichkeit und Sinnhaftigkeit prüfen. Was in der Theorie gut erscheint, erweist sich in der Praxis oft als unbrauchbar – oder von den Fans wenig geliebt. Das Quali-Format 2016, das nach zwei Versuchen wieder abgeschafft wurde, war beispielsweise ein riesiger Flop.

Nicht-WM-Rennen sind aber auch aus anderen Gründen sinnvoll. Man könnte junge Nachwuchsfahrer antreten lassen. 2017 gibt es mit Lance Stroll nur einen Neuling – das ist ein Negativ-Rekord. Teams könnten verpflichtet werden, Rennfahrer für dieses Rennen unter Vertrag zu nehmen, die in den Nachwuchsserien mit Erfolgen geglänzt haben, auf dem Transfermarkt aber zwischen Stuhl und Bank fallen.

Und: Die Formel 1 könnte an Orten fahren, wo die Rennsportbegeisterung riesig ist. Holland zum Beispiel, seit Max Verstappen die Formel 1 aufmischt. Oder in dem Land, das gerade den Weltmeister stellt. Die Ideen sind gut. Brawn muss nun aber auch Durchsetzungskraft zeigen.

Zum Thema:
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Autor: Michael Zeitler

Fotos: Getty Images; Picture-Alliance

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