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Formel 1: Bremsprobleme bei Mercedes

— 18.09.2016

Sekunden entscheiden Strategie-Krimi

Der Singapur GP lieferte die erhoffte Spannung an der Spitze: Bremsprobleme bei Mercedes und eine Sekunden-Entscheidung im Strategie-Krimi um den Sieg.

Formel-1-Seriensieger Mercedes hat seine Gegner auch in Singapur schlagen knnen. Doch das Rennen im Stadtstaat war wie erwartet eines der knapperen Sorte. Mit gerade einmal 0,4 Sekunden Vorsprung rettete sich Sieger Nico Rosberg ber den Zielstrich, ehe bei den Silberpfeilen die Jubelstrme ausbrachen. Fr das enge Finish hatte einerseits gesorgt, dass Mercedes das ganze Rennen ber die Bremsen managen musste, andererseits der Strategie-Poker am Ende... und wie mancher Experte meinte, sogar die Silberpfeile selbst.
So lief das Rennen in Singapur: Rosberg krnt sein Jubilum

Silber-Jubel: Beide Mercedes-Stars kamen aufs Podium

Die Strategie, um Hamilton am Schluss wieder an Raikknen vorbeizubringen, hat Ricciardo erst die Mglichkeit gegeben, Nico so unter Druck zu setzen, erklrte Ex-Pilot Martin Brundle bei Sky Sports. Mercedes stellte bei Hamilton von zwei auf drei Stopps um, der Brite zog fr die letzten Runden neue superweiche Reifen auf. Sein Undercut gelang. Obwohl Kimi Rikkenen eine Runde spter das gleiche machte, war der Brite wieder vorbei am Finnen, der ihn frher im Rennen nach einem Fahrfehler berholt hatte. Damit haben wir ausgelst, dass Daniel (Ricciardo; d. Red.) ebenfalls nochmals stoppen konnte, weil er anschlieend nach hinten den Rcken frei hatte, rumte Mercedes-Sportchef Toto Wolff mit Blick auf Brundles Aussage ein, fgte aber auch hinzu: Am Ende ist es aufgegangen, denn wir sind Erster und Dritter. Es war eine schwierige Entscheidung, aber die richtige.

Eng: Rosberg hatte im Ziel nur 0,4 Sekunden Vorsprung

Allein: Was Mercedes und allen voran Rosberg nochmal schwitzen lie: Ricciardos Out-Lap nach seinem Stopp war beeindruckend. Er hat dort so viel Zeit rausgeholt, und wir hatten zustzliche Verkehr bei Nico, dass unser Vorsprung (fr einen zustzlichen Stopp Rosbergs; d. Red.) auf einmal bei null lag, so Wolff. In Sekundenbruchteilen musste der Kommandostand der Silberpfeile eine Entscheidung treffen. Zwei Kurven vor der Einfahrt zur Box bekam Rosberg schlielich am Funk mitgeteilt: Bleib drauen!
Rosberg im Siegerinterview: "Mega-Ding mit Mega-Emotionen"

Der Vorsprung des Deutschen von weit ber 20 Sekunden schmolz danach Runde um Runde dramatisch. Rosberg war auf alten weichen Reifen unterwegs, Ricciardo machte mit neuen Supersofts pro Runde zwischen drei und vier Sekunden gut. Die Pace konnte der Australier allerdings nicht ganz bis zum Ende durchhalten, irgendwann bauten auch seine Reifen leicht ab. Und: Mercedes hatte noch etwas in der Hinterhand.

Wechsel in der WM-Fhrung: Rosberg liegt jetzt vorne

Wolff: Wir mussten entscheiden, ob wir sofort pushen wollen oder etwas warten, die Reifen und Bremsen schonen, um dann am Ende kmpfen zu knnen. Rosberg setzte dieses Vorhaben auf der Strecke perfekt um. Mit Mercedes' Bremsverschlei, der beide Piloten von Beginn an in gleichem Mae dazu zwang, die Bremsen zu schonen, war das allerdings kein einfaches Unterfangen. Wir waren sehr am Limit, aber so ist es eben auf einer Strecke wie in Singapur, meinte Wolff.

Fr Hamilton war das Management der Bremsen noch schwerer, weil er anders als Rosberg meistens keine freie Fahrt hatte, so Wolff. Der Brite selbst zog daher ein nchternes Fazit unter sein Rennen. Unter den Voraussetzungen war mir schon nach Kurve eins klar, dass ich nicht mehr um den Sieg fahren kann. Ich habe zwar noch versucht, nach vorne zu kommen, aber eine wirkliche Chance gab es nicht. Sonst htte ich sie genutzt.

Mit dem Undercut knackte Hamilton Rikknen wieder

Was den Weltmeister trotz der an Stallgefhrte Rosberg verlorenen WM-Fhrung aber trstete: Wenn das hier mein schlechtestes Wochenende des Jahres war und ich trotzdem mit Platz drei davonkomme, kann ich damit leben. Bei noch sechs ausstehenden Rennen liegt Hamilton in der Meisterschaft nun acht Punkte hinter seinem Rivalen. Ich pushe auf jeden Fall weiter und hoffe auf das Beste, sagte der Brite vor der zweiwchigen F1-Pause bis zum nchsten Rennen in Malaysia.

Autoren: Frederik Hackbarth, Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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