Girls beim Italien GP

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Formel 1: Briatore zerlegt Königsklasse

— 07.09.2016

„Formel 1 ist ein Mozzarella-Job“

Flavio Briatore stattete der Formel 1 beim Italien GP in Monza mal wieder einen Besuch ab - und sparte nicht mit Kritik. Das würde der Ex-Teamchef ändern.

Er war jahrelang eine der schillerndsten Gestalten in der Formel 1. Flavio Briatore (66) führte einst Michael Schumacher (Benetton 1994 und 1995) und Fernando Alonso (Renault 2005 und 2006) als Teamchef zu WM-Titeln, ehe seine Karriere in der Formel 1 durch den Crash-Gate-Skandal 2008 in Singapur (Renn-Manipulation durch fingierten Unfall) ein abruptes Ende fand. Intimer Kenner der Königsklasse ist der Italiener immer noch – und ein Freund offener Worte. In einem Interview in der aktuellen SPORT BILD zieht Briatore jetzt kräftig vom Leder.

Gut erholt: Flavio Briatore im Fahrerlager von Monza

Die aktuelle Formel 1 ist nach seiner Ansicht „zu langweilig, zu künstlich, zu perfekt, zu bürokratisch. Keiner versteht die Regeln mehr. Keiner versteht die ganzen Strafen für die Fahrer. Die Fahrer werden wie Schüler behandelt, die in der Schule mit dem Stock eins auf die Finger bekommen, wenn sie zu frech geworden sind. Das merken auch die Fans.“

Der Ex-Chef von Michael Schumacher vergleicht: „Die Moto-GP boomt, weil das ein Job für Gladiatoren ist. Die Formel 1 ist ein Mozzarella-Job!“

Und er hat eine klare Vorstellung davon, wie man es besser machen könnte:  „Die Leute wollen näher dran sein und hinter die Kulissen schauen. Das wird in der Formel 1 verhindert.“ Briatore fordert: „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich jeden Fahrer dazu verdonnern, mindestens 25 Instagram-Bilder pro Wochenende zu posten. Sonst gibt es eine Strafe.“

Dominator Mercedes gibt Briatore nicht die Schuld

Dass Mercedes die Formel 1 derzeit dominiert, stört den Italiener hingegen nicht: „Die machen einen großartigen Job. Kritisieren sollte man nur die Teams, die ihr Tempo nicht mithalten können.“ Im Titel-Duell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg sieht er keine besonderen Vorteile für einen der beiden Mercedes-Piloten: „Hamilton ruht in sich selbst. Aber so wie Nico sich jetzt wieder zurückgekämpft hat, hat auch er den Titel verdient.“

Dass Ferrari derzeit an der Spitze der Formel 1 keine Rolle spielt liegt laut Briatore daran, dass die Scuderia in Italien ausgeschlossen ist vom Motorsport Valley rund um Silverstone, wo ein Großteil der Teams sitzt: „Ein technisches Außenbüro in England, so wie sie es in den 90er Jahren hatten, könnte das Problem lösen. Dort sind die besten Ingenieure und das meiste Wissen in Sachen Aerodynamik.“ Sebastian Vettel rät Briatore weiter Geduld zu haben: „Er liebt Ferrari und gibt sein Bestes. Aber er hat eben kein Siegerauto und tut sich deshalb schwer.“

Die Erwartungen an Ferrari sind in Italien riesengroß

Dies lasse auch die Leistungen von Fernando Alonso in einem anderen Licht erscheinen. Briatore: „Sebastians Probleme zeigen, wie gut Fernando wirklich war. Er war es, der den Unterschied gemacht hat, nicht das Auto. Leider wollte Luca di Montezemolo nicht wahr haben, dass Ferrari Fernando alles zu verdanken hatte. Im Gegenteil: Ferrari war eifersüchtig auf Fernando. Vettel muss das Team mitreißen, darf aber nicht zu gut sein für sein Auto. Ein Balanceakt.“

Ins Schwärmen gerät Briatore, wenn er vom zuletzt umstrittenen Max Verstappen redet. „Er erinnert mich an die jungen Michael Schumacher und Fernando Alonso. Er bringt neue Energie in den Sport. Die Formel 1 braucht dringend diesen neuen Star. Ihn für seine spektakuläre Fahrweise zu kritisieren, ist dumm.“

Autor: ABMS

Fotos: Picture-Alliance

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