Formel 1

Formel 1: Brüder Rodriguez

— 26.10.2016

Mexikos traurigste Rennsport-Geschichte

Ricardo und Pedro Rodriguez waren die ersten schnellen Rennfahrer Mexikos. Besonders Ricardo galt als kommender Superstar. Beide verunglückten tödlich.

Man hat fast den Eindruck, Ricardo Rodriguez wusste schon, dass er früh sterben muss. Bei allem was er tat, war er extrem jung. Mit 19 schon verheiratet und mit 19 schon in der Formel 1.

Heute kennen wir nicht zuletzt dank Max Verstappen ganz andere Einstiegsalter in die Königsklasse des Motorsports. Aber für damalige Verhältnisse war das extrem jung. Den Rekord als jüngster Formel-1-Starter behielt der Mexikaner 48 Jahre lang, dann war Jaime Alguersuari 2009 beim Ungarn-GP 83 Tage jünger.

Schon mit 14 Jahren wollte Ricardo Rodriguez 1956 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans antreten, die Organisatoren lehnten ab. Auch mit 16 musste er zuschauen, wie sein Bruder Pedro gemeinsam mit José Behra einen Ferrari 500 TR über die Strecke an der Sarthe jagte. 1960 war er dabei, wurde Zweiter – und ist mit 18 Jahren und 133 Tagen bis heute der jüngste Fahrer, der beim Langstreckenklassiker auf dem Podest stand.

Und nicht nur für diesen Rekord war Platz zwei in Le Mans 1960 gut: Ferrari-Boss Enzo Ferrari war anschließend so angetan, dass er ihn 1961 in einem Werks-Ferrari in der Formel 1 fahren ließ. Auf Anhieb qualifizierte sich Rodriguez in Reihe eins – auch in dieser Disziplin hielt er lange den Rekord, erst Max Verstappen war 2016 in Belgien jünger.

Mit Startplatz zwei qualifizierte sich Rodriguez auch vorm Teamkollegen Phil Hill, der einen Tag später im Rennen zum Weltmeister gekrönt wurde. Rodriguez selbst schied nach 13 Runden mit einem Benzin-Problem aus.

Ricardo Rodriguez

Spätestens jetzt war den Experten klar: Hier reift ein künftiger Superstar heran! Aber schon ein Jahr später war er tot – gestorben in einem der sinnlosesten Unfälle aller Zeiten. Das Training zum Großen Preis von Mexiko 1962 war soeben zu Ende (!) gegangen. Rodriguez fuhr einen Lotus-Climax für das Team von Rob Walker, weil Ferrari auf die Überseereise verzichtete. Der Grand Prix zählte nicht zur Weltmeisterschaft. Nach dem Training also brach die Aufhängung ausgerechnet in der superschnellen Peraltada-Kurve. Beim Einschlag in die Mauer starb Rodriguez auf der Stelle.

Sein zwei Jahre älterer Bruder Pedro Rodriguez erklärte daraufhin den Rücktritt. Er war Ricardo in den Rennsport gefolgt, aber nie ansatzweise so schnell. Jo Ramirez, der beide nach Europa begleitete und dann jahrelang Teammanager bei McLaren war, erinnert sich: „Beide kamen gut miteinander aus, aber sie waren sich nicht so nah, wie es Brüder eigentlich sind.“ Obwohl sie viele Sportwagen-Rennen gemeinsam fuhren.

Es lag immer eine gesunde Rivalität zwischen beiden. Angestachelt von ihrem Vater Don Pedro, der mit verschiedenen Geschäften ein Vermögen verdiente. Beim Versuch so schnell wie Ricardo zu sein, fuhr Pedro oft über das Limit hinaus. Kein Wunder, dass er als extrem harter Knochen im Auto galt.

Nur wenige Monate nach dem Tod von Ricardo kam Pedros Kehrtwende: Er wollte doch wieder fahren. Jetzt, nicht mehr im Schatten von Ricardo, blühte Pedro auf, wurde zu einem der besten Allrounder aller Zeiten. Er gewann zwei Formel-1-Rennen, galt als Regenspezialist, fuhr NASCAR-Rennen, gewann das 24-Stunden-Rennen von Daytona und das von Le Mans, er wurde amerikanischer Eis-Racing-Champion und versuchte sich auch beim Indy 500. Mit Krücken wie dem Cooper Aston Martin von 1963 konnte sich Rodriguez aber nie qualifizieren.

Dann schlug das Schicksal erneut mit aller Härte zu: Ein Feuercrash beim Sportwagen-Rennen am Norisring kostete auch ihm das Leben. Er war erst 31 Jahre alt.
Weitere historische Fahrerportraits: Link

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Getty Images

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