Sebastian Vettel Sieg in Singapur

Formel 1: Buh-Rufe gegen Vettel

— 24.09.2013

"Er ist auch nur ein Mensch"

Auch in Singapur wurde Sebastian Vettel für sein erfolgreiches Rennen ausgebuht. Der schnellste Mann von Heppenheim nimmt's gelassen – andere Sportsmänner sind empört. Viele sehen Vettel bereits als Weltmeister.

(dpa) Auf den letzten Metern zum vierten WM-Titel in Serie will sich der unaufhaltsame Sebastian Vettel schon gar nicht von bösen Buhrufen ärgern lassen. Der deutsche Formel-1-Star reagierte kurz vor Mitternacht mit dem gewohnten Lausbuben-Humor auf die Störenfriede nach seinem grandiosen Singapur-Sieg. Sein Teamchef Christian Horner fürchtet aber: "Natürlich sagt er, dass es ihn nicht trifft, aber er ist auch nur ein Mensch." Vettel ließ sich äußerlich jedenfalls nichts anmerken. "Sie sind auf Tour, sie fahren mit dem Bus rum", sagte er scherzend und vermutete vor allem Ferrari-Fans des einmal mehr geschlagenen Fernando Alonso unter den lautstarken Querulanten kurz vor Bettruhe im Stadtstaat.

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"Niemand sollte für seinen Erfolg ausgebuht werden, egal wie schwer oder leicht es war, diesen zu erreichen", meinte Mercedes-Pilot Lewis Hamilton. "Das ist definitiv nicht gut. Er ist auf dem Weg zu seinem vierten Titel und verdient Ansehen dafür." Schon zwei Wochen vorher war Vettel bei seinem Sieg im Ferrari-Land Italien auf dem Podium ausgepfiffen worden. "Wenn einige buhen, nehme ich das als Kompliment, sie sind neidisch, weil wir gewinnen vor jedem, zu dem sie halten", betonte Vettel nach seinem siebten Saisonsieg im 13. Rennen. Der insgesamt 33. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere war Ergebnis einer beeindruckenden Leistung.

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Vettel vermutet hinter den Buh-Rufern enttäuschte Ferraristi, die lieber Alonso im Siegestaumel gesehen hätten.

"Ein Antritt wie Bolt und die Taktik der Genies", attestierte die "Gazzetta dello Sport" dem Hessen. "Gegen Vettel hilft kein Plan", befand "El Pais" aus Spanien. "Vettel knipst die WM-Lichter aus", schrieb der österreichische "Kurier". "Wenn ich entscheiden könnte, würde ich ihm heute den WM-Titel geben", sagte Ex-Champion Niki Lauda. Durch seinen dritten Sieg in Singapur zum Auftakt der Asien-Wochen hat Vettel nun bereits 60 Punkte mehr als Alonso. Mindestens zwei Rennen wird es aber auch rechnerisch noch dauern, bis Vettel sich zum jüngsten Vierfach-Champion der Formel 1 küren könnte. Gewinnt Vettel auch in Südkorea und Japan, muss Alonso mindestens elf Punkte aus beiden Rennen holen. Sonst steht Vettel vier Grand Prix vor Saisonende erneut als Titelträger fest. Ernüchtert von Vettels Dominanz gibt Ferrari bereits jetzt die Weiterentwicklung von Alonsos Auto auf. "Jetzt ist klar, dass wir 99 Prozent unserer Energie auf das Projekt für 2014 konzentrieren werden, weil es genauso kompliziert wie wichtig ist", wurde Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali am Montag (23. September 2013) auf der Internetseite des Teams zitiert. Statt des erhofften Leistungssprungs nach der Sommerpause habe die Scuderia "sogar noch mehr Boden verloren", konstatierte der Italiener ernüchtert. Nun müsse das Team versuchen, "das Beste aus dem zu machen, was wir schon haben". Dass Vettel die WM gewinnt, bezweifelt eigentlich niemand mehr. "Es braucht eine Invasion von Nordkorea in Südkorea, ein Erdbeben in Japan, Dengue-Fieber in Indien, einen Sandsturm in Abu Dhabi, eine Schießerei in Texas und einen bewaffneten Raubüberfall in Brasilien, um Sebastian Vettel auf dem Weg zum jüngsten WM-Titel aufzuhalten", umschrieb es die britische "Daily Mail" drastisch.

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Gelingt es Vettel, fehlt ihm nur noch ein Titel im kommenden Jahr, um mit seinem Kindheitsidol Michael Schumacher in der Serien-Rekordzahl von fünf WM-Triumphen nacheinander gleichzuziehen. Auch Schumacher – damals für Ferrari unterwegs – machte sich durch seine Erfolge, seinen Perfektionismus und seine uneingeschränkte Fokussierung auf das sportlich Wesentliche nicht bei allen beliebt. Erst als der Erfolg nach seiner Rückkehr in die Formel 1 ausblieb, gewann Schumacher, der insgesamt siebenmalige Weltmeister und 91-fache Grand-Prix-Sieger, die Sympathien vieler Motorsportfans.

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Sebastian Vettel Helm Vettel Helm Chilton
Durch Applaus und Zuneigung allein ist allerdings noch niemand Weltmeister geworden. "Wenn andere die Eier in den Pool hängen lassen am frühen Freitag, arbeiten wir immer noch hart für ein starkes Rennen", erklärte Vettel das Red-Bull-Erfolgsrezept. Dass er nun schon wieder für den Lohn der Mühen ausgebuht wurde, fand RTL-Experte und Mercedes-Teamaufsichtsratschef Lauda "lächerlich". Dass die Antipathien direkt gegen Vettel als Person gerichtet sind, glaubt Teamchef Horner allerdings nichts. "Die Leute lieben einfach den Underdog. Und sie wollen wissen, wer den Dauersieger als erstes schlägt. Das ist normal", sagte der Brite. Normal in der Formel-1-Hierarchie ist aber seit drei Jahren und wahrscheinlich auch in der vierten Saison nacheinander, dass am Ende Vettel wieder ganz oben steht – Buhrufe hin oder her.

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