Formel-1-Weltmeister beim Indy 500

Formel-1-Champions beim Indy 500

— 18.04.2017

Schwere Unfälle, unglaubliche Siege

Formel-1-Weltmeister beim Indy 500 – was seit Jahren eine Seltenheit geworden ist, war früher ganz normal. Ein Blick in die Indy-500-Geschichtsbücher.

Fernando Alonso sollte zur Vorbereitung auf seinen Indy-500-Tripp einen Blick auf die Historie werfen. Denn die Formel-1-Champions, die sich bisher in den schnellsten Nudeltopf der Welt wagten, erlebten die ganzen Höhen und Tiefen, die das älteste Autorennen der Welt bieten kann. Triumphe und Tragödien, Siege und schwere Unfälle, glanzvolle Auftritte und grässliche Niederlagen. Wer beim Indy 500 einen Fehler macht, landet meist direkt in der Mauer. Das musste auch Nelson Piquet bei seinem Auftritt 1992 am eigenen Leib erfahren, als er über ein Trümmerteil fuhr, abflog und sich dabei schwere Bein- und Fußverletzungen zuzog. „Noch heute tun mir beim längeren Stehen die Füße weh“, klagt der Brasilianer. Ein Jahr dauerte seine Rehabilitation, dann fuhr er 1993 noch einmal das Indy 500 – weil erst dann Teamchef John Menard das versprochene Preisgeld von einer Million Dollar herausrückte.


Auch Jack Brabham fuhr in den 60er Jahren mehrmals in Indy – und einmal durch einen Trümmerhagel. „Ich bin wirklich nur durch Zufall am Leben geblieben – seitdem hat mir meine Frau untersagt, nochmal in Indianapolis zu fahren“, erinnert sich der dreimalige Weltmeister. Er war 1961 der erste Europäer, der im Cooper-Climax ernsthaft versuchte, das Indy 500 zu gewinnen.

Mario Andretti 1986 beim Indy 500

Seltsam: Ausgerechnet 1961, als das Indy 500 erstmals nach elf Jahren keinen WM-Status mehr hatte. Aber obwohl beim Indy 500 von 1950 bis 1960 WM-Punkte vergeben wurden, probierten sich nur wenige Formel-1-Fahrer in Indianapolis. Der erste Weltmeister aller Zeiten, Giuseppe Farina, startete 1956 ein Indy-Abenteuer mit Ferrari. Vier Jahre zuvor scheiterte Alberto Ascari, zu dem Zeitpunkt noch kein Formel-1-Champion, in einem Werks-Ferrari bereits kläglich. Also kaufte sich Ferrari für 1956 das dominierende Kurtis-Kraft-Chassis und verbaute einen 4,4-Liter-Sechszylinder-Ferrari-Motor aus dem Le-Mans-Prototypen im Auto – aber Farina konnte sich nicht für das Rennen qualifizieren. Ebenso wenig wie Juan-Manuel Fangio 1958 in seinem Kurtis-Kraft-Offenhauser.

Vier Formel-1-Champions in einem Indy 500

Erst der Brabham-Auftritt machte 1961 in der Formel 1 Schule. Plötzlich war Indianapolis eine interessante Herausforderung. Vor allem für das Lotus-Team. Aber es dauerte bis 1965, als Jim Clark als erster Formel-1-Profi die IndyCar-Piloten niederringen konnte. Der Schotte, der in dem Jahr auch zum zweiten Mal Weltmeister wurde, spielte seine Errungenschaft herunter: „Ich bin doch nur 1000 Mal eine Linkskurve gefahren...“

Ein Jahr später lag Jackie Stewart auf Siegkurs. Der Schotte, zu dem Zeitpunkt noch kein Formel-1-Champion, fiel dann aber wegen eines Problems mit dem Öldruck zurück. Den Sieg erntete Graham Hill in einem Lola-Ford – der damit als bis heute einziger Fahrer die Tripple Crown des Rennsports erringen konnte.

Graham Hill siegte 1966

In den 90er Jahren war die IndyCar-Serie am absoluten Höhepunkt. Diverse Formel-1-Stars tummelten sich beim Indy 500. 1993 mit Mario Andretti, Nelson Piquet, Nigel Mansell und Emerson Fittipaldi sogar vier Formel-1-Champions! Mansell wechselte als amtierender Weltmeister zu Newman Haas in die IndyCar-Serie und lag 16 Runden vor dem Ende sogar in Führung. Dann kam es in Folge einer Gelbphase zu einem Re-Start – und der spätere Sieger Fittipaldi überrumpelte den Briten. Der aber noch Dritter wurde.

Fittipaldi gewann Indy 500 gleich zwei Mal. Andretti einmal. Aber als die US-Rennlegende 1969 im Brawner Hawk-Ford triumphierte, war er noch kein Champion. Insgesamt fuhr Andretti 29 Mal beim Indy 500, zuletzt 1994. Als sich Tony Kanaan 2003 im Vorfeld verletzte, bestritt er einige Trainingsrunden, war trotz seiner 63 Jahren sehr schnell und sollte sogar das Qualifying fahren. Dann überschlug er sich bei einem Horrorcrash mehrmals, blieb aber unversehrt.


Als Jacques Villeneuve 1995 das Indy 500 gewann – obwohl er zwischenzeitlich zwei Runden Rückstand hatte! – stand der Kanadier erst vor seiner Formel-1-Premiere. 2014 kehrte er als bis Alonso letzter Weltmeister aber nochmals zurück, wurde 14. und konnte nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen.

In der Bildergalerie zeigen wir ihnen alle Formel-1-Weltmeister beim Indy 500.

Formel-1-Weltmeister beim Indy 500

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller; Getty Images; Picture-alliance

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