Formel 1

Formel 1: Testfahrten in Barcelona 2018

Formel 1: Chase Carey exklusiv

F1-Boss enthüllt seine Pläne

Wir haben Chase Carey im Formel-1-Hauptquartier in London getroffen. Das sagt der Formel-1-Boss zu seinen Zukunftsplänen für die Formel 1.
Zwei Handschuhe von Weltmeister Lewis Hamilton fallen ins Auge, eine Motorhaube von Red Bull, ein Heckflügel von Renault. Dennoch: Hier, im neuen Formel-1-Hauptquartier ist alles ein wenig unaufgeregter als in Bernie Eccle­stones alter Residenz, wo schon mal eine Handgranate auf dem Tisch lag.
Der alte Formel-1-Boss residierte einst im noblen Londoner Stadtteil Knightsbridge. Die neuen Eigentümer von Liberty Media mischen sich lieber unters Volk. Sie arbeiten im lebendigen Stadtteil Soho, gleich neben dem Piccadilly Circus. Im fünften Stock eines unscheinbaren Gebäudes am St. James’s Market schrauben 81 Frauen und Männer an Gegenwart und Zukunft der Königsklasse. AUTO BILD trifft den Boss, Chase Carey, im Konferenzraum „Nürburgring“. 

Formel 1: Die Autos der Topteams im Vergleich

Herr Carey, was fahren Sie eigentlich privat für ein Auto?
Chase Carey (64): Ehrlich? Ich fahre Taxi! In London braucht man kein Auto.  
Der Mann aus Brooklyn nimmt einen Schluck aus seiner mit dem Formel-1-Logo gebrandeten Kaffeetasse. Mit seinem extravaganten Schnauzbart wirkt er nicht minder autoritär als sein Vorgänger.

ABMS-Redaktionsleiterin Bianca Garloff mit Chase Carey

Sie sind nun seit einem Jahr im Amt. Wie lautet Ihr erstes Fazit?

Es war wichtig, dem Sport frische Energie und ein positives Momentum zu geben. Bernie hat 2016 ja selbst gesagt, er würde kein Ticket kaufen. Es gab eine Negativspirale – und die mussten wir durchbrechen. Jetzt arbeiten wir daran, den Sport selbst noch besser zu machen. Ross Brawn ist eine der Schlüsselfiguren, wenn es darum geht, den Weg der Formel 1 nach 2021 (wenn die Verträge auslaufen; d. Red.) festzulegen. Die ganze Show drum herum, die digitale Transformation – all das ist abhängig von gutem Racing. Wir brauchen mehr Action, mehr Wettbewerb und weniger Vorhersehbarkeit. 
Das geht eigentlich nur über eine Budget-Obergrenze …
Jeder stimmt darin überein, dass es keinen Sinn ergibt, so viel Geld auszugeben, wie einige Teams das tun. Das heißt nicht, dass wir den Sport oder die Technik schlechter machen wollen. Es sollte aber darum gehen, wie gut man sein Geld ausgibt und nicht darum, wie viel man ausgibt. Ich will hier nicht über Zahlen sprechen. Aber für eine Budgetgrenze brauchen wir Regeln – und Konsequenzen, wenn man versucht zu betrügen. Die früheren Eigentümer haben einen großartigen Sport auf die Beine gestellt, aber die Welt ändert sich, und in den letzten Jahren wurde viel Potenzial liegen gelassen. 
Ferrari und Mercedes wollen auf gewisse Privilegien nicht verzichten und auch die komplizierten Hybridmotoren über 2021 hinaus behalten. Ferrari droht sogar mit Ausstieg. Ihre Antwort darauf?
Ferrari ist extrem wichtig für den Sport, und wir wollen sie behalten. Gleiches gilt für Mercedes. Wir schätzen alle unsere Teams. Unser Ziel ist es nicht, die Teams auszutauschen, sondern den Sport und das Business auch für sie besser zu machen. Unser ultimatives Ziel aber müssen glückliche Fans sein. Alles andere kommt danach. 

Formel 1: Testfahrten in Barcelona 2018

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Das heißt konkret?
Ich will einen gesunden Sport. Für die Fans und für die Teams. Natürlich darf es nicht komplett ausgeglichen sein. Gewinnen muss belohnt werden, Verlieren nicht. Trotzdem ist das aktuelle Businessmodell nicht gut – insbesondere für die kleinen Mannschaften. Mein Ziel ist, dass neue Teams in die Formel 1 einsteigen wollen. Sowohl Privatleute als auch große Hersteller. Unser Sport ist mit mehreren hundert Millionen Fans verbunden – das hat auch für Automobilbauer einen gewissen Wert. Stellen Sie sich vor: Niemand wollte Manor kaufen, nicht mal für einen Dollar. Das kann doch nicht sein! Es darf kein Team geben, das niemand kaufen will. 
Sie krempeln die Formel 1 gerade um. Neue Startzeiten, keine Grid Girls mehr, neues Logo. Keine Angst, dass die Hardcore-Fans irgendwann abschalten?
Nein. Wie gesagt: Die Fans sind uns unglaublich wichtig, genau wie Europa – und damit meine ich auch Deutschland – unsere Basis ist. Unser Motto lautet daher: selbes Spiel, andere Herangehensweise. Wir wollen ein Produkt schaffen, das alles beinhaltet, womit die Fans aufwuchsen, das aber nicht in der Zeit eingefroren ist. Wenn man den Wandel nicht zulässt, kann man nicht wachsen.
Fehlen der Formel 1 die Helden?
Nein. Lewis Hamilton ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Halb Holland kommt zu den Rennen, um Max Verstappen zu sehen. Ferrari ist das hellste Licht in diesem Sport. Wenn sie mit Vettel, dem nächsten Deutschen nach Schumacher, um den Titel fahren, ist das ebenfalls eine tolle Story. 

Formel 1: Die Technik-Tricks der F1-Autos 2018

Was wünschen Sie sich für die Saison 2018?
Ich will Wettbewerb und Drama. Letztes Jahr war es mir zu sehr ein Duell nur zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Ich wünsche mir aber, dass auch mal ein Underdog gewinnt und nicht immer nur die Favoriten. Kann ein Fernando Alonso vielleicht mal wieder auftrumpfen, bei dessen Ausfällen 2017 einem ja das Herz geblutet hat? Kann McLaren mit Renault angreifen? Hat Verstappen vielleicht mal mehr Glück als in der ersten Saisonhälfte 2017? Das wären schöne Szenarien.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture Alliance / Bianca Garloff

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