Formel 1: Galerie - China GP

Formel 1: China GP - Tagebuch

— 12.04.2015

Shanghai im Splitter: Sonntag

Die Formel 1 gastierte im Reich der Mitte. AUTO BILD MOTORSPORT schildert die Eindrücke aus dem Fahrerlager von Shanghai. Alle News jetzt im Überblick:

Sonntag

Drei aus drei macht Vettel happy: Obwohl beim letzten Rennen noch Sieger, war Sebastian Vettel mit seinem dritten Platz in China mehr als zufrieden. "Das ist ein großer Erfolg für uns, denn wir waren wieder nah dran an Mercedes und konnten sie unter Druck setzen", so Vettel. "Erst als die beiden auf harten Reifen waren, haben sie ein bisschen ein Feuerwerk gestartet und sind weggezogen", sagte der Heppenheimer mit Blick auf die Konkurrenz und erklärte: "Wir haben versucht mit einem frühem Stopp Druck zu machen, aber das hilft einem am Ende des Rennens natürlich nicht." Außerdem sei es eine Sache, nahe an den Gegner ranzukommen, "wirklich zu überholen ist aber eine ganz andere."

Trotzdem fiel Vettels Fazit positiv aus: "Für uns war es ein rundes Wochenende, wir haben beide Autos direkt hinter Mercedes ins Ziel gebracht. Wenn wir weiter kleine Schritte nach vorne machen können, sieht es ganz gut für uns aus." Vettel freute sich zudem, dass seine Bilanz seit seinem Wechsel von Red Bull zu Ferrari im Winter weiterhin blitzsauber aussieht. "Drei Podien aus drei Rennen - das liest sich toll. Ich fühle mich sehr gut und wohl im Team. Wir haben tolle Leute hier bei Ferrari und die Arbeit macht Spaß."

Bei Sebastian Vettel und Ferrari läuft es: Im dritten Rennen gab es das dritte Podium

Tiefstapler Arrivabene & Räikkönen:
Maurizio Arrivabene, seines Zeichens Teamchef bei Ferrari, wollte nach den Plätzen drei und vier für seine Mannen in China die Euphorie bei den Italienern bremsen. "Zuerst einmal muss man sagen: Gratulation an Mercedes, das war ein perfektes Rennen von ihnen. Wir haben versucht unser Bestes zu geben, aber diese Strecke war nun nicht unbedingt ideal für uns. Wir haben auf Fehler von Mercedes gelauert, es kamen aber keine, also war für uns nicht mehr drin." Auch Kimi Räikkönen bekräftige die Meinung seines Chefs. "Wir wollten um die Plätze ganz vorne kämpfen, aber als Team war das heute wohl mehr oder weniger das Maximum." Eine schnelle Veränderung dieses Zustandes sei nicht in Sicht. "Im letzten Jahr war Mercedes gerade in Bahrain besonders schnell", sagte der Finne mit Blick auf das nächste Rennen der Formel 1 in einer Woche in der Wüste.

Samstag

Vettel vermisst Schumachers Rat: Sebastian Vettel hätte vor seinem Wechsel zu Ferrari gerne den Rat von Kumpel Michael Schumacher eingeholt. „Weil die Entscheidung so schwierig war, hätte ich liebend gerne mit Michael darüber gesprochen”, erklärte der viermalige Weltmeister am Rande des Rennens in Shanghai. „Ich denke, ich habe diesen Teil sehr vermisst, einfach weil ich wusste, dass er mir die Wahrheit gesagt hätte, was er darüber denkt.” Vettel bezeichnete die Abwägung, Red Bull vor dieser Saison für die ruhmreiche Scuderia zu verlassen, als „schwierigste Entscheidung in meinem Leben”. Daher wäre ihm Schumachers Rat ungemein wichtig gewesen. „Er war immer sehr hilfsbereit und ehrlich”, meinte Vettel mit Blick auf den reichen Formel-1-Erfahrungsschatz Schumachers, der nach seinem Skiunfall im Dezember 2013 weiter seine langwierige Rehabilitation fortsetzt.

Niki Lauda (li.) glaubt, dass sein Schützling Nico Rosberg (re.) in China auftrumpfen kann

Lauda traut Rosberg viel zu:
Gerade einmal 42 Tausendstel fehlten Nico Rosberg in Shanghai am Samstag zur Pole und für einen Sieg gegen seinen fast übermächtig erscheinenden Weltmeister-Teamkollegen Lewis Hamilton. Mercedes-Boss Niki Lauda jedenfalls war äußerst angetan von Rosbergs Leistung im Qualifying. "Mich freut es persönlich wahnsinnig, denn ich weiß wie sehr Nico in den letzten zwei Rennen gelitten hat, weil Lewis ihm um die Ohren gefahren ist. Heute aber war er gleich schnell und hat zurückgeschlagen." Lauda weiter: "Ich gehe deshalb davon aus, dass er morgen hart an der Spitze kämpfen wird. Zwischen ihm und Lewis wird es auf jeden Fall ein härteres Duell geben als bisher in dieser Saison."

Weltmeister auf dem heißen Stuhl: Kuriose Probleme hatte Lewis Hamilton am Samstag zu beklagen. Der Brite funkte mitten während der Qualifying-Session an seine Box: "Mein Sitz wird schon wieder sehr heiß!" In der Tat hatte der amtierende Champion in China mit einer überhitzenden Sitzschale zu kämpfen, wie Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda bestätigte. Der Österreicher mit einem Schmunzeln: "Ich rate Lewis Eiswürfel hineinzulegen, damit würde er auch gegen keine Regel verstoßen." Die ernsthaftere Lösung sei laut Spaßvogel Lauda jedoch: "Wir müssen den Sitz leicht abdichten und dann unten mehr Luft durchlassen."

Freitag

Mercedes rechnet mit Ferrari: Lewis Hamilton glaubt im Titelkampf bis auf weiteres an intensive Konkurrenz von Sebastian Vettel. „Ich kann nicht vorhersagen, wie sich die Saison entwickelt und wie eng uns Ferrari herausfordern wird. Aber ihr Wagen ist offensichtlich gar nicht schlecht und sie haben gewaltige Fortschritte mit ihrem Motor gemacht”, so der Mercedes-Mann vor dem dritten Saisonrennen in Shanghai. „Daher nehme ich an, dass sie uns von diesem Punkt aus an für eine Weile im Nacken sitzen werden.” Hamilton führt die WM-Wertung vor Vettel und Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg an.

Der Deutsche Rosberg sieht das wiedererstarkte Ferrari-Team um seinen Landsmann Vettel dabei mit gemischten Gefühlen. „Vettel kann eine Hilfe sein”, räumte der gebürtige Wiesbadener am Donnerstag mit Blick darauf ein, dass der viermalige Formel-1-Champion seinem Teamkollegen Hamilton wichtige Punkte abnehmen könne. In Malaysia sei Vettel als Sieger jedoch „mehr als eine Gefahr” gewesen. „Das geht dann voll nach hinten los”, meinte Rosberg. Die Perspektive auf Vettel könne sich daher schnell wandeln: „Sollte er weiter siegen, wird das zu einem Problem.”

Findet nicht, dass sein Wechsel zu McLaren die falsche Entscheidung war: Fernando Alonso

Alonso sieht Honda-Form gelassen:
Trotz einer bislang trostlosen Saison bereut Fernando Alonso seinen Wechsel von Ferrari zu McLaren-Honda nicht. Er habe fünf Jahre bei der Scuderia verbracht, sei dabei dreimal Zweiter geworden und wollte kein viertes Mal Zweiter werden, sagte der 33-Jährige vor dem Grand Prix von China in Shanghai. Allerdings räumte der Asturier ein: „Wenn sie am Ende des Jahres die Weltmeisterschaft gewinnen, werde ich vielleicht eine andere Meinung haben.” Seine Rückkehr zu McLaren mit dem neuen Motorenpartner Honda verlief bislang ernüchternd.

Beim ersten Rennen in Australien musste Alonso wegen der Nachwirkungen eines Unfalls bei Testfahrten aussetzen, in Malaysia fiel er aus. Dennoch kann sich der zweimalige Champion ein Karriereende beim Team aus Woking vorstellen. Als kleiner Junge habe er von seinem Vater die Nachbildung eines McLaren-Honda geschenkt bekommen. „Ich werde mit McLaren-Honda abschließen, aber diesmal mit dem echten in der Formel 1.”

Red Bull wird keinen eigenen Motor bauen: Ein Verbleib in der Formel 1 macht für Red Bull nur mit einer wettbewerbsfähigen Antriebseinheit Sinn. „Wenn wir diese nicht haben, haben wir auch mit dem besten Auto und den besten Fahrern keine Chance, um den Sieg mitzufahren”, sagte Rennstallbesitzer Dietrich Mateschitz in einem Interview der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Entwicklung eines eigenen Motors schloss der Milliardär aus, „ganz einfach weil wir kein Automobilhersteller sind, der diese Investitionen rechtfertigen könnte”. Red Bull bekommt seit Jahren seine Antriebseinheiten von Renault.

Mit dem französischen Hersteller feierte das Team von 2010 bis 2013 vier Fahrertitel in Serie und vier WM-Triumphe in der Konstrukteurswertung. Seit dem Umstieg von Saug- auf Turbomotoren zur vergangenen Saison fährt Red Bull nicht mehr um den Titel mit. Bis 2016 läuft der aktuelle Vertrag noch. „Ein sogenannter Kundenmotor ist - wie jeder weiß - auch nicht die Lösung. Also muss es uns mit Renault gelingen, an die Leistung von Ferrari und vor allem Mercedes näher heranzukommen”, betonte Mateschitz und stellte klar: „In der F1 werden wir nur bleiben, wenn wir ein wettbewerbsfähiges Team haben, dafür ist eine wettbewerbsfähige Antriebseinheit Voraussetzung.”

Unklar: Wann unterschreibt Lewis Hamilton seinen neuen Mercedes-Vertrag endlich?

Hamiltons Vertragspoker zieht sich:
Die Verhandlungen zwischen Lewis Hamilton und seinem Mercedes-Team über den neuen Kontrakt des Weltmeisters bleiben weiter eine Hängepartie. Obwohl angeblich längst Einigkeit über Laufzeit und Bezahlung (im Raum stehen 35 Millionen Euro pro Jahr) besteht, ist der Deal noch immer nicht in trockenen Tüchern. Hamilton nervt das, beim TV-Sender Sky beschwerte sich der Brite daher: „Ich verhandele ja das erste Mal selbst und weiß gar nicht mehr, wie oft ich die 80 Seiten lesen musste. Alles ist im Anwalt-Jargon geschrieben. Um ehrlich zu sein, geht mir das ziemlich auf den Sack!“

Silberpfeile als Serientäter: Seit 41 Rennen ist zumindest ein Mercedes in die Punkte gefahren. Weit abgeschlagen liegen in der aktuellen Bestenliste Williams (21) und Red Bull (20). Ferrari-Neuling Sebastian Vettel hat bei den Fahrern aktuell die Nase vorn. 13 Mal in Serie holte der frühere Red-Bull-Mann zumindest einen Punkt für sein Team. Dahinter folgen Weltmeister Hamilton (9) und Williams-Pilot Felipe Massa (5). In der historischen Bestenliste liegt bei den Rennställen Ferrari an der Spitze. 81 Mal nacheinander fuhr mindestens ein Scuderia-Pilot in die Punkte, ehe am 5. Oktober 2014 in Japan keine „Rote Göttin” die Zielflagge sah. Kimi Räikkönen hält bei den Piloten die Bestmarke. 25 Mal holte der Finne nacheinander Zähler - so oft wie kein anderer.

Schrecksekunde in Shanghai: Flitzeralarm in China! Mitten im zweiten Freien Training der Formel 1 rannte am Freitagmorgen um 8.16 Uhr deutscher Zeit ein schwarz gekleideter Mann von der Haupttribüne auf die Start-Ziel-Geraden. Kurz nachdem der Sauber von Felipe Nasr mit 300 Stundenkilometern vorbei gerauscht war... und während sich von hinten schon der Force India von Nico Hülkenberg näherte. Nachdem der Mann die Fahrbahn überquert hatte, sprang er in eine Lücke des Zauns der Boxenmauer. Wie sich später herausstellte, wollte der Flitzer in die Garage von Ferrari gelangen. Nach seiner waghalsigen und gefährlichen Aktion nahm die chinesische Polizei den Mann in Gewahrsam. (dpa)

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.