Red Bull

Formel 1: Christian Horner im Interview

— 30.07.2014

Seb will nirgendwo anders fahren

Red-Bull-Teamchef Christian Horner spricht nach dem Ungarn GP exklusiv mit AUTO BILD MOTORSPORT über das aktuelle Geschehen in seinem Team.

Herr Horner, wieder war Sebastian Vettel heute langsamer als Daniel Ricciardo. Warum hat er das Siegen verlernt?

Christian Horner: Sebastian klebt einfach das Pech an den Hacken. Das ganze Wochenende lief sehr, sehr gut für ihn – bis hin zu Platz zwei im Qualifying hatte er Daniel immer im Griff. Dann wurde das Safetycar zum für ihn und die anderen vier Führenden ungünstigsten Zeitpunkt rausgeschickt. Damit war sein Rennen eigentlich schon kaputt. Dann gab es beim Restart auch noch ein Problem mit seinem Energierückgewinnungssystem. Deshalb hat er gleich noch einen Platz verloren. Der Dreher ist ihm dann im Eifer des Gefechts passiert.

Trotz seiner Pechsträhne: Offenbar sind mehrere Teams an Sebastian Vettel interessiert, darunter Mercedes. Bei Red Bull wirkt er dieses Jahr nicht so glücklich. Haben Sie Angst ihn zu verlieren?

Vettel (hinten) findet sich 2014 immer öfter hinter Ricciardo (vorne) wieder

(schmunzelt) Naja, man hört so einiges. Aber man kann es den anderen Teams nicht vorwerfen, dass sie Interesse an einem vierfachen Weltmeister haben. Trotzdem habe ich keine Angst davor. Seb fühlt sich wohl bei uns, traut uns. Er hat 38 Siege mit uns geholt. Das vergisst man nicht einfach. Es geht da auch nicht um ein geschriebenes Stück Papier. Es geht darum, wie man sich in seiner Umgebung fühlt. Und ich glaube nicht, dass Seb im Moment irgendwo anders fahren will. Sein größter Frust ist – wie für uns alle – der Antrieb.

Woher kommt die Hoffnung, dass der nächstes Jahr besser wird?

Seit sich die Führungsspitze von Renault verändert hat, haben sich dort Türen geöffnet, die vorher geschlossen waren. Renault will jetzt aggressiver entwickeln und vor allem noch enger mit uns zusammenarbeiten. Einige Renault-Ingenieure werden sogar bei uns in der Fabrik in England sein. Jetzt steht nicht mehr nur im Vertrag, dass wir das Werksteam sind. Das wird jetzt auch gelebt.

Wenn der Antrieb verbessert ist, welchen Vorteil sehen Sie dann gegenüber Mercedes?

Unsere Fahrer. Wir haben zu Hundertprozent die beste Fahrerpaarung der Formel 1. Sebastian und Daniel paaren Intelligenz und Speed besser alle anderen.

Hatten Sie erwartet, dass Daniel Ricciardo in seinem ersten Jahr so stark sein würde?

Australischer Goldjunge: Ricciardo (li.) beeindruckt Horner (re.) immer mehr

Nein. Aus Teamsicht ist die Situation fantastisch. Wir wussten, dass er schnell ist. Aber er hat all unsere Erwartungen übertroffen. Er ist ein guter Racer, ein guter Qualifyer, sehr schnell und sehr cool. Und beide Fahrer haben eine wirklich großartige Beziehung. Das ist eine komplett neue Erfahrung (lacht). Zwei Fahrer, die sich mögen – aber auf der hart gegeneinander fahren.

Trotzdem war Vettel in Montreal und auch jetzt in Budapest enttäuscht, dass er die schlechtere Strategie bekommen hat als Ricciardo...

Natürlich. Montreal war ein Rennen, das sein Teamkollege gewonnen hat, obwohl Seb die bessere Ausgangslage hatte. Es war sogar für uns schwer zu verstehen, was da schief gelaufen ist. Letztlich war es eine Verkettung unglücklicher Umstände. Eben wie in Budapest. Aber Seb hat verstanden, dass das keine böse Absicht war. Er ist ein sehr ausbalancierter junger Mann. Und was mich an dem Tag in Montreal besonders überrascht hat: Dass er sich trotzdem ehrlich mit Daniel über dessen Sieg gefreut hat. Da war er ein echter Sportsmann.

Mehr über Christian Horners Meinung zu Sebastian Vettel lesen Sie am Freitag in der aktuellen AUTO BILD MOTORSPORT.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

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