Williams

Formel 1: Claire Williams im Interview

— 12.09.2014

Williams hat den Glauben zurück

Traditionsteam Williams ist zurück an der Spitze: Im Interview erklärt Vizeteamchefin Claire Williams, wie der Rennstall wieder auf die Siegerstraße fand.

Den letzten WM-Titel holten die Briten 1997 mit Jacques Villeneuve. Dann verließ Design-Genie Adrian Newey das Team und es ging rapide bergab. 2014 ist Williams zurück im Kampf um die Spitze. Sechsmal starteten die Renner in den Martini-Farben schon aus der ersten Reihe. Viermal fuhr Valtteri Bottas aufs Podium, in Monza zuletzt Felipe Massa (Rang drei). Im Interview erklärt die Tochter von Firmengründer Frank Williams, Vizeteamchefin Claire, wie Williams zurückfand auf die Siegerstraße.

Frau Williams, Platz drei mit Felipe Massa in Monza, dazu jetzt auch noch Dritter in der WM der Konstrukteure. Was macht Williams in diesem Jahr endlich wieder so stark?

Claire Williams: Ein ganz wichtiger Grund ist der Mercedes-Motor. Außerdem haben wir unseren Talent-Pool besser strukturiert. Pat Symonds (Michael Schumachers ehemaliger Technikchef bei Benetton, seit 2013 bei Williams; d. Red.) hat unsere Ingenieursgruppe neu strukturiert und so extrem gestärkt. So haben wir das Team praktisch wiederbelebt. Pat ist eine tolle Persönlichkeit, aber auch ein großartiger Ingenieur.

Man spürt auch im Motorhome an der Strecke eine veränderte Atmosphäre. Woher kommt das neue Selbstbewusstsein?

Williams ist mit Valtteri Bottas und wie hier zuletzt mit Felipe Massa (Bild) in Monza Dauergast auf dem Podium

Allein, dass wir einen Fahrer vom Kaliber eines Felipe Massa gewinnen konnten, hat das Team wieder selbstbewusster gemacht. Wir haben den Glauben an uns zurückgewonnen. Wenn man nicht an sich glaubt, wird man auch nicht gewinnen. Das war eines unserer Probleme. Wir wussten nicht mehr genau, wer wir sind und wo wir hinwollen. Das ist jetzt wieder anders. Jetzt haben wir wieder das klare Ziel in nicht allzu ferner Zukunft um den WM-Titel zu kämpfen.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt natürlich der Mercedes-Antrieb. Uns ist früh klar geworden, dass Mercedes den besten Motor haben würde. Also haben wir zugeschlagen. Das hat sich ausgezahlt.

Das Auto selbst kann aber auch nicht so schlecht sein.

Das Auto ist gut, kann aber noch besser werden. Unser Vorteil ist, dass die Regeln gleichbleiben. Deshalb können wir auf der guten Basis aufbauen. Das nächstjährige Auto wird eher eine Evolution denn eine Revolution. Unsere Herangehensweise: Wir designen eine gute Basis und versuchen die dann zu verbessern.

Wie gut ist die Basis in diesem Jahr schon?

Es ist ein sehr stabiles Auto. Pat Symonds hat die Komplexität und Kompliziertheit der Vorgängermodelle über Bord geworfen. Dabei haben uns die neuen, einfacheren Aero-Regeln natürlich in die Karten gespielt. Grundsätzlich ist die Balance besser als all die Jahre zuvor. Wir hatten immer Probleme mit dem Einlenkverhalten und Bremsen in die Kurven. Die haben wir abgestellt. Aber noch einmal: Das Paket des Autos ist gut, weil dahinter stehen Leute stehen, die jetzt auf eine richtige Art und Weise zusammenarbeiten.

Überrascht hat auch Ihr Fahrer Valtteri Bottas, der in Italien erneut von Platz drei starten konnte.

Auch im hohen Alter noch voll ins Geschehen im Team integriert: Rennstall-Gründe Frank Williams

Valtteri hat mich nicht überrascht. Schon unsere Simulator-Ingenieure haben gesagt, er sei einer der besten Fahrer, die wir je im Simulator hatten – sehr konstant und mit gutem technischen Feedback. In den vergangenen Jahren haben wir schon sehen können, wie gut er ist und es lag an uns ihm ein Auto zu geben, mit dem er sein Talent zeigen kann. Ich sehe in ihm einen zukünftigen Formel-1-Weltmeister. Er ist konstant und liefert immer. Wir müssen uns bei keinem seiner Manöver Sorgen machen. Er macht alles mit einer unheimlichen Ruhe. Felipe ist das ganze Gegenteil, was für das Team aber sehr gut ist. Außerdem profitieren wir extrem von seiner Erfahrung.

Vor dem Sturm aufs Podium in Monza hatte er viel Pech, war oft unglücklich in Kollisionen verwickelt.

Stimmt. Er ist aber erwachsen und erfahren genug um zu verstehen, dass solche Pechsträhnen dazugehören. Er ist trotz allem Pech immer fokussiert geblieben. Das hat sich jetzt ausgezahlt. Wir hatten immer volles Vertrauen mit Felipe, deshalb haben wir mit beiden Fahrern für 2015 verlängert.

Welche Rolle spielt Ihr Vater Frank Williams eigentlich noch im Team?

Frank ist immer noch unser Teamchef und 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche in der Fabrik. Er liebt die Formel 1 und ist immer noch in alles involviert. Alles, was ich mache, geht auch über Franks Tisch. Er ist immer noch die Seele des Teams und hält alle zusammen. Er ist ein inspirierender Charakter, ein echter Racer und er verkörpert Williams immer noch. Aber er ist nicht zufrieden, bis wir unseren nächsten Sieg erringen und wieder um die WM kämpfen.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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